Sicherheit

Daten auf dem Smartphone lassen sich nicht komplett löschen

Datenreste können auf iPhone oder Android-Smartphone verbleiben
Von Lars Sobiraj

Bei Android-Geräten gestaltet sich die Vernichtung der Daten noch viel komplizierter. Hier muss man extra Apps kaufen und die gespeicherten Informationen mit Programmen wie Shreddroid mehrfach mit Nullen überschreiben. Bei Android-Smartphones sei es grundsätzlich empfehlenswert, das Zurücksetzen auf die Werkseinstellungen mehrfach durchzuführen. Einen direkten Zugriff auf die Daten habe man bei Android grundsätzlich nur über die Shell. Dort gibt es aber keine Menüs. Wer in der Eingabezeile etwas bewirken will, muss sich zwingend mit den entsprechenden Kommandos auskennen. Generell gilt: Nur Entwickler und Anwender mit viel Fachwissen können ein Android-Smartphone sicher löschen. Anfänger und reguläre Nutzer sind damit überfordert. Doch egal, welche Methiode verwendet wird: Datenspuren können immer übrig sein - mit der richtigen Software sind diese auch lesbar.

Für Smartphones mit Windows Phone 8 gebe es noch keine verlässlichen Informationen. Wer den Inhalt eines Smartphones untersuchen will, braucht ein offenes System. Die Firmware von Microsoft ist aber komplett verschlossen und verweigert jeden tieferen Einblick. Auch die Forensiker müssen sich noch etwas gedulden. Es dürfte noch ein wenig dauern, bis die ersten Forensik-Tools der üblichen Hersteller für diese Geräte auf dem Markt sind. Die herstellenden Unternehmen können vieles versprechen. Doch nur bei unbegrenztem Zugriff können die IT-Experten mit Sicherheit sagen, ob auf Windows Phones eine dauerhafte Datenlöschung möglich ist.

Evernote protokolliert die Positionen seiner Nutzer

Die Verschlüsselung erfasst nicht alle Daten auf einem iPhone. Die Verschlüsselung erfasst nicht alle Daten auf einem iPhone.
Bild: teltarif.de
Gefährlich seien laut Kurschildgen vor allem Apps wie beispielsweise die des kostenlosen Online-Werkzeugs Evernote. Mit Evernote kann man alleine oder mit mehreren Personen gemeinsam auf Notizen, ganze Texte, PDF-Dateien, Fotos und vieles mehr zugreifen. Im Hintergrund speichert die App von Evernote unbemerkt bei jedem einzelnen Eintrag auch die Geopositionsdaten des Benutzers ab. Auf diese "Funktion" wird in der Software kaum hingewiesen. Selbst in der kostenpflichtigen Version kann man die Übertragung der Geotags nicht abschalten. Für die Funktionalität spielt die Position des Benutzers keine Rolle. Wer das populäre Tool nutzt, teilt dem Software-Entwickler somit jedes Mal mit, wo er sich gerade aufhält.

Der Kunde zahlt immer häufiger mit seinen Daten

Auch die Tatsache, dass das brandneue iOS 7 deutlich mehr Positionsdaten als frühere Firmware-Versionen für die volle Funktionalität benötigt, lässt den Datenwust immer größer werden. Wenn die Hersteller dann auch noch bei der Kontrolle der eigenen Daten alleine lassen, wird es für den Anwender kritisch. Die Lösung liegt quasi auf der Hand. Wer es sich leisten kann, sollte laut Pascal Kurschildgen sein altes Mobiltelefon behalten. Selbst wenn man es innerhalb der Familie weitergibt, ist das keine Garantie dafür, dass die Daten nicht irgendwann später in den Händen von Fremden landen. Lieber das Gerät setzt in der Schublade Staub an, als ein unkalkulierbares Risiko einzugehen, schlägt Kurschildgen vor. Allerdings: Nicht jeder durchschnittliche Käufer eines gebrauchten Smartphones ist in der Lage, Daten aus schwer zugänglichen Speicherbereichen auszulesen.

Man kann es drehen, wie man will. Irgendwie bekommt man das Thema Datenschutz nicht in Einklang mit den modernen Geräten. Nicht nur, dass der Trend generell zu immer mehr Daten geht, die damit angehäuft werden. Auch bedienen sich manche Apps unabhängig vom Betriebssystem still und heimlich und nicht weniger ungeniert bei den sensiblen Daten der Anwender. Offenbar finanzieren immer mehr Anbieter von Gratis-Apps ihre aufwendige Software mit Daten, die sie dem Smartphone oder anderen Apps entnehmen. Kostenlos ist eben nicht gleich umsonst. Auch beim Verkauf des Gerätes wird man leider ausnahmslos alleine gelassen. Wer will schon, dass der nächste Eigentümer mit wenigen Handgriffen in Erfahrung bringen kann, wie das eigene Schlafzimmer und vieles mehr aussieht?

Pascal Kurschildgen bringt es am Ende des Telefonats auf den Punkt: "Wer sein modernes Handy verkauft, verkauft seine Daten mit. So einfach ist das". Einfache Lösungen abseits der Rumpelkammer, der Schublade oder eines Hammers gibt es schlichtweg nicht.

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