EBU Digital Radio Summit

DAB+ soll internetbasiert über Mobilfunk verbreitet werden

Um die Zukunft des digitalen Radios auf diversen Verbreitungswegen ging es beim Digital Radio Summit der European Broadcasting Union (EBU). Als Innovation wurde DAB+ via IP vorgestellt. Dabei wird ein Multiplex 1:1 auch webbasiert ausgestrahlt, etwa über Mobilfunk.
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Um die Zukunft des digitalen Radios auf diversen Plattformen und Verbreitungswegen ging es beim Digital Radio Summit der European Broadcasting Union (EBU) in Genf.

"Die überwiegende Mehrheit des aktuellen Radiokonsums wird durch Broadcast erzielt. Dort spielt das Radio bis heute seine Stärke aus", sagte Antonio Arcidiacono, Director of Technology & Innovation, in seiner Keynote. "Doch die Konkurrenz verlagert sich von Sender vs. Sender zu Sender vs. Plattform. Und das ist gut so. Radioveranstalter müssen jeden Tag spannende und moderne Benutzererlebnisse schaffen, damit das Publikum ihnen weiter folgt. Wer hier nicht innovativ und anders ist, gerät in Schwierigkeiten". Das Medium sei jedoch "erwachsen genug für diese Herausforderungen".

Norwegen: Hörerzahlen wie vor der UKW-Abschaltung

Digitalradio DAB+ bald auch mit Quelle Mobilfunk?Digitalradio DAB+ bald auch mit Quelle Mobilfunk? Mut machte Marius Lillelien vom norwegischen öffentlich-rechtlichen Sender NRK allen Skeptikern einer UKW-Abschaltung. Nachdem die Hörerzahlen kurzfristig um bis zu 20 Prozent gesunken sind, gab es zuletzt wieder große Zuwächse. Inzwischen liegen sie auf dem gleichen Niveau wie vor der UKW-Abschaltung. 35 Prozent des Hörens entfallen auf neue Stationen, die zuvor nicht über UKW verbreitet wurden.

Das Geld, das man zuvor für den teuren Verbreitungsweg UKW ausgeben musste, kann man nun sehr sinnvoll auch in neue Projekte investieren. Neben neuen Digitalwellen über DAB+ konnten Apps und Web-Services weiterentwickelt werden. Die Abschaltung von UKW brachte Radio zudem national wieder ins Gespräch, was dem Medium extrem gutgetan habe.

Australien: DAB+ wächst schneller und stärker als Internetradio

Auch Jeremy Millar vom australischen nationales Sender ABC ist sehr zufrieden mit der Entwicklung von DAB+. Es gebe inzwischen 4,8 Millionen Empfänger im Markt, und dort, wo es verfügbar ist, ziehe es 36 Prozent des Radiohörens an. DAB+ wachse damit schneller und stärker als das IP-Streaming über unterschiedliche Plattformen.

Den Blick nach Nordamerika warfen David Layer und Brian Savoie von der National Association of Broadcasters (NAB). Das nordamerikanische DAB+-Pendant HD Radio werde inzwischen in 35 Prozent der Neuwagen eingebaut. Inzwischen würden die ersten exklusiven HD Radio-Frequenzen auch für die Mittelwelle vergeben. Das Wellenband könne nur digital überleben.

Ungeheures Wachstum erlebten aber auch Smart Speaker. Amazon schaue sich derzeit Offline-Szenarien für Alexa in Autos an.

DAB+ over IP als neues Projekt

Die Integration eines DAB+-Muxes in die Internet-Welt wurde von Alex Erk vom Münchner Institut für Rundfunktechnik (IRT) als neues Projekt vorgestellt. Ziel sei es, dass mit OMRI (Open Mobile Radio Interface) auf allen Plattformen die gleiche Service-Ebene verwendet werden soll. Dies ermögliche künftige hybride Ansätze, etwa die Übertragung eines DAB+-Multiplexes über IP auf Mobilfunkmasten als "Füllsender" für Broadcast in schlecht erreichbaren Regionen wie Flusstälern.

Nicht vor 2030 sehen die Podiumsteilnehmer dagegen kommerzielle Radio-Anwendungen über 5G. "Für mich ist 5G eine grundlegende Ergänzung zur terrestrischen Ausstrahlung", sagt Patrick Hannon, Präsident des Branchenverbands WorldDAB. "Mobile und IP sind Teil des Gesamtbildes. Aber es gibt drei Schlüsselfragen: Wenn Sie der Sender sind, wollen Sie tatsächlich die Gatekeeping-Funktion an ein Mobilfunkunternehmen übergeben? Zweitens bräuchte man unendlich viele Basisstationen für die flächendeckende Abdeckung: Wer soll das bezahlen? Und drittens: Wer gewährleistet die Verlässlichkeit in Notsituationen?"

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