Themenspezial: Verbraucher & Service Währung

"Digitaler Euro": Alternative zu Bitcoin, Libra und Co.?

Zentral­banken rund um den Globus feilen an Alter­nativen zu Bitcoin, Libra und Co. Auch die EZB verstärkt ihre Arbeit an einem digi­talen Euro. Bis Verbrau­cher diesen nutzen können, wird es aber noch dauern.

Die EZB erklärte, eine elektronische Form von Zentralbankgeld könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden Die EZB erklärte, eine elektronische Form von Zentralbankgeld könnte
von der breiten Bevölkerung genutzt werden
Bild: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa
Europas Währungs­hüter treiben ihre Arbeiten an einer digi­talen Version des Euro voran. In den nächsten Wochen sollen interne Tests mit einer Digi­tal­wäh­rung beginnen - zeit­gleich mit einer öffent­lichen Befra­gung von Bürgern sowie Fach­leuten aus Wissen­schaft und Finanz­sektor zum Für und Wider ab dem 12. Oktober.

Gegen Mitte 2021 will die Zentral­bank dann über den Start eines digi­talen Euro-Projekts entscheiden. Andere Noten­banken sind bei dem Thema bereits weiter.

"Wir sollten darauf vorbe­reitet sein, einen digi­talen Euro einzu­führen"

Die EZB erklärte, eine elektronische Form von Zentralbankgeld könnte von der breiten Bevölkerung genutzt werden Die EZB erklärte, eine elektronische Form von Zentralbankgeld könnte
von der breiten Bevölkerung genutzt werden
Bild: picture alliance/Frank Rumpenhorst/dpa
"Die Menschen in Europa bezahlen, sparen und inves­tieren immer häufiger auf elek­tro­nischem Weg. Unsere Aufgabe ist es, das Vertrauen in unsere Währung zu sichern. Deshalb müssen wir dafür sorgen, dass der Euro für das digi­tale Zeit­alter gerüstet ist", begrün­dete die Präsi­dentin der Euro­päi­schen Zentral­bank (EZB), Chris­tine Lagarde, heute die Pläne. "Wir sollten darauf vorbe­reitet sein, einen digi­talen Euro einzu­führen, sollte dies erfor­der­lich werden."

Ein digi­taler Euro wäre eine Antwort auf privat­wirt­schaft­liche Initia­tiven wie Bitcoin oder das maßgeb­lich von Face­book getra­gene Projekt Libra. Der große Unter­schied: Im Gegen­satz zu anderen Kryp­towäh­rungen stünde ein digi­taler Euro unter Aufsicht einer Zentral­bank, die die Stabi­lität der Währung sichert.

Digi­taler Euro kann in extremen Situa­tionen erfor­der­lich sein

"Die Einfüh­rung eines digi­talen Euro kann in verschie­denen Szena­rien erfor­der­lich sein, etwa wenn die Menschen nicht mehr mit Bargeld zahlen wollen, oder in extremen Situa­tionen wie Natur­kata­stro­phen oder Pande­mien, in denen andere herkömm­liche Zahlungs­dienst­leis­tungen nicht mehr funk­tio­nieren", erläu­terte EZB-Direk­tori­ums­mit­glied Fabio Panetta in einem heute veröf­fent­lichten Gast­bei­trag.

Schon vor der Corona-Krise hatte sich der Trend zum Bezahlen ohne Scheine und Münzen in Deutsch­land und im Euro­raum verste­tigt. 98 Milli­arden Zahlungen im Währungs­raum der 19 Staaten im Gesamt­wert von gut 162 Billionen Euro wurden 2019 nach EZB-Angaben bargeldlos abge­wickelt. Das waren 8,1 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Pandemie sorgte für einen weiteren Schub bei digi­talen Bezahl­ver­fahren.

"Ein digi­taler Euro würde uns auch davor bewahren, dass staat­liche oder privat­wirt­schaft­liche digi­tale Zahlungs­mittel, die aus Ländern außer­halb des Euro­raums stammen oder von dort kontrol­liert werden, bestehende Zahlungs­mittel weit­gehend verdrängen", führte Panetta weiter aus.

