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Editorial: Gutes iPad, böses Netbook?

Netzbetreiber verschlimmbessern ihre Datentarife

Das Apple iPad war wohl für o2 Stein des Anstoßes, ihre Datentarife zu ergänzen. Denn zwischen den beiden bereits vor über drei Jahren eingeführten Paketen M (200 MB für 10 Euro monatlich) und L (5 000 MB für 25 Euro monatlich) klaffte seither eine riesige Lücke. Diese füllt nun das Paket M+ mit 1 000 MB für 15 Euro monatlich.

Für iPad-Nutzer ist dieses neue Paket unter dem Namen "o2 blue M" seit Mitte Mai verfügbar. Auch der bisherige "M" (als "o2 blue S") und der "L" (als "o2 blue L") können bei der Neuanmeldung mit einer in das iPad eingelegten Micro-SIM von o2 gewählt werden. Kurz nach der Vorstellung der iPad-Tarife wurde der M+ dann auch für andere Nutzer vorgestellt. Und nochmal kurz später die Einschränkung kommuniziert, dass seit dem 1. Juni abgeschlossene Pakete M und M+ nur noch mit Smartphones verwendet werden dürfen, nicht jedoch mit Datenkarten in Netbook oder Laptop.

Ungünstige AGB bei neuen Daten-Tarifen © artivista - werbeatelier - Fotolia.com Begründet wird dieses Vorgehen mit der schlechten User-Experience, wenn der Nutzer am Netbook beim M bzw. M+ über das 200- bzw. 1000-MB-Limit kommt und sein Tempo dann stark gedrosselt wird. Doch gibt es dasselbe Problem nicht auch beim iPad? Dessen Browser ist kaum langsamer als der eines Netbooks, so dass man die Drosselung auf GPRS-Tempo deutlich spürt. Und der Datenhunger so mancher App wird erst dann so richtig offenbar, wenn das Netz nicht mehr hinterherkommt.

So darf spekuliert werden, dass die offizielle Begründung von o2 nur ein Vorwand ist. Wahrscheinlich befürchtet man intern, dass etliche Laptop-Nutzer, die derzeit noch im "L" unterwegs sind, künftig auf den "M+" downgraden könnten, weil der für ihr mobiles Surfverhalten ausreichend ist. Beim erst seit kurzem erhältlichen iPad ist solcher Umsatzverlust bei Bestandskunden durch Umstellung hingegen nicht zu befürchten. Daher gibt es hier auch keine Einschränkungen.

Hinzu kommt das Problem, wie o2 überhaupt das Endgerät ermitteln will. Gut, bei Surf-Sticks ist das noch einfach anhand der Endgeräte-ID möglich, die beim Einbuchen ins Mobilfunknetz übermittelt wird. Wer aber neudeutsch Tethering mit einem Smartphone macht, wird so nicht erkannt: Beim Samsung Wave ist etwa die Möglichkeit, das Gerät in einen W-LAN-Hotspot-Modus zu schalten, von Haus aus integriert. Bei immer mehr Smartphones kann sie per App nachgerüstet werden. Und "dial up networking" über Bluetooth oder Datenkabel können sowieso fast alle.

Damit sind aber auch die Möglichkeiten von o2 limitiert, ihre neue AGB-Regelung zu sanktionieren. Sie sind somit vor allem ein Papiertiger, aber dennoch geeignet, Neukunden abzuschrecken.

Warum der T-Mobile-Tarif "Laptop Day Pass" eine Kostenfalle im Ausland werden kann und das mobile Internet für die Netzbetreiber ein dickes Minusgeschäft ist, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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