nicht ohne Kritik

250 Millionen: Funkfrequenz-Versteigerung geht weiter

Kritik an Vergabebedingungen reißt nicht ab
Von Thorsten Neuhetzki
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Seit heute Morgen läuft in Mainz bei der Bundesnetzagentur wieder die Versteigerung der neuen Funkfrequenzen für die Mobilfunkanbieter, dabei geht es um zusätzliche Frequenzen für die GSM- und UMTS-Netze, aber auch um komplett neue Frequenz-Bereiche wie das 2,6-GHz-Band und die Frequenzen aus der Digitalen Dividende um 800 MHz. Letzte sind bei der Versteigerung bislang am teuersten und am begehrtesten. Das liegt daran, dass die Frequenzen über gute Ausdehnungeigenschaften verfügen und Netzbetreiber somit nur verhältnismäßig wenig Sendemasten benötigen.

Insgesamt bieten die Mobilfunkanbieter Telekom (ehemals T-Mobile), Vodafone, E-Plus und o2 aktuell knapp 250 Millionen Euro für alle Frequenzen mit einem Spektrum von 360 MHz zusammen. Den Löwenanteil der Gebote machen die 800-MHz-Bereiche aus: 115,6 Millionen Euro bieten die vier Anbieter für die 60 MHz Bandbreite.

Derzeit bieten Vodafone, Telekom und E-Plus auf jeweils zwei Frequenzblöcke, o2 hätte aktuell keinen Block. Das wird sich aber sicherlich noch einige male ändern.

Kritik wird lauter

Unterdessen wir die Kritik an der Frequenzvergabe und die Bedingungen lauter. Wie bereits am Wochenende berichtet, hat das Land Nordrhein-Westfalen bei der Erstellung der unterversorgten Orte offenbar unzureichend gerarbeitet und eine nur sehr kleine Liste abgegeben. NRW-Einwohner in unzureichend versorgten Gebieten dürfen sich daher kaum Hoffnungen auf eine baldige Breitbandversorgung machen.

Recht lautstark äußert sich auch die Initiative gegen digitale Spaltung, geteilt.de, zu der Digitalen Dividende. Ziel der Initiative ist die Sicherstellung einer flechendeckenden, angemessenen und uneigeschränken Breitbandversorgung. Jetzt äußert sich geteilt.de überraschend deutlich negativ zur Digitalen Dividende.

"Ausbauverpflichtungen gab es bisher bei jeder Frequenzauktion. Eingehalten wurden sie nie", heißt es von Bernd Rudolph, einer der Sprecher der Initiative. "Noch dazu ist die aktuell geltende völlig unverbindlich. Welche Technik sie einsetzen, welche bestehende Versorgung sie gegen rechnen dürfen, welche Basisdatenraten tatsächlich angeboten werden; all das können die Unternehmen selbst bestimmen." Nach Auffassung der Initiative sei die Propaganda der Regierung zudem höchst verantwortungslos. "Zu sagen, mit Mobilfunk könne man bald flächendeckend DSL-Anschlüsse ersetzen, hat zur Folge, dass die Kommunen selbst keine Anstrengungen mehr unternehmen."

Zudem sieht die Initiative in der Digitalen Dividende keine Alternative zum klassischen Breitbandanschluss, sondern lediglich eine Ergänzung zum bestehenden Festnetzanschluss. Kritik gibt es auch weiterhin von verschiedenen Organisationen, die sich beklagen, dass Veranstaltungstechnik und Funkmikrofone nun komplett umgerüstet werden müssen, weil ihnen der bisher genutzte Frequenzraum aberkannt werde. Zudem gibt es Befürchtungen, die neuen Mobilfunkfrequenzen können das weiterhin bestehende Fernsehen stören.

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