Finanz­auf­seher befürchten, dass Libra Geld­wäsche, Terror­finan­zie­rung und Steu­erhin­ter­zie­hung erleich­tert. Face­book hatte dagegen betont, das Projekt solle den bargeld­losen Zahlungs­ver­kehr vor allem in Schwel­len­län­dern verein­fachen, wo es kein flächen­deckendes Banken­system gebe. Tech­nisch können digi­tale Währungen zum Beispiel auf Basis einer Block­chain funk­tio­nieren - also über eine Kette von Daten­blö­cken, die sich mit jeder Trans­aktion ausbaut.

Projekte in Schweden und China

Zentral­banken wollen mit ihren Initia­tiven zudem ihr Geld­monopol vertei­digen. Auch andere Noten­banken welt­weit beschäf­tigen sich mit digi­talem Zentral­bank­geld. Vergleichs­weise weit voran­geschritten ist in Europa das Projekt E-Krona der schwe­dischen Zentral­bank, denn in dem skan­dina­vischen Land wird Bargeld kaum noch genutzt. China arbeitet schon länger an der digi­talen Vari­ante seiner Währung Renminbi.

Die EZB erklärte, eine elek­tro­nische Form von Zentral­bank­geld könnte von der breiten Bevöl­kerung genutzt werden - genauso wie Bargeld, nur in digi­taler Form. Europas Währungs­hüter versi­cherten, ein digi­taler Euro wäre eine Ergän­zung zum Bargeld, kein Ersatz: "In jedem Fall wird das Euro­system auch weiterhin Bargeld ausgeben."

Digi­taler Euro: Geld direkt bei der Zentral­bank hinter­legen

Der Bundes­ver­band deut­scher Banken (BdB) begrüßte die EZB-Initia­tive grund­sätz­lich. Der digi­tale Euro sei "ein Zukunfts­thema mit höchster Bedeu­tung für die Sicher­heit und Stabi­lität der euro­päi­schen Finanz­märkte", sagte BdB-Haupt­geschäfts­führer Andreas Kraut­scheid. Es seien aber "noch hoch­rele­vante Fragen zu klären". Im Fall der Ausgabe eines digi­talen Euro müssten Banken eine zentrale Rolle spielen.

"Ich begrüße es, dass die EZB nun entschieden bei der Entwick­lung eines digi­talen Euro voran­geht", erklärte der Grünen-Finanz­poli­tiker Danyal Bayaz. "Es geht hier nicht nur um Vertrauen der Bevöl­kerung, sondern auch um Indus­trie­politik und euro­päi­sche Souve­ränität gegen­über chine­sischen und US-ameri­kani­schen Bestre­bungen." Ein digi­taler Euro könnte es Bürgern erlauben, Geld direkt bei der Zentral­bank zu hinter­legen. Diese Möglich­keit steht norma­ler­weise nur gewerb­lichen Kredit­gebern wie Banken, Regie­rungen und anderen Zentral­banken offen. Einige Experten sehen jedoch die Gefahr, dass dann in Krisen­zeiten Bank­kunden ihre Erspar­nisse flucht­artig von kommer­ziellen Banken abziehen würden und Notlagen so verstärken.

Entschei­dung ist noch offen

"Bevor wir die Argu­mente abwägen und Schlüsse daraus ziehen können, benö­tigen wir zunächst ein umfas­sendes Verständnis von Digi­tal­geld. Dabei müssen wir stets einen offenen Ansatz verfolgen", mahnte Bundes­bank-Präsi­dent Jens Weid­mann vor Kurzem bei einer Tagung. "Auf jeden Fall ist die Einfüh­rung von Digi­tal­geld sorg­fältig abzu­wägen."

Bundes­bank-Vorstand Burk­hard Balz bekräf­tigte heute: "Eine Entschei­dung für oder gegen digi­tales Zentral­bank­geld ist noch nicht gefallen. Wir müssen die Analyse in den kommenden Monaten vertiefen. Das gilt zum Beispiel auch für die poten­ziellen Auswir­kungen auf die Geld­politik und das Banken­system."

Wer keine internatio­nale Kredit­karte hat, kann beim elek­tro­nischen Bezahlen in einem anderen EU-Land schon mal aufge­schmissen sein. Die EU-Kommis­sion will gegen­steuern.

Mehr zum Thema Finanzen