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Privat war gestern: Wo wir Datenspuren hinterlassen

Ob am Handy, beim Shopping oder im Büro: Überall wird gesammelt
Von Peter Reelfs

Lidl, die Deutsche Bahn oder die Deutsche Telekom: Die Datenskandale häufen sich. Der Schutz persönlicher Daten scheint dieser Tage inflationär an Wert zu verlieren. Hinzu kommt der Drang nach Überwachung. Sei es durch Kameraüberwachung öffentlicher Plätze oder des Supermarktes oder auch das Durchforsten fremder Festplatten mit heimlich eingeschleusten Trojanern (auch Onlinedurchsuchung genannt), die Folge ist immer die Gleiche: Die Privatsphäre wird Stück für Stück beschnitten. Geschieht dies in großem Stil, berichten die Medien intensiv darüber. Symbolbild Datenschutz Die Datensammelwut grassiert
(c) Tomasz Trojanowski - Fotolia.com

Kleinere Einschränkungen des persönlichen, anonymen Raumes sind weniger spektakulär und drängen daher seltener in das Bewusstsein. Dabei ist hier häufig jeder betroffen, nicht nur eine begrenzte Gruppe durchleuchteter Angestellter eines Unternehmens. Denn für jeden Einzelnen wird es heutzutage nahezu unmöglich, den Alltag zu überstehen, ohne Datenspuren zu hinterlassen. Vielerorts verstecken sich Datensammler, mit dem Ziel das Kaufverhalten ihrer Kunden abzulesen, gezielte Werbung zu kreieren und letztendlich dadurch den Gewinn zu steigern. Das mag manchem nach relativ harmlos erscheinen. Doch die hinterlassenen Spuren ermöglichen auch, den Aufenthaltsort einzukreisen, ein Bewegungsprofil zu erstellen und im Extremfall jeden Schritt zu überwachen. Vielem setzt der Gesetzgeber Schranken vor, doch ist das Sammeln der Daten nicht generell verboten und macht so Missbrauch möglich.

Datenleck: Telefon

Wo bleiben denn eigentlich Datenabdrücke genau zurück? Man muss gar nicht aus dem Haus gehen, um Daten von sich preiszugeben. Greift man etwa zum Telefonhörer, sind die Telefongesellschaften durch eine EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung gezwungen, die so genannten Verkehrsdaten zu speichern. Das bedeutet, man kann im Nachhinein ablesen, wer welche Nummer gewählt hat und wie lange das Gespräch dauerte. Telefoniert man über das Internet, verbleibt die IP-Nummer im Speicher. Übermittelt das Telefon die Rufnummer, kann zusätzlich auch der Angerufene die Daten speichern.

Datenleck: Handy

Wer stattdessen zum Handy greift, kann der Kontrolle nicht entgehen. Auch hier dokumentieren die Gesellschaften die genannten Daten und zusätzlich sogar noch die Funkzelle, also den Aufenthaltsort, in dem das Mobiltelefon beim Gespräch eingebucht ist. Auch der Versand von SMS ist davon betroffen. Durch die zusätzliche Speicherung des Ortes lässt sich genau nachvollziehen, wo sich der Telefonierende wann und wie lange aufgehalten hat. Legal ist die Erstellung eines entsprechenden Bewegungsprofils zwar nicht, aber mit staatsanwaltlicher Genehmigung möglich. Mit entsprechender krimineller Energie und Zugang zu den Daten können auch Andere diese entsprechend filtern.

Manchmal ist es aber viel einfacher: Der Telefonierende gibt selbst seine Zustimmung, die eigene Position zu ermitteln und anderen zur Verfügung zu stellen. Dies geschieht etwa zur Notfallrettung bei entsprechend spezialisierten Diensten oder um Freunden mitteilen zu können, wo man sich gerade aufhält. So sollen etwa spontane Treffs möglich sein. Selbst der Suchmaschinengigant Google betätigt sich in diesem Bereich mit dem Service Latitude. Bei diesem Dienst ist keine Dreieckspeilung in einer Mobilfunkzelle nötig, um den Aufenthaltsort zu ermitteln. Diesen gibt der Anwender selbst bekannt, indem er ein Handy mit GPS-Antenne nutzt, welches die Daten an den entsprechenden Server sendet und an registrierte Anwender weiterleitet. Ist das Mobiltelefon in ein WLAN eingebucht, lässt sich auch mithilfe der dort vom Router verwendeten IP-Nummer unter Umständen (sehr grob) der Aufenthaltsort ermitteln. Welche Services es noch gibt, wie diese funktionieren und wie auch dort Datenmissbrauch möglich ist, können Sie in unserem Artikel zur Handy-Ortung nachlesen.

Datenleck "dank" Bluetooth

Handys haben zudem ein mögliches Einfallstor, über das Unbefugte an Daten gelangen können: Bluetooth. Ist der kabellose Kurzstreckenfunk im Telefon aktiviert, können sämtliche Geräte, die ebenfalls Bluetooth unterstützen, im Empfangsradius (zehn Meter), Verbindung zum Handy aufnehmen und heimlich Daten auslesen. Das lässt sich aber glücklicherweise mit einigen Vorsichtsmaßnahmen verhindern. So sollte man Verbindungen immer nur nach ausdrücklicher Bestätigung ermöglichen und nicht automatisch. Ebenfalls sinnvoll: Lassen Sie das Handy nicht seine Position aussenden. Deaktivieren Sie den entsprechenden Eintrag in den Voreinstellungen. Aktivieren Sie Bluetooth nur, wenn Sie es benötigen, und schalten Sie es hinterher wieder ab. Das schont zudem den Akku.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie, wo sie im Alltag sonst noch Spuren hinterlassen, denn die Gelegenheiten sind zahlreich.

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