Medientage München

ARD, ZDF und ProSiebenSat1 geben Programmpläne für DVB-T2 bekannt

Das Angebot der geplanten DVB-T2-Plattform soll einen Mix von 40 bis 45 verschlüsselten und unverschlüsselten Programmen umfassen, überwiegend in HD. Auf den Münchner Medientagen haben die Sender ihre Pläne mit DVB-T2 konkretisiert.
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Terrestrik Reloaded: DVB-T2 zwischen Trial and LaunchTerrestrik Reloaded: DVB-T2 zwischen Trial and Launch Vertreter der ARD, des ZDF und der Mediengruppe ProSiebenSat.1 haben auf den Münchner Medientagen auf dem Panel "Terrestrik Reloaded: DVB-T2 zwischen Trial and Launch" ihre konkreten Programmpläne beim neuen digital-terrestrischen Antennenfernsehen DVB-T2 verraten. Für die ARD kündigte Dr. Michael Rombach, Produktionsdirektor des Norddeutschen Rundfunks (NDR) an, dass der Senderverbund pro Region zwei Multiplexe mit zwischen zehn und 14 Programmen verbreiten will. Neben dem Hauptprogramm Das Erste und den Digitalkanälen Eins Festival und tagesschau24 sowie dem Gemeinschaftsprogramm Phoenix und dem deutsch-französischen Kulturkanal arte wolle die ARD auch mehr Dritte Programme als bisher über DVB-T ausstrahlen. Vieles spräche dafür, dass das Komplettportfolio in Full HD mit der Auflösung von 1080p ausgestrahlt würde, wobei man hier noch zwischen den einzelnen Anstalten in Abstimmung sei.

ZDF will Komplettangebot mit 1080p über DVB-T2 senden

Das ZDF will sein komplettes Programmangebot über DVB-T2 ausstrahlen, also das ZDF-Hauptprogramm, die Digitalkanäle ZDF info und ZDF neo, das Gemeinschaftsprogramm 3sat und den Kinderkanal Ki.Ka. Die Kanalteilung zwischen dem Ki.Ka und ZDF neo werde aufgegeben, alle Sender erhalten eigene 24 Stunden-Plätze. Das Portfolio werde komplett in HD mit einer Auflösung von 1080p ausgestrahlt, wie der Produktionsdirektor beim ZDF, Dr. Andreas Bereczky, erklärte. Inhalte der ZDFmediathek sollen sogar in Ultra HD-Qualität im begleitenden Internetportal multithek verbreitet werden.

Auch der private Medienkonzern ProSiebenSat.1 kündigte die Aufschaltung all seiner Free-TV-Kanäle über DVB-T2 an, also Sat.1, Pro7, kabel eins, sixx, Sat.1 Gold und Pro7 Maxx. Im Vergleich zu den Öffentlich-Rechtlichen würden die Programme jedoch verschlüsselt und seien kostenpflichtig. Dr. Michael Müller, Senior Vice President Distribution, ProSiebenSat.1 Media, sieht jedoch gute Chancen: Bereits heute hätte das Unternehmen schon 5,7 Millionen HD-Subscriber über die anderen Verbreitungs­wege Kabel, Satellit und IPTV, 2018 erwarte man 9,2 Millionen. Die Zuschauer seien also bereit für eine bessere Bildqualität zu zahlen.

Privatsender von 80 Prozent der Bevölkerung empfangbar

Auch Netzbetreiber Media Broadcast stellte auf dem Panel heraus, dass der Mehrwert HD die Killer Applikation des neuen Antennenfernsehens sei, die Menschen dazu bewegen würde für Fernsehen zusätzliches Geld auszugeben. Wie Holger Meinzer, Chief Commercial Officer B2B von Media Broadcast ankündigte, werde das Bouquet mit Privatsendern im vorläufigen Endausbau 80 Prozent der Haushalte erreichen. Aktuell laufen die Vorbereitungen für den Probebetrieb, der im Juni 2016 zur Fußball-Europameisterschaft starten soll. Momentan werden die Sendetürme in Berlin und Schwerin umgebaut sowie ein ganz neuer Sendemast in Leipzig gebaut.

Laut Produktionsdirektor Bereczky versorge das ZDF aktuell 98 Prozent der Haushalte mit DVB-T in der Fläche. Ob dies genauso bei DVB-T2 angestrebt werde hänge auch damit zusammen in wie vielen ländlichen Regionen es künftig Breitbandinternet mit 50 MBit/s gebe.

Telekommunikationsanbieter blockieren DVB-T2 in Smartphones

Wolfgang Breuer, CEO bei Media Broadcast, hob noch einmal die zunehmende Nachfrage nach mobilem Empfang als einer der großen Vorteile bei DVB-T2 hervor. Selbst im Fahrzeug könnte die Technik ihre Vorteile ausspielen und dem klassischen Radio Konkurrenz machen, sollte es in naher Zukunft selbstfahrende Autos geben. DVB-T2 werde dagegen ebenso wie das Digitalradio DAB+ nicht in Smartphones integriert, da 90 Prozent der Gadgets über Telekommunikationsanbieter vertrieben werden, die Highspeed-Volumen verkaufen wollen und an der kostenlos verfügbaren Terrestrik kein Interesse zeigten - auch wenn es kein Problem darstellen würde, die Chips zu integrieren.

Neben dem eigenen Portal multithek stünde DVB-T2 auch für weitere Internet-Anbieter offen, die im Rahmen einer Hybrid-Technik die Plattform nutzen können. So wurde bekannt, dass das Videoportal maxdome wohl ebenfalls über DVB-T2 verfügbar sein soll, ebenfalls teils mit Ultra HD-Produktionen.

Markus Zumkeller, Geschäftsführer Sony Deutschland, kündigte auf dem Panel an, dass alle neuen Sony-Fernseher einen DVB-T2/HEVC-Tuner enthalten.

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