Fernsehen

Digitalisierungsbericht: Lineares TV stirbt langsam aus

Der Digi­tali­sierungs­bericht Video der Landes­medi­enan­stalten zeigt eine weitere Verschie­bung weg vom klas­sischen Fern­sehens hin zur Video-on-Demand-Nutzung (VoD). Mehr als die Hälfte haben ihr Fern­sehgerät inzwi­schen an das Internet ange­schlossen.
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In diesem Jahr wurde mit dem erfolg­reichen Kabel­umstieg die Voll­digi­tali­sierung endlich erreicht – die analoge Fern­sehüber­tragung gehört in Deutsch­land der Geschichte an. Davon unbe­eindruckt ist der Fern­sehmarkt aber ganz woan­ders im Umbruch, was die aktu­ellen Zahlen des 15. Digi­tali­sierungs­berichts "Video" zeigen, der von den Medi­enan­stalten auf den Medi­entagen München präsen­tiert wurde.

Klass­siche Fern­sehnut­zung rück­läufig

Mediatheken boomenMediatheken boomen Im Trend lässt sich weiterhin eine deut­liche Verschie­bung weg von der Nutzung des klas­sischen Fern­sehens hin zur Video-on-Demand-Nutzung (VoD) bestä­tigen. Zwar nutzen noch gut drei Viertel der Bevöl­kerung nach wie vor primär lineare Video­ange­bote wie Fern­sehen oder Live­streams. Das anteilig aufge­wendete Zeit­budget für "klas­sisches Fern­sehen" ist im Vergleich zum Vorjahr aber erneut leicht rück­läufig und liegt bei 61 Prozent (minus vier Prozent­punkte).

Gestreamt wird nicht nur bei Netflix, sondern auch bei den Ange­boten der klas­sischen TV-Sender. Knapp 39 Prozent der regel­mäßigen VoD-Nutzer greifen auf die Media­theken der TV-Sender zu. Video­portale wie YouTube liegen mit 40 Prozent nur knapp davor, die Nutzung von Strea­ming­diensten wie Netflix oder Amazon Video mit 38 Prozent sogar dahinter.

Anders bei den 14- bis 29-Jährigen: Knapp zwei Drittel (64 Prozent) der unter 30-Jährigen nutzen die Media­theken der Fern­sehsender. Domi­nierend ist bei acht von zehn der unter 30-Jährigen die Nutzung von Strea­ming­diensten (79,6 Prozent) und Video­portalen (79,1 Prozent). Darüber hinaus verbringen die Jüngeren auch mehr als doppelt so viel Zeit mit VoD wie der Bevöl­kerungs­durch­schnitt.

Cornelia Holsten, DLM-Vorsit­zende der Landes­medi­enan­stalten, sagte in ihrem Gruß­wort: "In Zeiten, in denen die Fern­bedie­nung zuneh­mend vom Fire-TV-Stick ersetzt wird, brau­chen wir eine moderne Platt­form­regu­lierung, die faire Regeln für Auffind­barkeit auf Benut­zerober­flächen schafft."

Mehr als die Hälfte hat Fern­seher ans Internet ange­schlossen

Der Trend hin zur Video­über­tragung über das Internet zeigt sich auch bei den Empfangs­wegen. Mehr als die Hälfte (55,1 Prozent) der Fern­sehhaus­halte in Deutsch­land hat ihren Fern­seher zusätz­lich zum Empfang über Sat-, Kabel, IPTV oder Terre­strik auch an das Internet ange­schlossen. Damit ist das Internet mit 21,2 Millionen Haus­halten der weit­verbrei­tetste Empfangsweg für Video­inhalte. Dabei verfügen aber nach wie vor fast alle Haus­halte auch über mindes­tens einen „tradi­tionellen“ Empfangsweg – in nur 1,7 Prozent der Haus­halte sind die Fern­sehge­räte ausschließ­lich an das Internet ange­schlossen.

Für mehr als die Hälfte der Bevöl­kerung (56,6 Prozent) bleibt der Fern­seher weiterhin das wich­tigste Gerät für die Bewegt­bild­nutzung (minus sieben Prozent­punkte). Zuneh­mender Beliebt­heit für die Vide­onut­zung erfreuen sich vor allem Smart­phones (11,5 Prozent), Laptops (10,2 Prozent), Desktop PCs (8,3 Prozent) und Tablets (5,1 Prozent).

Klare Unter­schiede bei der Gerä­teprä­ferenz zeigen sich erwar­tungs­gemäß zwischen den Alters­kohorten. Unter den 14- bis 29-Jährigen ist der Fern­seher nur noch für ein knappes Drittel (31 Prozent) das wich­tigste Video­gerät, gefolgt vom Smart­phone (27,2 Prozent), dem Laptop (19,3 Prozent), PC (12,6 Prozent) und Tablet (7,1 Prozent). Bei den Jüngsten (14 bis 19 Jahre) betrachtet sogar knapp ein Drittel (32,2 Prozent) das Smart­phone als wich­tigstes Empfangs­gerät für ihren Video­konsum. Der Fern­seher wird von etwas mehr als einem Viertel dieser Alters­kohorte genannt und belegt damit nur noch Rang zwei.

Der Digi­tali­sierungs­bericht wird seit 2005 jähr­lich auf Grund­lage einer bevöl­kerungs­reprä­senta­tiven Tele­fonbe­fragung von über 6000 Haus­halten durch Kantar erhoben. Neben den feder­führenden Medi­enan­stalten haben sich an der dies­jährigen Erhe­bung Media Broad­cast, SES und Voda­fone betei­ligt.

Die Chancen stehen gut, dass der Medi­enstaats­vertrag im Dezember von den Minis­terprä­sidenten beschlossen wird. Es seien offene Fragen geklärt worden. Details zu dem Thema lesen Sie in einer weiteren News.

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