Digitaler Polizeifunk kaputt

BOS: Digitaler Polizeifunk funkt(ioniert) immer noch nicht

Digitale Technik passt nicht

Das Drama um den teuren, nicht funktionierenden digitalen Behördenfunk wäre vermeidbar gewesen. Schon vor fast 20 Jahren hatte die damalige DeTeMobil (Vorläufer von T-Mobile, heute Telekom Mobilfunk) den Behörden angeboten, das damals im Aufbau befindliche Bündelfunknetz (Markenname "Chekker") kostenlos mit zu benutzen, wenn parallel die Sender und Frequenzen auch für zivile Kundschaft nutzbar gewesen wären. Trotz kostenlosen Demo-Versuchsbetriebs und der vertraglichen Zusicherung, auch bei etwaigen Streiks die Funktion des Behördenfunks zu gewährleisten, und trotz Unterstützung durch die Unternehmen Telekom, Motorola und Nokia winkten die Innenminister damals ab.

Ein zweiter Anlauf der Firma Vodafone D2 sah vor, den Polizeifunk über die bestehenden GSM-Handynetze mittels eines erweiterten GSM-Standard namens GSM-BOS unterzubringen. Schon beim Start hätten die Behörden ein weitgehend flächendeckendes Handy-Netz vorgefunden und mittels spezieller Endgeräte und Netztechnik wäre auch ein exklusiver Funkbetrieb mit Push-To-Talk (Drücken auf die Sendetaste) und mit mehreren Teilnehmern auf einem Funkkanal, die alle Gespräche mithören können, möglich gewesen. Fehlende Sendestationen abseits der Ballungsgebiete hätten sich mit staatlicher Hilfe schnell nachrüsten lassen oder mobile Basisstationen hätten vor Ort zeitweise für "Netz" gesorgt.

Das Angebot der Firma Vodafone stieß aber auf grundsatzpolitische Bedenken, da man dem international agierenden Vodafone-Konzern nicht traute. Selbst als die Deutsche Telekom ein ähnliches Angebot vorlegte, wurde mit befürchteten Ausfällen durch Überlast bei Großschadensereignissen oder dem langjährigen SMS-Stau zu Neujahr in den Handy-Netzen argumentiert. Interessierten Feuerwehrleuten, die sich ein Versuchs- und Demo-Funknetz von Vodafone in Würzburg anschauen wollten, sei das vom Dienstherrn verboten worden, hieß es.

Das Ende vom Lied: Von einem funktionierenden Digital-Funk-Angebot für die Behörden sind die Sicherheitskräfte in Deutschland noch meilenweit entfernt. Die Kosten explodieren, die Kassen sind leer.

Probleme im Digitalfunk: Kein rein deutsches Problem

Auch anderen Ländern wird über Probleme mit dem Digitalfunk berichtet: Holländische Feuerwehrleute hatten mit dem Digitalfunk nicht zuverlässig arbeiten können, sie verloren den digitalen Funkkontakt und gerieten in lebensbedrohliche Situationen. In Großbritannien wurden die Polizeibeamte angehalten, nicht mehr zu funken, sondern vom privaten Handy SMS-Nachrichten an die Zentrale zu verschicken, weil ein Rahmenabkommen mit dem privaten Polizeifunknetzbetreiber Airwave (eine Tochter von o2 UK) nur begrenzte Minutenkontingente vorsieht. Mehrminuten wären für die Polizei sehr teuer geworden.

In Deutschland werden teilweise privat angeschaffte Handys von der Polizei benutzt, weil das offizielle analoge Behördenfunknetz zwar trotz aller Widrigkeiten noch recht gut funktioniert, aber mit fast jedem Haushaltsradio oder bei einschlägigen Händlern angebotenen "Scanner"-Empfängern problemlos abgehört werden kann. Auch der Digitalfunk ist nicht so abhörsicher, wie immer berichtet wurde. Mit einem Scanner, einem Notebook und entsprechender Software konnte der (unverschlüsselte) Aachener Versuchsbetrieb von Fachleuten abgehört werden.

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