Ungewollte Aufträge

Verbraucherschützer: Telekom zieht Kunden weiter über den Tisch

Verbraucherzentrale HH beantragt Ordnungsgeld gegen den Konzern
Von Marc Kessler

Verbraucherzentralen-Vorwurf Die Verbraucher­zentrale Hamburg
wirft der Deutschen Telekom
unseriöse Geschäfts­praktiken vor
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com, Deutsche Telekom, Verbraucherzentrale Hamburg / Montage: Marleen Frontzeck
Die Ver­braucher­zentrale Hamburg hat beim Landgericht Bonn die Verhängung eines Ordnungs­gelds gegen die Deutsche Telekom beantragt. Der Vorwurf der Ver­braucher­schützer: Die Telekom schiebe Verbrauchern weiterhin Tarif­änderungen oder kosten­pflichtige Zusatz­optionen unter, die diese gar nicht bestellt hätten. Die Ham­burger Verbraucher­schutz­organisation und auch der Verbraucher­zentrale Bundes­verband (vzbv) hatten im vergangenen Jahr ent­sprechende Urteile gegen die Deutsche Telekom beim Land­gericht Bonn und Ober­landes­gericht Bonn aufgrund der monierten Geschäfts­praktiken erwirkt.

Verbraucherzentrale: Kunden werden "weiter über den Tisch gezogen"

Verbraucherzentralen-Vorwurf Die Verbraucher­zentrale Hamburg
wirft der Deutschen Telekom
unseriöse Geschäfts­praktiken vor
Bild: Robert Kneschke - Fotolia.com, Deutsche Telekom, Verbraucherzentrale Hamburg / Montage: Marleen Frontzeck
"Das Gerichtsurteil scheint den Telefonriesen wenig zu kümmern, viele Kunden werden einfach weiter über den Tisch gezogen", greift Edda Castelló von der Hamburger Verbraucher­zentrale den Bonner Ex-Monopolisten an. So habe eine Telekom-Kundin eine Auftrags­bestätigung über ein Sicherheitspaket erhalten, das sie gar nicht bestellt habe. Ein anderer Kunde erhielt der Schilderung zufolge eine Bestätigung für eine Fremdnetz-Option, obwohl er dem anrufenden Telekom-Mitarbeiter deutlich erklärt habe, er wolle sich am Telefon nicht mit derartigen Angeboten befassen.

"Empfindliches Bußgeld" soll Telekom beeindrucken

Edda Castelló: "Wir haben das Unternehmen mit den Vorwürfen konfrontiert, bis heute aber keine Antwort erhalten, und sahen uns daher gezwungen, ein empfindliches Ordnungs­geld zu beantragen." Dieses kann laut Verbraucher­zentrale bis zu 250 000 Euro betragen. "Vielleicht bringt dies den Marktführer endlich dazu, seine unzulässige Werbepraxis zu stoppen", konstatiert Castelló.

Die Deutsche Telekom hatte die Vorwürfe seinerzeit zurückgewiesen und behauptet, die Kunden hätten der Umstellung auf die neuen Verträge zugestimmt und es sich später wieder anders überlegt. Die jeweiligen Verkäufer hätten zum Teil eidesstattlich versichert, dass die Kunden die jeweiligen Produkte bestellt hätten.

OLG Köln 2012: Vorgehen der Telekom ist zumindest "unzumutbare Belästigung"

Das Oberlandes­gericht Köln hatte im Rechtsstreit zwischen dem vzbv und der Deutschen Telekom geurteilt, die Telekom habe es zu unterlassen, "im Rahmen geschäftlicher Handlungen Verbrauchern den Erhalt eines Auftrags zu bestätigen, obwohl der adressierte Verbraucher keinen Auftrag erteilt hat". Denn das Verhalten der Telekom stelle zumindest eine "unzumutbare Belästigung" dar.

Deutsche Telekom: Dulden Unterschieben von Verträgen nicht

Wir haben die Deutsche Telekom um eine Stellung­nahme zu den jüngsten Vorwürfen der Verbraucher­zentrale gebeten. "Die Telekom duldet nicht, dass Kunden Verträge untergeschoben werden", schreibt uns Sprecher Philipp Blank. "Hier streiten wir über zwei Fälle aus dem vergangenen Jahr."

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