Datenskandal

Facebook-Skandal: Politikern reicht Zuckerbergs 2. Entschuldigung nicht

Einen Fehler hat Facebook-Chef Mark Zuckerberg schon eingestanden. Der Politik ist das zu wenig - nicht nur die Bundesregierung will genauer wissen, wie es zum Datenskandal um Cambridge Analytica kam.
Von dpa /
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Mark ZuckerbergMark Zuckerberg steht im Kreuzfeuer der Kritik. Deutschland und die EU fordern im Skandal um die unerlaubte Nutzung von Facebook-Nutzerdaten Aufklärung. An diesem Montag empfängt Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) in Berlin Vertreter des sozialen Netzwerks. Auch EU-Justizkommissarin Vera Jourová pochte auf eine Erklärung des US-Unternehmens: "Ich verlange von Facebook weitere Klarstellungen, etwa inwieweit europäische Nutzer betroffen sind", sagte sie der "Bild am Sonntag". Der Missbrauch von Daten von 50 Millionen Facebook-Nutzern durch die Firma Cambridge Analytica im US-Wahlkampf sei "völlig inakzeptabel".

Vor rund einer Woche war bekanntgeworden, dass sich die britische Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica unerlaubt Zugang zu einigen Daten von Millionen Facebook-Profilen verschafft hat. Mithilfe dieser Daten sollen amerikanische Wähler im US-Präsidentschaftswahlkampf zugunsten von Donald Trump gezielt mit unerlaubter Wahlwerbung beeinflusst worden sein.

Cambridge Analytica auch Einfluss auf Brexit-Kampagne?

In Großbritannien gibt es dem Guardian zufolge zudem Hinweise, dass Cambridge Analytica enge Verbindungen zu der kanadischen Datenanalyse-Firma AggregateIQ hatte, die beim Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens eine wichtige Rolle gespielt hat. Die Brexit-Kampagne des heutigen Außenministers Boris Johnson - "Vote Leave" - hat demnach 40 Prozent ihres Budgets in die Arbeit von AggregateIQ gesteckt. Einem ehemaligen Brexit-Wahlkämpfer zufolge soll über eine gesonderte Scheinkampagne sogar noch mehr Geld nach Kanada geflossen sein. Beide Firmen und das Wahlkampfteam bestreiten das allerdings. Auf der AIQ-Webseite hieß es, die Firma sei nie ein Teil von Cambridge Analytica oder deren Muttergesellschaft SCL gewesen.

Im Zusammenhang mit den von Cambridge Analytica erlangten Facebook-Daten ließ die britische Datenschutzbehörde ICO in der Nacht zum Samstag die Londoner Zentrale durchsuchen. Man werde nun Beweise sichern, auswerten und bewerten, bevor Schlüsse gezogen würden, hieß es in einer Mitteilung. Facebook-Gründer und Chef Mark Zuckerberg entschuldigte sich mit ganzseitigen Anzeigen in mehreren Zeitungen: "Wir haben die Verantwortung, Ihre Daten zu schützen. Wenn wir das nicht können, haben wir sie nicht verdient", heißt es dort.

Facebook hatte zuletzt erklärt, Cambridge Analytica habe unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht. Dass die Firma Daten abgegriffen hatte, wusste das weltgrößte Online-Netzwerk seit 2015 - die Firma hatte sich aber mit der Zusicherung zufriedengegeben, dass die Daten gelöscht worden seien. Die Nutzer wurden nicht informiert, was Zuckerberg als Fehler bezeichnete. Er betonte, dass die Software-Schnittstellen, die einer Umfrage-App einen so breiten Zugriff auf Nutzerdaten überhaupt möglich machten, bereits 2014 dichtgemacht worden seien.

Namhafte Unternehmen wenden sich von Facebook ab

Dennoch leidet das Facebook-Image. Erste Unternehmen kehren dem weltgrößten Online-Netzwerk zumindest zeitweise den Rücken - etwa der Elektroauto-Hersteller Tesla und die Raumfahrt-Firma SpaceX des Unternehmers Elon Musk, der sich schon öfter öffentlich mit Zuckerberg gestritten hat. Auch im aktuellen Fall kündigt er auf seiner Twitter-Seite den Rückzug aus dem sozialen Netzwerk an. Des Weiteren Mozilla, der Entwickler des Web-Browsers Firefox, kündigte an, keine Werbung mehr auf Facebook zu platzieren, bis die Firma Datenschutz-Einstellungen verbessere. Das Online-Netzwerk mit über zwei Milliarden Nutzern verdient praktisch sein gesamtes Geld mit Werbeanzeigen.

Im Konkurrenz-Netzwerk Twitter macht seit Tagen der Hashtag "#deletefacebook" ("lösche Facebook") die Runde. Er wurde auch von WhatsApp-Mitgründer Brian Acton aufgegriffen, der seine Messaging-App einst für rund 22 Milliarden Dollar an Facebook verkauft hatte und bis vor kurzem dort auch beschäftigt war.

Ende Mai tritt die neue europäische Datenschutzgrundverordnung in Kraft, die unter anderem eine deutliche Erhöhung von Bußgeldern vorsieht. Das werde eine abschreckende Wirkung haben, sagte die Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff der "Welt am Sonntag". Allerdings könne kein Gesetz Datenmissbrauch komplett verhindern. Diese Ansicht teilt auch EU-Justizkommissarin Jourová. Politiker hätten das "nicht mehr voll und ganz in ihren Händen", sagte sie der ZDF-Sendung "Berlin direkt" vom Sonntag. Internetnutzer müssten mehr darüber nachdenken, was mit ihren Daten passiere.

Amerikanische Unternehmen selten kooperativ

Und doch fordern unter anderen, Politiker von SPD und Grünen schärfere Branchen-Vorgaben. Einen Regelungsbedarf sehen sie insbesondere für das sogenannte Micro-Targeting – eine Methode, bei der mithilfe von Algorithmen gezielt Werbung ausgespielt werden kann. "Datensammlungen und deren Analyse bilden den Kern zahlreicher Geschäftsmodelle und bieten immer individuellere Einblicke in unser Leben", sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. "Deshalb ist es zwingend nötig, das Geschäftsgebaren von Unternehmen wie Facebook genau zu beobachten und - wo nötig - die Nutzer zu schützen." Geboten seien etwa "überprüfbare Transparenzvorgaben", nach denen Algorithmen Daten auswählen und gewichten sowie der Schutz vor Diskriminierung. "Nach den bisherigen Erfahrungen und der häufig mangelhaften Kooperationsbereitschaft von amerikanischen Internetkonzernen und nach den oft wirkungslosen Selbstverpflichtungen stehen für mich auch weitere gesetzliche Regelungen im Raum."

Facebook-Nutzer können mithilfe einiger Tipps ihre Daten selbst besser schützen.

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