Betrugsvorwurf

Betrugsvorwurf: Telekom kündigt Verträge mit Drillisch

Drillisch soll zehntausende Verträge nur zum Erhalt von Provisionen aktiviert haben
Von Marc Kessler
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Die Deutsche Telekom hat die Zusammenarbeit mit der Drillisch AG und ihren Tochterunternehmen fristlos gekündigt. Der Bonner Konzern hat eigenen Angaben zufolge Strafanzeige gegen den Maintaler Service-Provider erstattet. Grund daür, teilt die Telekom mit, sei "der schwerwiegende Verdacht auf Provisionsbetrug durch Simply, ein Tochterunternehmen der Drillisch AG, das Prepaid-Mobilfunkverträge vermarktet".

Vorwurf: Provisionsbetrug in Millionenhöhe

"Betrug dulden wir nicht und gehen konsequent dagegen vor", sagte Manfred Balz, Vorstand Datenschutz, Recht und Compliance bei der Telekom. Die Telekom habe im August festgestellt, "dass der Vertriebspartner seit Februar 2011 mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert hat, ohne dass tatsächliche Kundenverhältnisse zu Grunde liegen". Auf diese Weise habe Drillisch die Telekom um Provisionen betrogen. Infolgedessen will die Telekom nun auch Provisionszahlungen in einstelliger Millionenhöhe von Drillisch zurückerhalten.

Telekom-Drillisch-VorwurfDie Telekom wirft Drillisch
Provisionsbetrug in Millionenhöhe vor
Die Geschäftsleitungen von Simply und der Drillisch AG sind teilweise identisch. Geschäftsführer von Simply sind die Brüder Vlasios und Paschalis Choulidis sowie Herbert Borghs und André Driesen. Vorstände der Drillisch AG sind ebenfalls die beiden Choulidis-Brüder.

Telekom: Betrug lief auch über weitere Drillisch-Firmen

Die Telekom wirft Drillsch vor, "der Betrug" sei zudem "mit Unterstützung weiterer Gesellschaften der Drillisch-Gruppe" erfolgt. Die Telekom trenne sich daher von Drillisch im Ganzen. Drillisch habe "trotz erdrückenden Beweismaterials den Sachverhalt nicht weiter aufgeklärt und die Vorwürfe sogar bestritten". Eine "datenschutzkonforme Analyse" der Telekom habe jedoch klar ergeben, "dass die Karten für Scheinkunden aktiviert wurden".

Drillisch-Kunden können noch im Telekom-Netz telefonieren

Drillisch-Kunden, die Mobilfunkleistungen im Netz von Telekom Deutschland nutzen - etwa Nutzer von Penny Mobil / ja!Mobil oder maxxim Classic - können vorerst weitertelefonieren. "Die Telekom wird die Netzleistungen weiterhin erbringen", schreibt der Bonner Ex-Monopolist.

Aktie der Drillisch AG stürzt ab

Die Börse reagierte bereits auf die Nachricht: Die Aktie des börsennotierten Konzerns stürzte nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Xetra-Handel von rund 8,40 Euro auf aktuell weniger als 3,30 Euro ab - ein Minus von fast 60 Prozent.

[Update, 17:15 Uhr] Drillisch: Zunächst keine Stellungnahme - REWE völlig überrascht

Drillisch wollte auf Anfrage unserer Redaktion zunächst keine Stellungnahme abgeben. Wir bemühen uns aber weiter um ein offizielles Statement des Maintaler Unternehmens. Auch das Lebensmittel-Unternehmen REWE war zunächst völlig überrascht von dem Vorgang und konnte zunächst nichts über die weitere Zusammenarbeit mit Drillisch sowie die Zukunft der im Telekom-Netz realisierten Produkte Penny Mobil und ja!Mobil machen.

[Update, 17:35 Uhr]: Drillisch weist Vorwürfe "entschieden zurück"

In einer ersten Presseinformation hat Drillisch die Vorwürfe der Deutschen Telekom "entschieden" zurückgewiesen. Die Darstellung der Telekom, "Drillisch habe 'mehrere zehntausend Mobilfunkanschlüsse aktiviert', ohne dass entsprechende Kundenverhältnisse zugrunde lagen, entspricht nicht den Tatsachen", schreibt das Unternehmen.

"Die Simply Communications GmbH hat sich im Hinblick auf von der Telekom gezahlte Provisionen vollumfänglich in Übereinstimmung mit den mit der Telekom geschlossenen Verträgen verhalten", so Drillisch-Vorstand Paschalis Choulidis. Daher gebe es keine rechtliche Grundlage für strafrechtliche Schritte oder für eine Rückforderung von Provisionen.

Vertrag mit der Telekom sei zuerst von Simply gekündigt worden

Drillisch habe sich "in den letzten Tagen und Wochen intensiv bemüht, die Sachlage mit der Telekom zu klären". Die Telekom habe aber "auf ihrem unzutreffenden Standpunkt" beharrt. Daher habe Drillisch selbst bereits am 3. November den Vertrag mit der Telekom gekündigt. Dies habe die Telekom nun wiederum selbst zum Anlass genommen, noch einmal außerordentlich zu kündigen.

"Die Drillisch AG bedauert diese Eskalation und weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kündigung keine negativen Auswirkungen für die bestehenden Simply-Kunden hat", bekräftigt das Unternehmen.

[Update, 18:10 Uhr] Auch freenet-Aktie im Sog von Drillisch

Auch die Aktien der freenet AG wurden von Drillisch mit ins Minus gerissen. Drillisch ist an freenet mit knapp 22 Prozent beteiligt. Die freenet-Aktie verlor bis kurz nach 18:00 Uhr rund 7 Prozent an Wert. Die Drillisch-Aktie konnte sich leicht erholen und notierte zuletzt bei etwa 5,35 Euro (minus 36 Prozent).

Mittlerweile haben wir einen Folge-Artikel zu der Thematik veröffentlicht. Hierin stellen wir die Situation für im Telekom-Netz telefonierende Bestandskunden dar.

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