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Editorial: Schufa und Google (un?)vollständig!?

Verbraucherschutzministerin fordert mal mehr, mal weniger Daten

Einen Monat vor der Bundestagswahl beginnt nun doch so etwas wie Wahlkampf. So wird CSU-Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner mit einem Angriff auf die Schufa zitiert, wonach dort fast die Hälfte aller Daten falsch sei. Zwar ist weder das Thema neu noch der Umfang der von Frau Aigner durchgeführten Studie mit 100 Personen überhaupt repräsentativ. Aber, wie schon gesagt, es ist ja zumindest ein bisschen Wahlkampf, und da müssen die Parteien zeigen, dass sie sich für den gemeinen Bürger ins Zeug werfen.

Ein genauerer Blick in die Ergebnisse der Studie zeigt dann auch noch, dass die Ergebnisse aufgebauscht sind. Zwar übermittelte die Schufa bei 45 der abgefragten 100 Testpersonen tatsächlich Daten, die von einer Selbstauskunft der Testpersonen abwichen. Doch bei über der Hälfte der kritisierten 45 Fälle bestand der Fehler lediglich darin, dass ein oder mehrere Konten, Handyverträge, Kreditkarten und/oder Kredite bei der Schufa nicht verzeichnet waren.

Verbraucherschützer loben "Datensparsamkeit"

Von Daten- oder Verbraucherschützern wird eine solche unvollständige Erfassung normalerweise als Datensparsamkeit gelobt, aber im Wahlkampf ist sie plötzlich willkommen, um Sensationsmeldungen über zahlreiche Fehler zu lancieren. Ernsthaft: Wollen wir wirklich, dass die Schufa über alle finanziellen Dinge perfekt bescheid weiß?

Genauso fragwürdig ist es, wenn Aigner die Auskunfteien CEG und Arvato dafür kritisiert, dass diese überhaupt nur wenige Daten hätten. Anscheinend reicht es der Verbraucherschutzministerin nicht, wenn eine Auskunftei sich darauf beschränkt, Problemfälle zu speichern. Also lieber die Datensammelwut à la Schufa? Das ist auch die Logik der immer weiter ausufernden Vorratsdatenspeicherung, aller Missbrauchsgefahr zum Trotz.

Schufa: Ein Dutzend echter Problemfälle

Sieben weitere der 45 kritisierten Schufa-Fehler bei 100 Testpersonen beziehen sich darauf, dass es neben evtl. fehlenden Daten auch Einträge über ehemalige Konten, Kredite oder Handyverträge gab. Dieses ist für den Verbraucher schon kritischer als fehlende Einträge, führt eine Überzahl an Konten und Karten doch in der Regel zur Abwertung des Score. Doch dürfte die Schuld hier weniger bei der Schufa als vielmehr bei deren Vertragspartnern zu suchen sein, die es anscheinend immer wieder vergessen, ihre Kunden nach Vertragsablauf auch wieder austragen zu lassen.

Hier könnte Aigner übrigens aktiv werden: Eine Erweiterung des Bundesdatenschutzgesetzes dahingehend, dass jemand, der Eintragungen über seine Kunden bei Auskunfteien vornimmt, auch für die Aktualisierung und nach Vertragsbeendigung für die Löschung dieser Einträge verantwortlich ist, würde diesem sicher gut tun.

Am Schluss verbleibt ein Dutzend gravierender Fehler in den Schufa-Daten, wo falsche Konten, Handyverträge oder alte Adressen oder gar (in einem Fall) eine falsche Kreditforderung eingetragen war. Die sich daraus ergebende Rate von einem gravierenden Fehler in acht Fällen ist zwar definitiv immer noch zu hoch; sie ist aber bei weitem nicht so spektakulär wie die in den Medien genannte Rate von fast einem Fehler in zwei Fällen!

Aigner ist nicht nur contra, sondern auch pro Datensparsamkeit

In derselben Woche, in der Aigner die Unvollständigkeit der Schufa-Daten zum Skandal aufbauschte, legte sie einem anderen Unternehmen nahe, doch auf freiwilliger Basis auf Vollständigkeit zu verzichten: Google soll soziale Netzwerke nicht durchsuchen. Dabei indiziert Google hier nur Daten, die die Nutzer freiwillig weltweit veröffentlicht haben. Zudem hält sich Google an die Web-Standards zum Ausschluss von Crawlern und Spidern. Somit könnten die Inhaber der sozialen Netzwerke jederzeit selbst Teilbereiche ihrer Site von Google & Co. ausnehmen.

Aber Netzwerke leben nun einmal von der gegenseitigen Vernetzung, und dazu gehört auch die Auffindbarkeit über die Suchmaschinen. Insofern haben sie kein Interesse an der Aussperrung von Google. Und so bleibt es beim alten Tipp: Nutzer sollten sich vorher gut überlegen, was sie unter Klarnamen im Internet veröffentlichen. Wer das nicht tut und sich zum Beispiel als arbeitsscheuer Dauer-Gamer outet, darf sich später nicht wundern, wenn etliche seiner Bewerbungen ins Leere laufen.

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