Warnung

5G-Frequenzen und Netzausbau: "Jeder Euro ist nur einmal verfügbar"

Zweistellige Milliardenbeträge für 5G-Frequenzen? Telekom-Finanzvorstand Dannenfeldt warnt davor und verweist darauf, dass auch noch Geld für den Netzausbau da sein müsse.
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"Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden""Jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden" Vergangene Woche lehnte sich Bundesverkehrs- und Infrastrukturminister Alexander Dobrindt weit aus dem Fenster: Er ging davon aus, dass die Vergabe der Lizenzen und Frequenzen für die 5G-Netze einen zweistelligen Milliardenbetrag in die Kassen spülen werde. Nach aktuellem Stand ist die Vergabe der Frequenzen für das kommende Jahr vorgesehen. Doch der Telekom-Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt warnte auf Anfrage von teltarif.de vor übertriebenen Erwartungen der Politik, was die finanziellen Möglichkeiten angeht. "Wir können jeden Euro nur einmal ausgeben", so Dannenfeld mit Verweis darauf, dass die 5G-Netze nicht nur Investitionen in die Lizenzen erfordern, sondern auch und vor allem in den Netzausbau. Er lobte dabei den Weitblick der Politik hinsichtlich der künftigen Bedeutung der 5G-Technologie und dass man sich dort wohl eher für einen möglichst schnellen Netzausbau entscheiden werde.

Die Telekom hatte zuletzt in den USA umgerechnet 7,2 Milliarden Euro für Frequenzen ausgegeben. Ob sie so viel Geld auch in Deutschland für die neuen Frequenzen locker machen kann, ist fraglich. Bei der Frequenzvergabe 2015, die als Auktion durchgeführt wurde, kamen am Ende 5,1 Milliarden Euro ins Staatssäckel - allerdings von allen drei Netzbetreibern zusammen. Damals ging es zwar nicht im einen neuen Mobilfunkstandard, dafür aber um die erneute Zuteilung von Frequenzen aus dem so wichtigen 900er- und 1800er-Band, das für GSM genutzt wurde und nun zunehmend auch für LTE eingesetzt wird.

UMTS-Frequenzen gingen 2000 für mehr als 50 Milliarden Euro weg

Klar ist - folgt man der Erwartungshaltung, die Entwickler und Mobilfunker seit mehr als zwei Jahren aufbauen - das 5G mindestens genau so wichtig, wenn nicht noch wichtiger wird als der Ausbau aller bisherigen Mobilfunknetze. Entsprechend hoch ist vermutlich in der Politik auch die Erwartung, mit den Frequenzen Geld zu verdienen. An Summen wie im Jahr 2000, wo mehr als 50 Milliarden Euro für die UMTS-Frequenzen ausgegeben wurden, glaubt allerdings wohl niemand mehr. Dabei sind es genau diese Frequenzen, die jetzt (zu weiten Teilen) wieder unter den Hammer kommen - sofern es denn zu einer Auktion kommt. Denn auch das steht noch nicht fest.

Entsprechend wollte sich Dannenfeldt auf Nachfrage auch nicht weiter zu den Erwartungen der Politik und den Strategien der Telekom äußern. Man warte nun die Ergebnisse des noch laufenden Bedarfsermittlungsverfahrens ab. Allerdings ließ er durchblicken, dass Politik und Regulierung zuletzt bei der LTE-Vergabe auch wichtig gewesen sei, dass die neuen Netze möglichst schnell und möglichst flächendeckend zur Verfügung stehen. Entsprechende Auflagen sind in die Vergabebedingungen gekommen.

Editorial: Droht der nächste Milliardenpoker

Sind zweistellige Milliardenerlöse wirklich realistisch? Und was würden derart hohe Lizenzkosten für die Mobilfunkkunden bedeuten? Lesen Sie dazu unser Editorial vom vergangenen Sonntag.

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