Buchvorstellung

Datenschatten: Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?

Telepolis-Buch über Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Welt
Von Marie-Anne Winter

Jeder hinterlässt digitale Datenspuren, ob er will oder nicht: Das Mobiltelefon sendet ein Signal an den nächsten Funkmast. Auch beim Einkauf, der mit Kreditkarte bezahlt wird - ganz gleich, ob im Geschäft oder im Internet - legt der Käufer eine Datenspur. Jede SMS erzeugt Daten, deren Verwendung der Erzeuger nicht kontrollieren kann. Die digitalen Spuren folgen jedem wie ein Schatten. Allerdings ist dieser zu fassen und kann nachträglich überprüft, analysiert und bewertet werden. Das jetzt bei Heise erschienene Telepolis-Buch "Datenschatten - Auf dem Weg in die Überwachungsgesellschaft?" zeigt, wie sich die sozialen Beziehungen und Machtverhältnisse angesichts digitaler Daten und Überwachungsmethoden verändern. Buchcover Datenschatten Buchcover Datenschatten
Bild: telepolis.de

Datenspuren sind allgegenwärtig: Überwachungskameras in Supermärkten scannen Mitarbeiter und Kunden, ein eifersüchtiger Facebook-Nutzer, der sich über die neuen Online-"Freunde" seiner Ex-Partnerin ärgert, durch Überwachungssysteme kontrollierte Arbeitnehmer, etwa in Call-Centern. Datenschatten entstehen auch mit elektronischen Patientenakten, die der Überwachung der Patienten, aber auch der Ärzte dienen können, und in der polizeilichen Ermittlertätigkeit bei Online-Durchsuchungen oder der Vorratsdatenspeicherung. Was zunächst "nur" Daten sind, macht Software zu Informationen und der Mensch, sei es nun Arbeitgeber, Polizei, Krankenkasse oder eifersüchtige Partner, macht es schließlich zu Wissen.

Dieser Datenschatten bewirkt Veränderungen in unserem Verhalten. Genau diesen spürt das Buch nach. Es beleuchtet, auf welche Weise die sozialen Beziehungen verändern, welche Verschiebungen es im Machtverhältnis zwischen Staat und Bürger, Polizei und Bevölkerung, im Büro und in der Fabrik, aber in der Familie gibt. An vielen Stellen sind Interviews mit Fachleuten wie einem Arbeitsrechtler, einem Datenschützer oder einem Experten für "Geoslavery" und Betroffenen eingefügt. Dabei wird versucht, nicht nur über mögliche Gefahren, sondern über unberechtigte Befürchtungen und Erwartungen aufzuklären.