Mini-Volumina

Editorial: 30 Sekunden bis zur Drossel

o2 kommt den Verbrauchern entgegen und bietet auch kleine Datenvolumina an. Aber passt das mit LTE Max zusammen?
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LTE ist eine tolle Sache: Wenn der Netzbetreiber seine jeweiligen Hausaufgaben gemacht hat, ermöglicht es hohe Download-Geschwindigkeiten, die der von Festnetzanschlüssen auf DSL-Basis fast ebenbürtig sind. Dort, wo das Festnetz nicht so gut ausgebaut ist und der nächste DSLAM weit, bietet ein Hybrid-Anschluss aus DSL (für die "Grundlast", insbesondere stabile Streams) und LTE (für die Spitzenlast, insbesondere schnelle Downloads) sogar deutlich mehr als DSL alleine.

Andererseits: Vielen Nutzern ist LTE zu teuer. Da sie sowieso über einen Festnetzanschluss zu Hause verfügen und auch beim Arbeitgeber das WLAN mitnutzen dürfen, benötigen sie kaum mobile Daten. Schließlich schaut man beim Autofahren auf dem Arbeitsweg keine Videostreams. Die Navigation mit Google Maps funktioniert auch sehr gut mit Offline-Karten. Und für ein paar Textnachrichten und einzelne Photos, die man mit WhatsApp unterwegs versendet, braucht man kein Datenvolumen im Multi-Gigabyte-Bereich.

Für solche Kunden erscheint der ab 10. Juli neu erhältliche Tarif my Prepaid Basic von o2 wie geschaffen: Er kostet nur 2 Euro im Monat, und das Volumen von 150 MB sollte für gelegentliche WhatsApp-Nutzung unterwegs ausreichen.

Drosselung nach Sekunden

LTE max bei o2LTE max bei o2 Aber es stellt sich die Frage, warum der Tarif von o2 mit "LTE Max." geschaltet dieses Feature sogar in der Produktinformation ausdrücklich hervorgehoben wird. Schließlich hat das o2-Netz in der Praxis deutlich mehr gut versorgte Orte, als es medial meist den Eindruck macht. Ein Download-Speed von 40 MBit/s ist nicht selten. Doch benötigt man bei diesem Tempo gerade mal 30 Sekunden, um das komplette Volumen von 150 MB zu verballern. Ein großer unbedachter Download reicht.

Klar sind durch so einen unbedachten Download nur 2 Euro weg, mehr kostet der Vertrag ja nicht im Monat. Wer nur WhatsApp nutzt, kann die Karte sogar evtl. trotz der Drosselung bis zum Abrechnungsmonatsende weitersurfen. Wer hingegen mehr will, um beispielsweise auch weiterhin gelegentlich die Lieblings-Website mobil aufrufen zu können, der kann meines Wissens dann nicht einfach Volumen nachbuchen. Vielmehr muss der Nutzer dann auf eine größere Datenoption wechseln, um einen neuen Abrechnungszeitraum zu starten. Für die größere Datenoption muss er dann die automatische Verlängerung deaktivieren, und sobald die größere Datenoption ausgelaufen ist, kann er dann wieder die originale Option buchen. Das ist alles recht kompliziert - und das wegen eines einmaligen Versehens.

Es wäre technisch sicher möglich, den Mobilfunkkunden netzseitig eine tägliche Datennutzungswarnung anzubieten, die automatisch eine mittlere Drosselung (z.B. 1 MBit/s) aktiviert, wenn an einem einzelnen Tag eine ungewöhnlich hohe Datennutzung auftritt. Zugleich wird eine SMS mit der Warnung an den Nutzer gesendet. Der kann dann per Antwort-SMS entscheiden, ob er die Sicherheitsdrossel für diesen Tag aufheben oder gar dauerhaft abschalten will oder nicht. Eine solche Funktion ist übrigens nicht nur bei kleinen, sondern auch bei großen Datenpaketen# sinnvoll. Schließlich kann es immer vorkommen, dass eine App Amok läuft oder man in Seelenruhe zu Hause YouTube schaut, aber vergessen hat, das WLAN anzuschalten.

Freilich: Ein besonderes Interesse an einer solchen kleinteiligen Warnung haben die Netzbetreiber nicht. Für sie ist es lukrativer, den Kunden Upgrades auf größere Datenpakete zu verkaufen.

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