Sicherheitsseminar

Datenschutz lernen beim Verschlüsselungskurs

NSA-Schnüffelei führt Nutzer vermehrt zu Crypto-Sessions
Von dpa / Jennifer Buchholz
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Nach den Ent­hüllungen um den US-Geheimdienst NSA haben nicht nur viele Frei­zeit­surfer Sorgen um die Daten­sicher­heit ihrer E-Mails - auch die Fachleute des Chaos Computer Clubs Mainz/Wiesbaden (CCC) sind aufgeschreckt. "Der CCC warnt schon lange vor den Gefahren moderner Kommuni­ka­tions­netze und Daten­ver­arbeitung für die per­sön­lichen Daten von Bürgern", sagt der Sprecher des Vereins, Kevin Bullmann. Der Club sehe sich durch die Ent­hüllungen des US-amerikanischen Whistle­blowers Edward Snowden in seinen Warn­ungen bestätigt.

Des­wegen unter­stützten seine Mitglieder auch die "Crypto-Sessions" des rhein­land-pfälzischen Landes­daten­schützers. Dieser Ver­schlüssel­ungs­kurs soll laut Bullmann "normalen" Computer­nutzern zeigen, wie sie ihre Daten besser sichern können. Rund 50 Teilnehmer sind zu einer der "Crypto-Sessions" ge­kommen, an den stern­förmig an­ge­ordneten Tischen sitzen Frauen wie Männer aus fast allen Alters­gruppen mit ihren Laptops.

Suchmaschinen als Gefahrenquelle

Verschlüsselungsseminare in Rheinland-Pfalz helfen beim DatenschutzVerschlüsselungsseminare in Rheinland-Pfalz helfen beim Datenschutz "Im Internet bleibt nichts folgenlos. Jeder Klick hinter­lässt eine Daten­spur", erklärt Helmut Eiermann von der Landes­daten­schutz­behörde. Er will die Menschen zum Selbst­schutz ermuntern und Ängste nehmen. "Du kannst als Nutzer 'was tun", sagt Eiermann. Im Workshop "Deine Spuren im (digitalen) Sand" wollen die Veranstalter darüber informieren, wer was beobachtet und wie man sich dagegen schützen kann.

Fast jeder, der sich im Internet bewegt, nutzt Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Bing. Die komfortablen Dienste, die so manchen Klick ersparen und in Sekunden­bruch­teilen Ergebnisse liefern, bergen aber auch Ge­fahren. Nicht nur der vieldiskutierte US-Geheimdienst NSA beob­achtet Nutzer bei ihrem Treiben im Internet; sämtliche Anbieter ana­lysieren und proto­kollieren jeden einzel­nen Schritt der Menschen im Netz.

Kursinhalte

Sind meine Daten auf meinem Rechner sicher? Kann man mir beim Surfen über die Schulter schauen und wie kann ich meine E-Mails schützen? Auf solche Fragen wollen die Mitarbeiter des Landes­daten­schutz­beauf­tragten Edgar Wagner Antworten liefern. Die Nachfrage sei sehr groß, sagt Wagner. "Wir bekommen viele Anfragen - auch von Kammern und Verbänden." Bei beiden bisherigen Crypto-Sessions habe es mehr An­meldungen als Plätze gegeben.

Im Seminar zeigen die Experten unter anderem "diskrete Such­maschinen". Bei diesen handele es sich um anonyme Alterna­tiven, die im Gegen­satz zu den gewöhn­lichen Diensten keine Suchanfragen speicherten, erklärt Eiermann. Mit seinem Surf-Verhalten mache sich jeder Nutzer ansonsten wieder­erkenn­bar. Er entwickele mit seinen Vor­lieben und Ein­stellungen einen digitalen Finger­abdruck - eine einzigartige Netz-Identität. Weitere Themen der Fach­leute sind die Verschlüsselung von E-Mails oder der Schutz online ge­speicherter Daten.

Nach Ansicht des Landes­datenschutz­beauftragten liegen die in Australien entstandenen Kurse voll im Trend: "Sie wachsen im Zuge der NSA-Affäre wie Pilze aus dem Boden." Seit Snowdens Ent­hüllungen rund um den US-Geheimdienst sei das Interesse am Datenschutz größer denn je. Die neu aufgekommene Bewegung steht nach seiner Ansicht erst am Anfang ihrer Ent­wicklung. Ende des Jahres sollen die Ab­geordneten des rheinland-pfälzischen Land­tags geschult werden. "Die Verschlüsselung muss zu einer sozialen Norm werden", fordert Wagner.

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