Stabiler

ICE-WLAN: Warum drei Netze besser als eins sind

Die Deutsche Bahn will ICE-Fahrgäste durch stabileres Internet an ihr Reiseangebot binden.
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Die Deutsche Bahn hat Anfang dieser Woche im Rahmen eines Journalisten-Workshops weitere Details zum neuen WLAN im ICE präsentiert. Dieses soll für alle Fahrgäste einen echten Mehrwert bringen. Während wir in einem separaten Artikel bereits auf das grundsätzliche Konzept des Internetangebots eingegangen sind, klären wir nun welche Vorteile die sogenannte Multiprovider-Technologie für die Stabilität des Internetzugangs bringen könnte.

ICE-WLAN: Es werden drei Mobilfunknetze genutztICE-WLAN: Es werden drei Mobilfunknetze genutzt Während die Bahn für ihr WLAN-Angebot in den ICE-Zügen bislang ausschließlich mit der Telekom kooperiert hat, arbeitet der Konzern nun mit allen großen Netzbetreibern zusammen. Die Grundlage dafür: In den umgerüsteten ICEs ist ein Router verbaut, der auf die Multiprovider-Nutzung ausgelegt ist und somit parallel mit unterschiedlichen Netzen kommunizieren kann. Sofern mehr als ein Netz an einem Streckenabschnitt vorhanden ist, werden die bereitgestellten Bandbreiten gebündelt und erhöhen so die verfügbare Netzkapazität im Zug.

Highspeed-Surfen ohne Grenzen also? Nein, der einzelne Nutzer profitiert in Sachen Surf­geschwindigkeit nur bedingt von der Netz­bündelung. Schließlich muss er sich die verfügbare Bandbreite mit den anderen Fahrgästen teilen. Sofern diese mehrere Endgeräte parallel einsetzen, kann von Highspeed-Surfen keine Rede mehr sein. Allerdings möchte die Bahn für Fahrgäste der ersten Klasse eine Bandbreite von über 1 MBit/s bereitstellen, sofern es das Netz hergibt. Nutzer erkennen die neue WLAN-Variante an einem neuen Logo, welches nicht mehr in einem magenta­farben sondern in grauen Look gehalten ist. Wie sich die Situation in der zweiten Klasse darstellt und welche Einschränkungen es nach dem Verbrauch von 200 MB Datenvolumen gibt, haben wir in einer separaten Meldung dargestellt.

Telekom-only adé - die Bahn freut's

Schaubild zeigt Funktionsweise von Multiprovider-Technik beim ICE-WLANSchaubild zeigt Funktionsweise von Multiprovider-Technik beim ICE-WLAN Laut der Bahn hätte das bestehende WLAN-Konzept (Telekom WLAN Hotspots) nicht mehr gereicht, um die Einführung von Gratis-Wifi in der 2. Klasse zu realisieren, die eine Menge zusätzlicher Teilnehmer bedeutet. Und auch sonst war der Bahnkonzern wohl nicht immer vollumfänglich mit dem vorherigen Internetangebot zufrieden: An einigen Stellen während der Präsentation ließ die Bahn durchblicken, dass die Zusammenarbeit mit der Telekom nicht immer zur vollsten Zufriedenheit abgelaufen sei. Vor allem hatte es den Konzern nach eigenem Bekunden gestört, dass man der Telekom-Technik gewissermaßen ausgeliefert war und bei Problemen nicht selbst eingreifen konnte.

Zudem sei das neue Multiproviderkonzept auch aus einem anderen Grund vorteilhaft: So könne nun ohne großen Umrüstungsaufwand - der aus dem Einlegen einer SIM-Karte besteht - auch bei ICE-Fahrten ins Ausland Internet an Bord angeboten werden. Konkret wird die Bahn dazu auf SIM-Karten eines Netzbetreibers vor Ort setzen, um sich Roaming­gebühren zu sparen. Weitere Details zu WLAN International gibt es allerdings noch nicht. Das Angebot wird voraussichtlich ab dem zweiten Halbjahr 2017 auf ICE-Strecken in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, Belgien und Frankreich angeboten.

Weniger Versorgungslücken: Mehr Stabilität durch Mulitiprovider-Technologie

Der Ausbau der Netze an den ICE-Strecken bei den Mobilfunkern ist recht unterschiedlich, wie die Bahn am Beispiel der Strecke Frankfurt/Main - Darmstadt veranschaulichte: Während die Telekom einen Strecken­abschnitt von 1,2 Kilometer nicht abdeckt, weist Vodafone mehr als das zweimal so viel Lücken (2,8 Kilometer) auf. Telefónicas Netz ist insgesamt auf einem Streckenabschnitt von 4,8 Kilometer lückenhaft. Durch die Kombination aller drei Netze wird die Verbindungslücke auf 300 Meter dezimiert, so die Berechnung der Bahn. Im konkreten Fall ergibt sich rechnerisch ein Internet-Verfügbarkeitsvorteil von 900 Metern, wenn man die Telekom-Lücke (1,2 Kilometer) als Grundlage nimmt.

Dieses Beispiel soll sich auf zahlreiche weitere Streckenabschnitte anwenden lassen. Durch die Multiprovidertechnik würde die Bahn eine Halbierung der Versorgungslücken erreichen, die sich durch die Bündelung der drei Netze ergibt. Allerdings werde es wohl weiterhin einige Lücken auf bestimmten Streckenabschnitten geben. Sofern diese allerdings nicht allzu groß sind, würde der Nutzer davon kaum Kenntnis nehmen. Schließlich rast der ICE mit hoher Geschwindigkeit über die Schiene und so sei er rasch wieder in einem Bereich mit Mobilfunkanbindung. Direkt eingreifen kann die Bahn bei schlechter Versorgungslage ohnehin nicht. Schließlich betreibt sie selbst kein eigens Mobilfunknetz.

Ob sich die Bahn-Prognose eines wesentlich stabileren WLAN-Internets allerdings bewahrheitet, muss sich in kommenden Wochen und Monaten allerdings noch zeigen, wenn mehrere ICE-Fahrgäste das System ausprobiert haben.

teltarif.de-Podcast zum neuen ICE-WLAN

In unserem Podcast "Strippenzieher und Tarifdschungel" sind wir in der aktuellen Folge ebenfalls auf die neue WLAN-Technik im ICE eingegangen. Hier können Sie direkt in die Folge reinhören oder als MP3 herunterladen:

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