Hörfunk

Deutschlandradio-Intendant warnt vor Radiozukunft mit 5G

Deutsch­land­radio-Inten­dant Stefan Raue hat vor einer Radio­zukunft alleine mit 5G gewarnt. Sowohl auf Sender als auch Nutzer kämen immense Kosten zu. Ein Zurück zum analogen UKW kann er sich aber auch nicht mehr vorstellen. Die Zukunft sei DAB+.
AAA
Teilen (82)

"Es gibt kein Zurück zur alten eindi­mensio­nalen UKW-Welt". Diesen Tenor vertritt Deutsch­land­radio-Inten­dant Stefan Raue, der in einem Gast­betrag in der Frank­furter Allge­meine Zeitung (F.A.Z.) die Ereig­nisse rund um das terres­trische Digi­talradio in Nieder­sachsen kommen­tierte. Der Nieder­säch­sische Landtag hatte zuvor die Landes­regie­rung in Hannover dazu aufge­fordert, DAB+ zu beenden.

Manöver aus Nieder­sachsen kommt zu spät

DAB+-Radio mit Direktwahltasten zu DeutschlandradioDAB+-Radio mit Direktwahltasten zu Deutschlandradio Für Raue ist es ein Stör- und Verhin­derungs­manöver, das zu spät kommt. "Denn aus meiner Sicht sind die Fort­schritte aus der analogen UKW-Welt durchaus sichtbar. Während der Verkauf von UKW-Radio­geräten deut­lich abnimmt, legen die Verkaufs­zahlen für DAB+-Geräte vor allem im Auto­radio­bereich stark zu", so Raue.

Die Unter­haltungs­elek­tronik­branche sei inzwi­schen voll auf DAB+ einge­stiegen, auch die Premi­ummarken. "Wer das nicht glaubt, sollte mal durch die Fach­märkte, Auto­häuser oder die Inter­natio­nale Funk­ausstel­lung gehen und sich umschauen". Die Bundes­länder und die Landes­medi­enan­stalten förderten zudem in zuneh­mendem Maße die DAB+-Ange­bote.

Radio über Mobil­funk, wie von den Nieder­sachsen präfe­riert, sei keine Alter­native: "Wer bisher jenseits des stabilen häus­lichen W-LAN Inter­netradio nutzt oder besser nutzen will, muss starke Nerven und viel Geduld haben, gerade im mobilen Empfang."

5G liefert keinen frei zugäng­lichen Empfang

Auch der neue Stan­dard 5G könne das nicht gewähr­leisten: "Ange­sichts einer groben Schät­zung von mehreren hundert­tausend neu zu bauenden und zu errich­tenden Funk­masten in Deutsch­land dürfte eine groß­flächige Abde­ckung mit 5G ohnehin ein Projekt von Jahr­zehnten sein, wenn es über­haupt durch­setzbar sein wird. Das führt uns zu einem anderen, bisher nur wenig disku­tierten Problem. Die Unter­nehmen, die bei der Auktion Milli­arden für die Frequenzen bezahlen und weitere zahl­reiche Milli­arden in Entwick­lung, Instal­lation und in den Betrieb inves­tieren müssen, werden diese Summen auch irgend­wann refi­nanzieren müssen", so Raue. Die Erfah­rung mit der Kabel­verbrei­tung von TV und Hörfunk lehre, dass diese Unter­nehmen bei beiden Seiten zugreifen: bei den Programm­anbie­tern und bei den Endkunden. "Das bedeutet, dass sich Höre­rinnen und Hörer auf wesent­lich höhere Kosten für die tech­nische Nutzung der Programme über 5G einstellen müssen. Von direktem und frei zugäng­lichem Radio­angebot, für die öffent­lich-recht­lichen Ange­bote recht­lich geboten, keine Spur."

DAB+ wird in Nieder­sachsen ausge­baut statt einge­stellt

Raue beru­higt die Nieder­sachsen, die sich bereits ein DAB+-Radio gekauft haben und nun befürchten, dass dieses aufgrund des Land­tags-Beschlusses schon bald wieder Elek­troschrott sein könnte: "Die bundes­weit ausge­strahlten DAB+-Programme, ob öffent­lich-recht­lich oder privat, wird es natür­lich auch in Nieder­sachsen weiterhin geben, sturm­fest und erdver­wachsen, wie es im Nieder­sach­senlied so schön heißt."

In der Tat wird im Bundes­land das Digi­talradio ausge­baut statt einge­stellt: Ende Juli nimmt der NDR für seinen Multi­plex die neue Sende­anlage Stade in Betrieb, später 2019 folgt noch der Standort Stad­thagen. Ab 7. August werden auch Hörer im Weser­berg­land um Holz­minden und Bad Pyrmont die Programme des Bundesmux mit vier Programmen von Deutsch­land­radio und acht Privat­sendern hören können.

Teilen (82)

Mehr zum Thema DAB+