Diskussionsbedarf

Kontroverse um die Zukunft von DVB-T

Interessen von Rundfunk und Mobilfunk prallen aufeinander
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Soll der terres­trische Rundfunk (DVB-T) in Deutsch­land aus­gebaut oder sollen die ent­sprechenden Fre­quenzen dem Mobil­funk zu­geschlagen werden? Mit dieser Frage be­schäftigte sich eine Panel-Diskussion auf den dies­jährigen Münchner Medientagen. Die Diskussions­teilnehmer lieferten sich einen Schlag­abtausch. Klar wurde einzig und alleine, dass möglichst rasch politische Ent­scheidungen getroffen werden müssen, um Planungs­sicherheit zu schaffen.

Telekom schließt deutschen Alleingang aus

Thema des diesjährigen Münchner Medientages war die Zukunft des terrestrischen Rundfunks in DeutschlandThema des diesjährigen Münchner Medientages war die Zukunft des terrestrischen Rundfunks in Deutschland Markus Haas, der im Vorstand von Telefónica Deutsch­land für die Bereiche Strategie und Recht tätig ist, bezweifelte die Zukunfts­fähigkeit des digital-terres­trischen Fernsehens und verwies auf den "riesigen Flop" bei der gescheiterten Einführung von DVB-H. Haas bezeichnete die sinnvolle Verknüpfung von Glasfaser und Mobilfunk als Schlüssel zum Erfolg.

Vor "präjudizierenden Schnellschüssen" warnte Karl-Heinz Laudan, Vice President für Spectrum Policy der Deutschen Telekom. Er sagte, zunächst sei es nötig, den Bedarf an Kapazitäten anhand des Nutzerverhaltens zu ermitteln: "Der Rundfunk muss erarbeiten, wie die Terrestrik künftig aussehen soll." Einen deutschen Alleingang bei der Aufteilung der zweiten Digitalen Dividende hält Laudan für ausgeschlossen: "Das 700-MHz-Band wird europaweit für den Mobilfunk verfügbar gemacht."

Privatsender wollen verschlüsseln

Anders als die Tele­kommuni­kations­unternehmen sahen es natur­gemäß die Rund­funk­veranstalter. Annette Kümmel, die bei dem Medienunternehmen ProSiebenSat.1 Media AG den Bereich Medienpolitik leitet und dem Vorstand des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) angehört, verwies darauf, dass alle Mitglieder im Verband am Wettbewerb der Infra­strukturen festhalten wollten. Obwohl Terrestrik der teuerste Über­tragungsweg sei, werde der Switch auf DVB-T2 nicht aus­geschlossen. Allerdings müssten sich die Rahmen­bedingungen verbessern, damit neue Geschäfts­modelle etabliert werden können. Zudem sollte den Veranstaltern die Möglichkeit eingeräumt werden ihre Programme zu verschlüsseln.

Den Wechsel zu DVB-T2 befürwortete auch Prof. Dr. Karola Wille: "Rundfunk als Massen­medium benötigt terrestrische Netze", sagte die Intendantin des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR). In diesem Sinne hätten sich die öffentlich-rechtlichen Veranstalter auch für die DVB-T-Nachfolgetechnik ausgesprochen.

Bundesnetzagentur für Kompromiss

Einen Kompromiss brachte Dr. Iris Henseler-Unger ins Spiel. Die Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur schlug vor, möglichst vor dem Jahr 2020 das 700 MHz-Band (698:806 MHz) gemeinsam für DVB-T2 und den Mobilfunk zu nutzen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollten die Rund­funkangebote in den Frequenz­bereich unterhalb 700 MHz verlagert werden, so dass der Bereich über 700 MHz alleine vom Mobilfunk genutzt werden könne. Möglich wird das nach dem Ende eines Parallel­betriebs von DVB-T und DVB-T2.

Medienpolitiker: Rundfunk und Mobilfunk sind gleichermaßen wichtig

In einem Impuls­referat verwies Hans-Joachim Otto, der scheidende Parlamentarische Staatssekretär beim Bundes­minister für Wirtschaft und Technologie, auf den stetig steigenden Bedarf an Übertragungskapazitäten für Rundfunk und Datendienste. Der Bundes­tags­abgeordnete plädierte dafür, einen Kompromiss bei der Verteilung der knappen Funk­frequenzen zu finden, um in unter­versorgten Regionen sowohl Breitband-Mobilfunk als auch terrestrischen Rundfunk anzubieten. "Die Aufgabe der Frequenzpolitik ist es, die Zukunft der Vielfalt zu gestalten, ohne einzelne Akteure abzu­schneiden", sagte er und plädierte für gemeinsame Lösungen in einer Über­gangszeit: "Ich sehe keinen un­lösbaren Konflikt."

Auch Dr. Jürgen Brautmeier, der Vorsitzende der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), hob die Not­wendigkeit flächen­deckender Breitband-Internetanschlüsse hervor. Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen setzte sich zugleich dafür ein, dass die Entwicklung nicht zulasten der Fernseh- und Radio­veranstalter gehe. "Wir wollen die terres­trischen Über­tragungswege sichern", unterstrich er. Zudem forderte Brautmeier schnelle Entscheidungen, denn unter anderem wegen der fehlenden Planungssicherheit habe RTL die Verbreitung via DVB-T ja bereits beendet.

"Der Ausstieg von RTL aus DVB-T ist ein guter Schritt, denn das treibt die Diskussion voran", kommentierte Wolfgang Breuer, Chief Ececutive Officer des Netzbetreibers Media Broadcast, etwas überraschend. Mit Blick auf das zentrale Thema der Diskussion "die Aufteilung des 700 MHz-Bandes bei der Welt­funk­konferenz 2015 (WRC)" forderte Breuer, mit den "Lebenslügen" aufzuhören: "Das 700 MHz-Band wird die Probleme nicht lösen".

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