DAB+

DAB+ soll interaktiv werden: Rückkanal per Internet

Erster Anbieter bringt Software-Update
Aus Köln berichtet
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Das terrestrische Digitalradio DAB+ soll interaktiv werden. Das gab der Netzbetreiber Media Broadcast auf der ANGA COM in Köln bekannt. Empfangsgeräte, die auch über einen Internet-Zugang verfügen, sollen die Interaktivität ermöglichen, erklärte Thomas Wächter, Leiter Produktmanagement Hörfunk bei Media Broadcast, im Gespräch mit teltarif.de.

Der Internet-Zugang soll für einen Rückkanal sorgen. Als erster Geräte-Hersteller biete Terratec ein Software-Update an, das die Funktionen mit sich bringe. So könnten Programmanbieter unter anderen das Nutzungsverhalten der Hörer nachvollziehen und beispielsweise feststellen, bei welchen Musiktiteln die Anwender das Radio lauter gehen oder gar abschalten bzw. zum nächsten Sender umschalten.

Rückkanal nicht abschaltbar

Terratec Radio bekommt Rückkanal per Software-UpdateTerratec Radio bekommt Rückkanal per Software-Update
Wie Wächter weiter erklärte, sei das Interesse der Programmveranstalter an diesem neuen Feature sehr groß. Problematisch ist es indes, dass es nicht vorgesehen ist, diesen Rückkanal abzuschalten. Dabei betonte Wächter, dass die Daten anonymisiert übermittelt werden. Zudem werde bei der Bereitstellung des Software-Updates angekündigt, welche Features dieses mit sich bringt.

Aber auch die Hörer könnten künftig die Möglichkeit bekommen, sich interaktiv am Programm ihrer Lieblingswelle im Digitalradio zu beteiligen. So könnten die Anbieter kurze Fragen auf dem Radio-Display einblenden, die der Hörer durch Drücken einer Taste zumindest mit "ja" oder "nein" beantworten kann.

Wächter räumte im teltarif-Gespräch ein, dass die Implementierung dieses Features aufwändiger sei. Hier genüge kein reines Software-Update. Radios, die diese Beteiligungsmöglichkeit böten, seien zumindest derzeit noch nicht zum gleichen Preis herstellbar wie bislang im Markt befindliche Empfangsgeräte. Daher sei die Einführung noch fraglich.

Weiterer Netzausbau noch nicht entschieden

Thomas WächterThomas Wächter
Wächter bestätigte das mögliche Ausbau-Szenario für den bundesweiten Digitalradio-Multiplex, über das wir bereits berichtet haben. Ob das Netz in dieser Form tatsächlich in den nächsten beiden Jahren erweitert wird, sei aber noch nicht entschieden. Vor allem das DeutschlandRadio und die religiösen Programmanbieter setzten sich für einen raschen weiteren Ausbau des Sendernetzes in die Fläche ein, während die kommerziellen Radiostationen auch das Verhältnis der höheren Verbreitungskosten gegenüber den erreichbaren zusätzlichen Hörern im Auge hätten.

Insgesamt sieht Wächter für das Digitalradio eine deutlich positivere Stimmung als noch vor einem Jahr. Vor allem die Autoindustrie sei heute wesentlich eher geneigt, entsprechende Empfänger in die Fahrzeuge einzubauen als früher.

Sport 1 Radio vorerst nicht über DAB+

Die neue Sportwelle Sport 1 Radio, die von 90elf die Bundesliga-Übertragungsrechte im Bereich Netcast übernimmt, wird aller Voraussicht nach vorerst nicht über DAB+ zu empfangen sein. Im bundesweiten Multiplex gibt es keine freien Kapazitäten. Gespräche über eine Verbreitung in den landesweiten Ensembles in den einzelnen Bundesländern habe es im April gegeben. Diese führten jedoch zu keinem Ergebnis.

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