Anga Com

Neue Endgeräte für DVB-T2 kommen pünktlich zur IFA

Noch dieses Jahr wollen zahlreiche Hersteller Empfangsgeräte für DVB-T2 in den Handel bringen. Wir erklären, welche das sein werden, wie das geplante Verschlüsselungssystem integriert wird und warum Sender Kritik an der Versteigerung des 700 MHz-Frequenzbandes üben.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Die Geräteindustrie will noch in diesem Jahr ein breites Angebot an Endgeräten für den Empfang des neuen digitalen Antennen­fernsehens DVB-T2 in den Handel bringen. "Es ist wohl in der Geschichte einmalig, dass die Hersteller bereits Geräte in den Markt gebracht haben, obwohl das Signal noch gar nicht in der Luft ist", konstatierte Markus Zumkeller, Director Sony Technology & Engineering Europe, im Rahmen des Strategie-­Panels "DVB-T2: Endspurt für den Umstieg" auf der Anga Com.

Receiver ab 50 Euro

Fernsehgeräte mit DVB-T2-Empfang gibt es bereits heute im MarktFernsehgeräte mit DVB-T2-Empfang gibt es bereits heute im Markt Wie bisher bei DVB-T schon, soll es auch beim Nachfolger DVB-T2 eine breite Palette an Endgeräten geben. Eine tragende Rolle sollen - wie in der Anfangszeit des alten DVB-T-Standards - Set-Top-Boxen spielen. Denn viele aktuelle Fernsehgeräte können den DVB-T2-Standard noch nicht empfangen. Entsprechende Receiver soll es schon zur IFA in ausreichender Stückzahl und zu Preisen ab 50 Euro geben, wie es auf der Messe hieß.

Ab sofort bauten die Hersteller DVB-T2 mit HEVC auch in neue Fernsehmodelle ein, so dass Zuschauer auf ein Extra-Gerät verzichten können, so Zumkeller. Darüber hinaus werde viel Wert auf einen mobilen Empfang gelegt. Tragbare Pocket-Empfänger für DVB-T2 soll es ebenso geben, wie kleine Sticks für PC, Net- oder Notebook, Smartphone und Tablet. Damit das Gesamtangebot von DVB-T2 auch auf den portablen Geräten nutzbar ist, wählten die Marktpartner ein softwarebasiertes Verschlüsselungssystem des Unternehmens Irdeto. Ein entsprechendes Abkommen haben Netzbetreiber Media Broadcast und das US-Unternehmen auf der Anga Com bekannt gegeben. Wie berichtet, wollen die meisten Privatsender ihre Programme über DVB-T2 verschlüsseln und nur im Rahmen eines kostenpflichtigen Abos anbieten. Die Verschlüsselungs-Technik sei dabei in den Geräten bereits auf einem fest verbauten Mini-Chip integriert, so dass der Kunde keine SIM- oder SmartCard zur Entschlüsselung benötige.

Gebühr ist pro Endgerät fällig

Wie kolportiert soll das verschlüsselte Angebot bei DVB-T2 einen Betrag um 5 Euro pro Monat kosten. Wolfgang Breuer, Vorsitzender der Geschäftsführung von Media Broadcast, wies auf dem Panel darauf hin, dass die Gebühr wie auch beim Satellitenangebot HD+ von SES Astra pro Endgerät fällig sei. Wer also mehrere Receiver, Fernsehgeräte oder Sticks für DVB-T2 in einem Haushalt besitzt, muss für jedes dieser Geräte die Gebühr zahlen. Breuer sagte jedoch, dass man sich in der Diskussion über Kombi-Modelle befände. Außerdem könnten einmal freigeschaltete Sticks oder Receiver auf allen PCs oder Fernsehgeräten im Haushalt genutzt werden.

Wie angekündigt sollen zwei Drittel der Fernsehsender in hochauflösender HD-Qualität ausgestrahlt werden. Obwohl die Technik nativ in 1080p (also Full-HD) verbreitet wird, will das ZDF die Sendungen weiter nur mit 720p produzieren, wie Dr. Andreas Bereczky, Produktionsdirektor des ZDF auf dem Panel einräumte. Auch André Prahl, Bereichsleiter Programmverbreitung bei RTL verwies darauf, dass viel Sendematerial hochskaliert würde. Dies hätten die Zuschauer aber bisher schon akzeptiert.

Heftige Kritik an Versteigerung des 700-MHz-Bandes

Heftige Kritik gab es von Bereczky an der aktuellen Frequenzauktion des 700-MHz-Bandes, das bisher noch für DVB-T genutzt wird. Er bezeichnete die Auktion als wirtschaftlichen Misserfolg und führte aus, dass es geradezu töricht gewesen sei ein Frequenzband unter den Hammer zu bringen, das erst in fünf Jahren in ganz Deutschland für den Mobilfunk genutzt werden kann: "Viel Cleverness ist in dieser Versteigerung nicht zu erkennen", sagte Bereczky wörtlich. Der sich abzeichnende geringe Auktionserlös wirke sich auch negativ auf die geplante Subventionierung des Umstiegs auf DVB-T2 aus, da die Sender Gelder aus der Frequenzversteigerung erhalten sollten. Bereczky sprach von einem Blendwerk der Politik; das Versprechen jedem Haushalt bis 2018 eine Bandbreite von 50 MBit/s zu liefern sei unrealistisch: "Wir alle wissen, dass das nicht geschehen wird". Von DVB-T2 verspricht er sich eine Einsparung bei den Senderbetriebskosten von rund 20 Prozent.

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