Gaia-X

Cloud-Initiative Gaia-X wird zum europäischen Daten-Projekt

Der Name für Gaia-X ist bedeu­tungs­schwer: In der grie­chi­schen Mytho­logie ist Gaia eine Urgott­heit der Erde, die alles Lebende hervor­bringt und ernährt. Nun soll Gaia-X von der Ebene des Unge­fähren in die Praxis geholt und auf ganz Europa erwei­tert werden.

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie
Bild: picture alliance/Michael Sohn/POOL AP/dpa
Die von Deutsch­land und Frank­reich voran­ge­trie­bene euro­päi­sche Cloud- und Daten­in­fra­struktur Gaia-X nimmt Gestalt an. Bundes­wirt­schafts­mi­nister Peter Altmaier (CDU) stellte zusammen mit seinem fran­zö­si­schen Amts­kol­legen Bruno Le Maire das tech­ni­sche Konzept und die künf­tige Orga­ni­sa­ti­ons­struktur vor.

Das ambi­tio­nierte Projekt soll dabei über die Grenzen von Deutsch­land und Frank­reich hinaus zu einem euro­päi­schen Projekt ausge­baut werden. Gaia-X soll aber auch Unter­nehmen und Orga­ni­sa­tionen außer­halb der EU offen stehen, solange die von Gaia-X defi­nierten Spiel­re­geln beim Daten­schutz und anderen recht­li­chen Rahmen­be­din­gungen einge­halten werden.

Euro­päi­scher "Moonshot" geplant

Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie
Bild: picture alliance/Michael Sohn/POOL AP/dpa
Altmaier stellte die Initia­tive in einen Zusam­men­hang mit dem Wieder­auf­bau­plan, mit dem die Euro­päi­sche Union die Corona-Krise bekämpfen und die Wirt­schaft auf Kurs für eine grüne und digi­tale Zukunft bringen will. Es komme nun auch darauf an, wofür das Geld ausge­geben werde, nämlich für Wirt­schafts­wachstum und Wohl­stand aller Bürger, sagte Altmaier.

Mit Gaia-X strebten mehr als 300 Unter­nehmen und Orga­ni­sa­tionen in ganz Europa "nichts Gerin­geres an als einen euro­päi­schen Moonshot (großer Wurf) in der Digi­tal­po­litik".

Le Maire sagte, in der Corona-Krise sei klar geworden, wie wichtig eine sichere IT-Infra­struktur sei, auch für die Tele­ar­beit. Dabei dürfe man nicht von anderen Groß­mächten abhängig sein. "Wir sind nicht die USA, wir sind nicht China, wir sind euro­päi­sche Länder mit eigenen Inter­essen und Werten."

Gaia X soll von einer nicht-gewinn­ori­en­tierten Orga­ni­sa­tion nach belgi­schem Recht gesteuert werden, die von 22 Unter­nehmen aus Deutsch­land und Frank­reich gegründet wurde. Zu den Grün­dungs­mit­glie­dern gehören die Deut­sche Telekom, SAP, Siemens, Bosch, BMW, Beck­hoff Auto­ma­tion, Plus­server, German Edge Cloud und De-Cix.

Außerdem sind die Fraun­hofer-Gesell­schaft, die Inter­na­tional Data Spaces Asso­cia­tion und die euro­päi­sche Cloudan­bie­ter­ver­ei­ni­gung CISPE Mitgründer der Gaia-X-Entität. Auf fran­zö­si­scher Seite sind unter anderen Orange, Atos, Amadeus, Docaposte, EDF, Dass­ault Systems, Institut Mines-Télécom und Safran mit dabei.

Bitkom: Grün­dung der Orga­ni­sa­tion ist ein Meilen­stein

Der Bran­chen­ver­band Bitkom nannte die Grün­dung der Orga­ni­sa­tion einen "Meilen­stein auf dem Weg zu einer euro­päi­schen Cloud- und Daten­in­fra­struktur." Gaia-X müsse möglichst bald erste Ange­bote auf den Markt bringen.

Gaia-X war im Oktober 2019 der Öffent­lich­keit vorge­stellt worden. In dem Projekt es darum, in Europa nicht alter­na­tivlos auf die großen IT-Konzerne aus den USA und China ange­wiesen zu sein. Dafür soll ein Konzept für eine souve­räne und vertrau­ens­wür­dige euro­päi­sche Daten­in­fra­struktur erar­beitet werden, für die bestehende Ange­bote über Open-Source-Anwen­dungen und offene Stan­dards mitein­ander vernetzt werden.

Gaia-X strebt aber nicht an, selbst einen euro­päi­schen "Hypers­caler" zu schaffen, wie es in der Vergan­gen­heit mit Airbus in der inter­na­tio­nalen Luft­fahrt­in­dus­trie gelungen war. Viel­mehr will Gaia-X den Cloud-Riesen mit einer Vernet­zung von vielen klei­neren Anbie­tern aus Europa entge­gen­treten.

Der euro­päi­sche Maßstab ist die rich­tige Größen­ord­nung

Cédric Prevost, Director of Trusted Cloud des fran­zö­si­schen Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­dienst­leis­ters Orange Busi­ness Services, erin­nerte daran, dass zuvor Versuche auf Landes­ebene geschei­tert seien, eine souve­räne Cloud zu etablieren. "Das muss man in einem sehr großen Maßstab anlegen, so wie das den Hypers­ca­lern aus den USA und China gelungen ist. Der euro­päi­sche Maßstab die rich­tige Größen­ord­nung, um dieses Ziel zu errei­chen."

Ein Spre­cher des Auto­kon­zerns BMW erklärte, die Zukunft von auto­mo­biler Soft­ware liege in der Cloud: "Als Grün­dungs­mit­glied von Gaia-X (...) unter­stützen wir deswegen die Entwick­lung eines offenen digi­talen Ökosys­tems auf Basis euro­päi­scher Werte."

Gaia-X soll im Inter­na­tio­nalen Wett­be­werb stand­halten

Tina Klüwer, Vorstands­mit­glied des KI-Bundes­ver­bandes, verwies darauf, dass die KI-Unter­nehmen von den Kunden auch verstärkt nach sicheren Cloud und KI-Lösungen aus Deutsch­land und Europa gefragt werden: "Deshalb ist Gaia-X richtig und wichtig."

Aber mindes­tens genauso wichtig sei, dass Gaia-X im Inter­na­tio­nalen Wett­be­werb stand­halten könne. "In Sachen Geschwin­dig­keit, Preis, Kunden­ori­en­tie­rung und inter­na­tio­nale Verfüg­bar­keit muss Gaia-X mithalten, sonst wird sich diese gute Idee auf dem Markt nicht durch­setzen können"

Claudia Nemat, die im Telekom-Vorstand für Tech­no­logie und Inno­va­tion zuständig ist, setzte sich eine schnelle Skalie­rung ein. "Die Öffent­liche Hand und das Gesund­heits­wesen müssen "heavy user" von Gaia-X werden.

Gleich­zeitig muss die Öffent­liche Hand bei der Beschaf­fung von Cloud-Services sicher­stellen, dass die föde­rale Gaia-X-Infra­struktur genutzt wird."

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