Digitalradio

Rheinland-Pfalz: Privatradios weiter skeptisch bei DAB+

In Rheinland-Pfalz soll es ab 2020 einen oder mehrere Multiplexe für Privatradios in DAB+ geben. So wünschen es zumindest die Staatskanzlei und die Landesanstalt für Medien und Kommunikation. Die kommerziellen Sender haben aber große Bedenken.
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Antenne Mainz sendet bereits über DAB+ in Hessen und ist mit der Reichweite sehr zufriedenAntenne Mainz sendet bereits über DAB+ in Hessen und ist mit der Reichweite sehr zufrieden In Rheinland-Pfalz soll es ab 2020 einen oder mehrere Privatradio-Multiplexe für das digital-terrestrische Radio DAB+ geben. So wünschen es zumindest die Staatskanzlei und die Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LMK) und luden Anfang November zu einem Runden Tisch mit Vertretern von Südwestrundfunk (SWR), Deutschlandradio und privaten Veranstaltern nach Mainz ein. Dabei präsentierte die LMK mehrere Vorschläge und Verfahren zur Umsetzung einer landesweiten, regionalisierbaren DAB+-Versorgung für private Hörfunkveranstalter im Land.

Wie teltarif.de aus Teilnehmerkreisen erfuhr, reagierten die Veranstalter sehr unterschiedlich auf die Ideen. Zustimmung zu den Vorschlägen gab es aber aus diversen Gründen kaum. Die LMK stellte drei Varianten vor: einen landesweit einheitlichen Multiplex auf einem Kanal sowie regionalisierbare Bedeckungen mit drei oder alternativ vier Kanälen, die in Gesamtheit eine landesweite Abdeckung ermöglichen.

Eine landesweite Abstrahlung würde einen Veranstalter laut LMK bei einem Modell mit vier Regionalgebieten 142 000 Euro im Jahr (für 54 CU) im Endausbau (17 Sendeanlagen) kosten, eine regionalisierte je nach Multiplex zwischen 32 000 und 42 000 Euro. Die LMK geht jedoch von einem Startszenario mit nur fünf Sendeanlagen (Koblenz-Waldesch, Trier-Petrisberg, Mainz-Kastel, Kaiserslautern-Dansenberg und Ludwigshafen) aus. Hier würden die Kosten 55 000 Euro für das Gesamtnetz oder zwischen 9000 und 22 000 Euro für eine regionalisierte Ausstrahlung betragen.

RPR mit Status Quo zufrieden

Der Vertreter des landesweiten Privatradios RPR sollen dabei deutlich gemacht haben, dass man mit dem momentanen Status Quo eigentlich sehr zufrieden sei. Die Programme des Veranstalters, RPR Eins und bigFM, werden im landesweiten Multiplex des öffentlich-rechtlichen Südwestrundfunks verbreitet (Kanal 11A). Das Programm RPR Eins kann hier zwar nur mit einer landesweiten Version ohne regionalisierte Inhalte verbreitet werden, dafür seien die Kosten aber überschaubar und man hätte zudem eine bessere Abdeckung - vor allem im Vergleich zum von der LMK angedachten Startszenario in nur fünf Städten.

Lokalradios: Zu große Gebietszuschnitte

Umgekehrt sehen es dem Vernehmen nach die Vertreter vom Privatsender Rockland Radio und den Lokalradios: Für sie seien die Gebietszuschnitte der Multiplexe viel zu groß und damit zu teuer. Ein Sender wie Antenne Bad Kreuznach will die Stadt Bad Kreuznach und ein wenig Umland versorgen, aber keineswegs noch Städte wie Mainz, Wiesbaden, Worms oder Idar-Oberstein zusätzlich, was erhebliche Streuverluste bedeuten würde. Einen Einstieg in DAB+ nach dem Modell der LMK könne es nur bei einer staatlichen Förderung geben, so die Forderung der Lokalsender. Eine solche gilt jedoch als weitgehend ausgeschlossen.

Am bestehenden Status Quo nichts ändern will auch der private Lokalsender Antenne Mainz. Dieser ist bereits über DAB+ hörbar, nutzt aber einen Kanal im benachbarten hessischen Multiplex (Kanal 11C). Hierüber könne das eigentliche Sendegebiet in Rheinland-Pfalz perfekt abgedeckt werden, zusätzlich könne man Pendlerströme im Rhein-Main-Gebiet in Hessen weit besser berücksichtigen als über den vorgesehenen rheinland-pfälzischen Mux, der beispielsweise in Frankfurt oder Darmstadt nicht mehr hörbar wäre und sogar Versorgungslücken im eigenen Sendegebiet in Rheinland-Pfalz, etwa in Ingelheim oder Oppenheim, hinterlassen würde.

Small Scale Bad Kreuznach: Rechtliche Bedenken

Schließlich wurde auch noch über einen Small Scale-Multiplex im Raum Bad Kreuznach diskutiert. Der Veranstalter Studio Nahe will sein Programm neben UKW auch auf DAB+ ausstrahlen und hat hierfür eine betriebsbereite Sendeanlage auf dem Kuhberg bei Bad Kreuznach, dessen Reichweite bereits in einem Testbetrieb erprobt und von der Bundesnetzagentur dokumentiert wurde. Die LMK habe jedoch darauf verwiesen, dass die Ausschreibung für den Sendebetrieb durch die Bundesnetzagentur im Vorfeld erfolgen müsse und es durchaus sein kann, dass hierbei ein anderer Netzbetreiber zum Zuge kommen könnte. Außerdem gäbe es noch Klärungsbedarf, was die Rechtsgrundlage für eine Programmausschreibung betrifft. Aktuell laufen Gespräche zwischen Politik und LMK, um hier eine einvernehmliche Lösung zu finden.

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