Made in Germany

Weltweite IT-Revolutionen: Wo bleibt Deutschland?

Wer sich die großen Player der Internet- und Telekommunikations-Branche anschaut, findet kaum deutsche Konzerne darunter. Dank vernetzter Autos könnte sich das ändern - doch die Auto-Konzerne müssen hart arbeiten.
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Kann die Auto-Industrie Deutschland wieder in die IT-Welt zurückbringenKann die Auto-Industrie Deutschland wieder in die IT-Welt zurückbringen? Konferenzen wie die connect-conference sind dazu da, einen Blick nach vorne zu werfen und sich mit künftigen Techniken wie dem LTE-Nachfolger 5G zu be­schäftigen. Auffallend dabei ist, dass sich unter den momentanen Playern, die den Markt vorantreiben, kaum ein deutsches Unternehmen befindet.

Ganz besonders auf­schluss­reich ist es, wenn die Fachvorträge sich nicht nur mit technischen Spezifikationen befassen, sondern beispielsweise auch mit der Frage: Was kann Deutschland innerhalb dieser ganzen rasenden Entwicklung überhaupt noch bewirken? Dr. Marc Thom, Global Senior Business Development Manager bei Sony Mobile Communications International, beschäftigte sich beispielsweise damit, welche Stellung der analoge Mensch in der digitalen Herausforderung hat, und dabei ging er auch auf die Rolle Deutschlands ein.

Deutsche Firmen haben sich zurückgezogen

Anhand eines aufschlussreichen Schaubilds zeigte Marc Thom, welche Unternehmen heutzutage daran beteiligt sind, wenn ein Mensch im Internet shoppen geht. Zunächst benötigt er ein entsprechendes Gerät wie ein Smartphone, einen Laptop oder ein Tablet. Deutsche Hardware-Hersteller gibt es kaum noch, und wenn, dann werden die Geräte in Fernost zusammengebaut. Auf dem Gerät fürs Shopping muss ein entsprechendes Betriebssystem laufen - hier dominieren momentan Google, Microsoft und Apple den Markt.

Anschließend muss der Kunde das Gerät über einen Netzbetreiber mit dem Internet verbinden. Dann benötigt er einen Browser, um die entsprechenden Angebote der Internet-Shops zu öffnen. Orientierung dabei erhält insbesondere die junge Generation von sozialen Netzwerken wie Facebook und YouTube oder Suchmaschinen wie Google. Hat der Kunde sein Produkt gefunden und bestellt, wird das Paket entweder direkt vom Shop an den Kunden nach Hause geliefert oder an einen Paketdienstleister übergeben.

An dieser Stelle fragte Marc Thom: Wo in dieser ganzen Kette kommt Deutschland vor? Eigentlich nur noch an maximal drei Stellen: Deutsche Hardware- und Betriebssystem-Schmieden spielen keine Rolle mehr, das betrifft auch deutsche soziale Netzwerke. Bei den Netzbetreibern hat Deutschland mit der Telekom noch einen großen, weltweit agierenden Player im Rennen, bei den Shops gibt es deutsche Amazon-Konkurrenten wie Zalando oder Otto. Und auch Paketdienstleister wie DHL, Hermes und andere haben noch einen ordentlichen Marktanteil, wobei hier auch nur DHL ein wirklich weltweiter Player ist.

Einkaufen im Internet - wo kommt Deutschland vor
Einkaufen im Internet - wo kommt Deutschland vor?

Amazon, Facebook & Co. wollen irgendwann die ganze Kette

Thom hob hervor, dass insbesondere US-amerikanische Firmen längst damit begonnen haben, andere Teile dieser Kette zu erobern. War Facebook zunächst nur ein soziales Netzwerk, will der Konzern vermehrt das Internet in abgelegene Ecken der Erde bringen, notfalls mit abenteuerlichen Techniken über Drohnen. Und das hat ganz klar einen kommerziellen Hintergrund.

Ganz besonders stark expandiert allerdings Amazon. War Amazon zunächst nur ein Online-Shop, hat das Unternehmen längst damit begonnen, die ganze Kette zu erobern. Mit Fire TV und Kindle ist Amazon in den Hardware-Markt eingestiegen, auf den Geräten laufen angepasste eigene Betriebssysteme. Einen Browser hat Amazon zwar nicht entwickelt, wohl aber einen App-Shop. In einigen Ländern bietet Amazon bereits Mobilfunk-Tarife an, das könnte bald auch in Deutschland kommen. Und auch über den Start eines Amazon-eigenen Paketdienstes gibt es immer wieder Gerüchte.

Dem einzigen deutschen Industriezweig, dem Thom ein wirkungsvolles "Eingreifen" zutraut, ist die Autoindustrie. Viele Kommunikationsvorgänge werden zukünftig in vernetzten Auto-Systemen getätigt - und Deutschland gehört mit zu den besten Autobau-Nationen der Welt. Bezüglich der "Hardware" ist Deutschland also schon einmal gut aufgestellt.

Laut Marc Thom wird dies allerdings davon abhängen, wie die Auto-Hersteller sich bereits beim zweiten Glied der Kette positionieren - den Betriebssystemen. Wenn sie diese Kompetenz aus der Hand geben, haben die deutschen Autobauer auch bei den weiteren Gliedern der Kette keinerlei Einflussmöglichkeit mehr. Es sei also unabdingbar, dass die Auto-Hersteller schon jetzt damit beginnen, zukunftsträchtige Plattformen für vernetzte und selbstfahrende Autos zu entwickeln und diese Kompetenz keinesfalls Apple, Google oder anderen Unternehmen zu überlassen. Dann könnte Deutschland sich zukünftig erneut in dieser Kette wirksam positionieren.

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