Telekom-Erfolg

Deutsche Telekom: "Ohne uns läuft gar nichts"

"Ohne uns läuft gar nichts" ist das Credo des alten und neuen Vorsitzenden der Deutschen Telekom, der be­ein­druckende Zahlen vorlegte. Auf der Bilanz-Presse­kon­ferenz sagte Höttges auch, was er von einer Kabel-Fusion von Vodafone und Unitymedia hält.
Aus Bonn berichtet
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Als der damalige Finanzchef der Deutschen Telekom, Timotheus "Tim" Höttges 2013 den Vorstandsvorsitz erstmalig übernommen hatte, fand er steigende Umsätze in den USA, aber insgesamt ein rückläufiges Ergebnis vor. Damals wurden von seinem Unternehmen etwa 9 Milliarden Euro pro Jahr investiert, davon vier Milliarden alleine in Deutschland. Die Aktionäre mussten eine bittere Pille schlucken: Die Dividende pro Aktie wurde von 70 auf 50 Cent gesenkt.

Höttges änderte die Strategie: Massiv investieren und "die modernsten Netze" zu bauen, für den Kunden "das beste Qualitätserlebnis" zu schaffen. Unter Journalisten unvergessen eine hochemotionale Rede, wo Höttges in Berlin ausführlich die damaligen Mängel im Kundenservice anprangerte und Verbesserungen ankündigte. Dann vergrub er sich mit Kopfhörer und dicken Notizblöcken bewaffnet in den hauseigenen Call-Centern der Telekom, hörte tagelang nur zu und machte sich Notizen. Er verbesserte Abläufe, kennt sein Unternehmen seitdem bis ins Detail. Sein Ziel: ein guter individueller Service. Heute wächst sein Unternehmen, und er investiert. 12,1 Milliarden weltweit, 5,4 Milliarden allein in Deutschland.

In den USA hat Höttges für 7,4 Milliarden Euro Spektrum (Frequenzen) bei 600 MHz gekauft. Nach seinen Angaben erreicht T-Mobile US 330 Millionen Kunden (2013: 220 Millionen) mit seiner Abdeckung. 5,4 Millionen Kunden kamen neu dazu und die US-Umsätze steigen weiter. Die Telekom fährt in den USA das Konzept des "Challengers", wie einst simyo, und ist dort sehr erfolgreich. "Die Leute stimmen mit den Füßen ab und gehen zu T-Mobile."

Auch in Europa haben 2,1 Millionen Kunden bei Telekom/T-Mobile unterschrieben.

Kunden lieben gute Netze

Impressionen von der Bilanz-Pressekonferenz der TelekomImpressionen von der Bilanz-Pressekonferenz der Telekom In Deutschland hat das Unternehmen die meisten Netztests gewonnen, in Europa in neun von 11 Ländern. Höttges bringt das auf den Punkt: "Kunden lieben gute Netze". Und schießt gemeinsam mit dem scheidenden Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt ein Zahlenfeuerwerk ab, wobei die versprochenen Eckdaten "geliefert" werden.

Trotz 12 Milliarden Investitionen sind noch 5,5 Milliarden in der Kasse ("Free Cash Flow") und es sollen noch mehr werden. So können sich die Aktionäre freuen. Die Dividende wird dieses Jahr von 50 auf 70 Cent erhöht, wenn die Anteilseigner zustimmen, was als sicher gelten dürfte. Eine Aktiendividende, wo man zum Gesamt-Wert der Dividende anteilig neue Aktien erhalten konnte, wurde eingestellt, weil es die Anteilsverhältnisse (etwa des Bundes, der über die KfW-Bank noch Anteile hält) "verwässert" (sprich erhöht) habe. Das war bei Politik und Wirtschaft auf Kritik gestoßen.

Wössner: IP-Umstellung zu 70 Prozent geschafft

Der Donnerstag war die erste Gelegenheit für den neuen Privatkundenvorstand Dirk Wössner, sich der Presse vorzustellen. Er kommt gerade aus Kanada zurück, wo er bei dem dort als hochwertig aber auch hochpreisig bekannten Kommunikationsunternehmen "Rogers" arbeitete. Zuvor war er auf verschiedenen Positionen im Telekom-Konzern tätig gewesen, etwa im Bereich "Festnetz Wholesale", wo er TK-Leistungen an die Mitbewerber wie Vodafone/Arcor oder Kabeldeutschland oder United Internet (heute 1&1) verkaufte.

Die angekündigte Migration der Telefonanschlüsse von analog oder ISDN zum IP-Protokoll ist bereits zu 70 Prozent geschafft. Die restlichen Privatkunden sollen "im Wesentlichen" bis Jahresende umgestellt werden, dann bleiben noch einige Geschäftskunden mit größeren und komplexen Anschlüssen. Wann er komplett fertig sein will, verriet Wössner nicht.

