vor Gericht

Ermittlungen in Telekom-Datenskandal noch nicht abgeschlossen

Staatsanwaltschaft widerspricht Bericht des "Focus"
Von dpa / ddp / Björn Brodersen

In der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom erwartet die Staatsanwaltschaft Bonn bald eine Entscheidung. Ob sie den Ex-Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Zumwinkel und den früheren Vorstandschef Kai-Uwe Ricke wegen des Ausspionierens von Telefonaten anklage, werde wohl noch vor Ostern entschieden, sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel dem Handelsblatt (Montagausgabe). Das hänge davon ab, ob der Ermittlungsrichter den Hauptbelastungszeugen - Anwalt Michael Hoffmann-Becking - zu einer Aussage zwingt. Apostel erwarte die Entscheidung des Richters in den nächsten Tagen. Apostel widersprach damit einem Bericht des Nachrichtenmagazins Focus vom Samstag, wonach die Staatsanwaltschaft die Verfahren gegen gegen Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke und den früheren Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel einstellen wird.

Hoffmann-Becking habe Zumwinkel und Ricke 2005 beraten, als die Telefondaten erhoben wurden. Der Anwalt habe Zumwinkel und Ricke schwer belastet, beruft sich inzwischen aber auf seine Schweigepflicht. "Die Aussage von Hoffmann-Becking ist ein zentraler Punkt in den Ermittlungen", sagte Apostel. Muss er aussagen, wird Zumwinkel vermutlich angeklagt. Um Ricke anzuklagen, reichen die Beweise aber offenbar nicht. Angaben aus dem Focus-Bericht, dass die Bonner Ermittler vier Verdächtigen aus der zweiten Reihe den Prozess wegen Untreue und illegaler Auswertung von Telefonverbindungsdaten machen wollen, wollte Apostel nicht kommentieren.

In der Affäre geht es um die Bespitzelung von Betriebsräten, Aufsichtsratsmitgliedern und Journalisten. Konzernmitarbeiter hatten durch den Abgleich von Verbindungsdaten von Aufsichtsräten und Medienvertretern versucht, eine undichte Stelle über die Weitergabe von internen Informationen zu schließen. Im Frühjahr 2008 war die Spitzelaffäre öffentlich geworden und hatte einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.

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