Ausblick

Das bringt das Jahr 2017 beim Digitalradio DAB+

Deutschland tut sich bei der Digitalisierung des Radios weiter schwer. Nach dem überaus erfolgreichen Jahr 2016 wären jetzt politische Entscheidungen gefragt, damit der Boom anhält. Doch die lassen auf sich warten.
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PopyourPhoneBislang nur in Norwegen: DAB+-Empfänger für Android-Smartphones Während die gesamte Welt um uns herum digital ist, verharrt das Radio nach wie vor in einer analogen Insel. Hörfunk wird in Deutschland immer noch überwiegend analog über UKW gehört. Der terrestrische Standard DAB+ setzt sich nur sehr zögerlich durch. Nach einem recht erfolgreichen Jahr 2016 wären nun politische Entscheidungen gefragt, um den digitalen Hörfunk weiter voran zu bringen. Doch die lassen auf sich warten.

Politik hat offenbar wenig Interesse an DAB+

Grund hierfür ist unter anderem ein Kompetenz­gerangel und unterschiedliche Auffassungen zwischen Bund und Ländern bei Themen wie einem Pflichtchip für DAB+ in allen Radio­modellen und einer Migration von UKW hin zu DAB+. Die Verhandlungen des Digitalradio-Boards beim Bundes­ministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (kurz: BMVI) über eine DAB+-Roadmap seien offenbar erfolglos gewesen, heißt es.

Der Geschäftsführer der DRD Digitalradio Deutschland GmbH, Willi Schreiner, hat aus diesem Grund ein gemischtes Fazit des Digital­radios DAB+ für das Jahr 2016 gezogen und räumte ein, dass nicht alle Ziele erreicht werden konnten: Die Initiative des Bundesrates, eine digitale Empfangs­einheit bei bestimmten Gerätetypen ab 1. Januar 2019 verpflichtend vorzusehen, fand "aus nicht nachvollziehbaren Gründen bei der Bundesregierung keine Zustimmung", so Schreiner im internen Newsletter "Digitalradio News". Er kritisierte aber umgekehrt auch das Verhalten der Bundes­länder: Mit Ausnahme des Freistaates Bayern hätten die Länder "immer noch kein Konzept zur Förderung der privaten Sender erarbeitet, um die Migration von UKW zu DAB+ zu fördern".

Schreiner sprach jedoch auch Lob aus: Die Landesmedien­anstalten hätten nach Zustimmung der Minister­präsidenten einen zweiten privaten Bundesmux ausgeschrieben. Dieser wird das bundesweite Programm­angebot nochmals um 16 Programme erhöhen. Die Vergabe an einen Plattform­betreiber durch die Medien­anstalten ist bereits im zweiten Quartal 2017 geplant, so dass erste Sendeanlagen des zweiten Bundesmuxes - möglicherweise zunächst nur in Ballungsräumen - zur IFA 2017 im September in Betrieb gehen könnten.

Immer mehr Fahrzeuge mit DAB+

Der Geräteverkauf werde im Dezember "vermutlich seinen besten Monat" verbuchen können, interessanter­weise würden rund 25 Prozent der verkauften DAB+-Empfänger bereits online gekauft. Mit Spannung erwarte man auch die neuen Zahlen über den Verkauf von DAB+-Autoradios bei Neuzulassungen. Lagen sie 2015 bei etwa 14 Prozent, dürfte vermutlich 2016 die 20 Prozent-Marke geknackt werden, so Schreiner.

Europaweit sei DAB+ in jedem Fall auf dem Vormarsch: Am 11. Januar 2017 wird in Norwegen der erste UKW-Sender abgeschaltet werden, die Skandinavier beginnen als erstes europäisches Land mit dem Ausstieg aus der analogen UKW-Technik. Auch in Südtirol sollen 2017 die ersten UKW-Sender vom Netz gehen, gleichzeitig wird die Versorgung mit DAB+ hier massiv ausgebaut. Erste Anzeichen dafür, dass das analoge UKW punktuell in Europa doch ein Auslauf­modell ist.

Regionaler Ausbau

Regional steht 2017 der Ausbau bei den öffentlich-rechtlichen Sendern im Vordergrund. Die bisher bei DAB+ eher zögerlichen ARD-Anstalten NDR und hr wollen die Netze ausbauen, zusätzliche Sende­standorte haben auch der Südwestrundfunk (SWR) und der Bayerische Rundfunk (BR) angekündigt. In Bayern haben dank einer Neustrukturierung der Sendernetze auch lokale und regionale private Sender die Möglichkeit, auf den DAB+-Zug aufzuspringen.

Nach wie vor sind lokale DAB+-Kapazitäten in Ballungs­räumen gefragt: In Berlin, Hamburg und im Rhein-Main-Gebiet sollen 2017 weitere regionale Radiostationen auf Sendung gehen. Solche wird es in Nordrhein-Westfalen zunächst nicht geben, eine Ausschreibung von regionalen Kapazitäten ist hier in weite Ferne gerückt, nachdem die Medienkommission der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) den DAB+-Pilotversuch in NRW um drei Jahre verlängert hat. Demzufolge kann nur der Veranstalter domradio bis zum 31. Dezember 2019 weiter auf Sendung bleiben, weitere regionale private Radios haben keine Chance auf Verbreitung.

LG Stylus 2-Nachfolger ohne DAB+

Im Hardwaresektor bleibt das LG Stylus 2 wohl eine Eintagsfliege, was Smartphones mit eingebautem DAB+-Empfang betrifft. Beim Nachfolger Stylus 3, der auf der Messe CES vorgestellt werden soll, wird nur noch analoger UKW-Empfang an Bord sein. Restbestände des Stylus 2 werden noch einige Zeit verkauft werden. Anschließend dürfte es wieder kein aktuelles Smartphone mehr mit terrestrischem Digitalradio­empfang im Handel geben.

In Norwegen unterstützen große Sender unterdessen die Markteinführung eines Dongles mit dem Namen "PopyourPhone": Der kleine Empfänger, den es für umgerechnet knapp über 40 Euro im Handel gibt, wird einfach an den Micro-USB-Eingang des Android-Smartphones- oder Tablets angeschlossen und macht zusammen mit der entsprechenden App jedes Gadget fit für DAB+. Ein ähnliches Gadget gibt es in Deutschland bisher nur für iOS-Geräte von Apple.

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