Zuwachs bei LTE

Bei der Deutschen Telekom haben bereits knapp 11 Millionen Kunden einen LTE-fähigen Vertrag, das sind 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Wann alle Kunden im D1-Netz auf LTE zugreifen dürfen, wurde nicht mitgeteilt. Während im ersten Quartal die Zahl der Mobilfunkkunden noch um 0,7 Prozent zurückging, stieg er insgesamt um 1,7 Prozent, im letzten Quartal kamen 181 000 Neukunden bei den "eigenen Marken" dazu. Der monatliche Datenkonsum der mobilen Kunden ist auf 1,6 GB pro Monat gestiegen.

In Zukunft nur noch Glasfaser

Unter Wössners Vorgänger Niek Jan van Damme zeichnete es sich schon ab: Die Nachfrage nach Glasfaseranschlüssen steigt. Zum Jahresende waren knapp 10 Millionen glasfaserbasierte Anschlüsse in Betrieb. 2017 kamen 290 000 neue Breitband-Anschlüsse bundesweit dazu. Den Mitbewerbern wurden 3,8 Millionen glasfaserbasierte Anschlüsse zur Verfügung gestellt.

Wössner zeigt sich überrascht, wie dogmatisch der Breitbandausbau in Deutschland diskutiert wird, da werde mit "Halbwahrheiten" argumentiert. Das Ziel sei doch "möglichst zügige schnelles Internet zu möglichst vielen Menschen" bringen zu können. Bis Ende nächsten Jahres sollen 80 Prozent der Haushalte 50 MBit/s haben können. 19 Millionen Anschlüsse können schon mit 100 MBit/s erreicht werden. Die Gigabitgeschwindigkeit folge im zweiten Schritt. Die Telekom hat längst den Startschuss für Supervectoring gegeben, das eine Geschwindigkeit von 103 bis 250 MBit/s liefern kann. Die meisten Privatkunden, so hat Wössner festgestellt, bestellen Geschwindigkeiten zwischen 30 und 150 MBit/s.

Wo gewünscht, werden Gewerbegebiete direkt mit FFTH (Glasfaser ins Haus) durch die Telekom versorgt, rund 100 Gebiete in diesem Jahr, insgesamt stehen 3000 Gewerbeareale auf der Liste. Auch in der Provinz wird fleißig von und im Auftrag der Telekom gebaut, etwa in Bayern, in Mecklenburg-Vorpommern und auf der Insel Rügen, wo die Telekom eine Ausschreibung über 40 000 Anschlüsse gewann.

Und in Zukunft nur noch Glasfaser?

Für 2018 wird die Telekom noch mehr Geld ausgeben, 12,5 Milliarden insgesamt. 2017 wurden 40 000 km neue Glasfaser verlegt, 2018 sollen erneut weitere 60 000 km Glasfaser ausgerollt werden. "Wir bauen nur noch Glasfaser" betont Höttges mehrfach. Alle drei Minuten wird irgendwo in Deutschland ein Multifunktionsgehäuse (Kvz) am Straßenrand angeschlossen. "Mehr ist technisch kaum möglich."

Doch eins ist auch klar: "Die Telekom kann nicht überall sein und setzt deshalb weiter auf Kooperationen" wie mit Netcologne, Innogy (RWE) oder EWE tel. Mit 70 neuen Unternehmen wird derzeit verhandelt, Namen wurden nicht genannt.

Stärkerer Mobilfunk Ausbau

Nicht nur das Festnetz wird ausgebaut. Wössner erläuterte, dass zu den rund 28 000 Mobilfunk-Basis-Stationen bisher jedes Jahr etwa 500 neue Anlagen dazu kamen, das soll jetzt auf 2000 neue Standorte pro Jahr gesteigert werden, um endlich die "weißen Flecken" zu erreichen und das "Kundenerlebnis" zu verbessern. Im Finanzchinesisch heißt das: "Die jährliche CAPEX der Deutschen Funkturm wird jährlich um 100 Millionen erhöht." Im Klartext, jedes Jahr können 100 Millionen Euro mehr für den Netzausbau verwendet werden.

National Roaming: Kann - nicht muss

Das im Koalitionsvertrag erwähnte National Roaming sieht Chef Höttges als "Kann"-Bestimmung. Wo es Sinn macht, bei Notfällen oder in Eisenbahn- oder U-Bahn-Tunneln wird das heute schon gemacht. Höttges verwahrte sich klar gegen eine generelle Pflicht zum National Roaming, weil dann jeder Netzanbieter auf den anderen schaue und selbst nicht baue.

Stattdessen wünscht sich Höttges eine Marktdifferenzierung anhand der Netz- und Service-Qualität und mit motivierten Mitarbeitern. Wer ein "Stadtnetz zu günstigen Preisen" wolle, könne o2 nehmen, wer hingegen mehr Netzqualität brauche, solle sich für die Telekom entscheiden.

Auf der folgenden Seite gehen wir darauf ein, warum die Telekom weiterhin auf Shops setzt, wie Bots im Netz für den Kunden arbeiten und was konvergente Produkte aus Festnetz und Mobilfunk bringen. Außerdem geben wir wieder, was Telekom-Chef Höttges von einem Zusammenschluss der Kabelanbieter Vodafone und Unitymedia hält.

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