Medientage

UKW-Abschaltung ist "Anschlag auf die Radioindustrie"

Auf den Medientagen München gab es kaum neue Erkenntnisse beim Umstieg von UKW auf DAB+ in Deutschland. Die großen Privatsender halten weiter stur an der analogen Technik fest, während die Befürworter die gute Entwicklung bei DAB+ loben. Die Medienanstalten vergeben inzwischen UKW-Lizenzen bis ins Jahr 2030.
AAA
Teilen (43)

Kaum neue Erkenntnisse zum Thema Digitalumsteig beim Hörfunk gab es auf den Medientagen München. Während die großen Privatradios weiter stur an UKW festhalten, loben die Digitalradio-Befürworter Fortschritte bei DAB+.

Befürworter betonen Vorteile von DAB+

Immer mehr Deutsche besitzen Digitalradios, UKW wird deswegen aber noch lange nicht abgeschaltetImmer mehr Deutsche besitzen Digitalradios, UKW wird deswegen aber noch lange nicht abgeschaltet "Digital ist besser" lautete das Fazit des Diskussionsforums zum digitalen Hörfunk im Rahmen der Medientage. Immer mehr Radiosender in Deutschland entscheiden sich für digitale Verbreitungswege. Zuletzt hat Deutschlandradio wichtige Impulse gegeben: In Mittenwald und auf Helgoland stellt es die Verbreitung seiner drei Programme komplett auf digital um. Die UKW Ausstrahlung wird zu Anfang November beendet. Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue auf den Medientagen München: "DAB+ bietet für uns drei Vorteile: Erstens ist es im Vergleich zu UKW wirtschaftlicher, zweitens klingen unsere hochwertigen Programme deutlich besser und drittens ist es überall frei empfangbar ohne Internetverbindung. Wir setzen unsere Digitalisierungsstrategie schrittweise um und bauen auf DAB+, Webstream und Podcast."

Finanzierung von 5G ungeklärt

Zum Panel eingeladen hatten der Verein Digitalradio Deutschland und die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM). Das steigende Interesse am digitalen Hören, insbesondere an DAB+, belegt auch der Digitalisierungsbericht der Medienanstalten 2018. Laut der Studie haben inzwischen über 18 Prozent der Deutschen Zugang zu Digitalradio DAB+. Der digital terrestrische Hörfunk ist der am schnellsten wachsende Radio-Übertragungsweg, noch vor IP- und Internetradio. Dazu Reiner Müller, stellvertretender Geschäftsführer der BLM: "Es dauert noch mindestens ein Jahrzehnt, bis 5G in weiten Teilen Deutschlands verfügbar ist. Wir können Mobilfunkunternehmen nicht verpflichten, 5G flächendeckend für Radio auszubauen, wenn die Finanzierung solcher Netze nicht geklärt ist. Radiomachern empfehle ich, auf DAB+ zu setzen, wenn sie zuverlässig überall und kostengünstig digital empfangen werden wollen."

Der Ausbau des nationalen DAB+ Sendernetzes stehe kurz vor der Vollversorgung. Markus Adomeit, Managing Direktor des Marktforschers MAS Partners: "Wir schauen uns aufgrund einiger Pilotprojekte zum Beispiel Sachsen seit einigen Jahren sehr genau an. Sachsen hat ähnlich wie Bayern mit 23 Prozent die größte Haushaltsausstattung mit DAB+ Geräten in Deutschland. Das ist insofern bemerkenswert, da die landesweiten Privatsender außer R.SA noch gar nicht über DAB+ empfangbar sind. Trotzdem herrscht in den DAB+ Haushalten schon jetzt ein hohe Zufriedenheit mit DAB+."

DAB+ hervorragend für Zielgruppenprogramme geeignet

DAB+ eigne sich hervorragend für die Verbreitung von Zielgruppenprogrammen. "Mit DAB+ bauen wir unsere Marke RADIO BOB! bundesweit auf", so Geschäftsführer Jan-Henrik Schmelter. "Wir setzen auf den richtigen Mix aus UKW, DAB+ und Webstream. Wir wissen, dass wir unsere Hörer vor allem über digitale Kanäle erreichen." Ähnlich äußerte sich Stefan Frühbeis, Programmchef von BR Heimat: "BR Heimat ist das erfolgreichste ausschließlich digital verbreitete Radioprogramm in Bayern. Unsere Hörerinnen und Hörer lieben traditionelle Musik über topmoderne Geräte. Wir wissen, dass es Hunderttausende gibt, die sich für uns ein neues Radio gekauft haben. Wir sagen: Mit DAB+ gibt es mehr Vielfalt, egal ob Volksmusik oder Rock!"

UKW-Lizenzen bis 2030 verlängert

Einen schnellen Umstieg von analog auf digital wird beim Fernsehen wird es aber beim Radio nicht geben. Landesmedienanstalten haben jetzt erste UKW-Zulassungen bis 2030 verlängert. So kann beispielsweise das Bürgerradio Friisk Funk auf der Insel Föhr bis ins dritte Jahrzehnt dieses Jahrhunderts analog am Netz bleiben. Anders als mehrere europäische Länder hält Deutschland somit an der analogen Radioververbreitung fest, sorgt aber umgekehrt mit diesem Schritt auch dafür, dass sich der Digitalfunk DAB+ weiter nur im Schneckentempo durchsetzen kann. Das gefährdet vor allem die Programme, die mangels UKW-Frequenzen ausschließlich digital senden müssen. Ihnen fehlt Reichweite, eine Refinanzierung ihrer Investitionen ist derzeit kaum möglich.

Vor allem die privaten "Platzhirsche" mit guten Frequenzen wollen dagegen - auch aus Eigennutz - am UKW-Empfang festhalten. "Die Radioindustrie ist ohne den Verbreitungsweg UKW tot", warnte Michael Tenbusch von der Vereinigung Bayerischer Rundfunkanbieter (VBRA) auf den Münchner Medientagen. Jeder Versuch der Politik, ein Ende von UKW herbeizuführen, sei "ein Anschlag auf die Radioindustrie".

Teilen (43)

Mehr zum Thema DAB+