Aus- und Einsteiger

DAB+: Lounge.fm geht, neue Sender kommen

Der Privatsender Lounge.fm verlässt das bundesweite Digitalradio. Ansonsten sieht die Zukunft von DAB+ jedoch rosig aus: Aufgrund einer verstärkten Nachfrage könnte es noch in diesem Jahr die Ausschreibung eines zweiten Bundesmuxxes geben.
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Der aus Österreich stammende Privatsender Lounge.fm kündigt seinen Rückzug von DAB+ im bundesweiten Multiplex an. Im Programm teilt der Sender mit, die Mehrzahl der deutschen Hörer würde den Sender über Internet und App hören. Daher wolle man in Zukunft ausschließlich diesen Verbreitungsweg nutzen. Die durch DAB+ eingesparten Kosten wolle Lounge.fm ins Programm investieren und zusätzliche Webradio-Kanäle starten. Einen Zeitpunkt zum Ausstieg nannte Lounge.fm jedoch nicht.

Dem geplanten Rückzug aus DAB+ war eine Insolvenz der deutschen Tochter voraus gegangen. Auch im sozialen Netzwerk Facebook gibt der Sender zu, dass die Gründe für den Rückzug von DAB+ "vielseitig" seien und "teilweise auch nicht in unserer Macht" stünden. Hintergrund könnte eine Entscheidung der Landesmedienanstalten sein, wonach das Deutschlandradio zusätzliche Kapazitäten (Capacity Units - CU) - wohl die des in Zahlungsprobleme geratenen Lounge.fm - für eine Verbesserung seines Fehlerschutzes bekommt. Damit werden die technischen Aussetzer am Empfangsrand weniger, die Reichweite steigt somit leicht im Indoor- und Mobilbereich. Durch eine solche Lösung kommt der bundesweite Multiplex auch finanziell in ruhigeres Fahrwasser, da sich das Deutschlandradio über Rundfunkgebühren finanziert. Mit einer solchen Grundlage können Privatradios und Deutschlandradio auch wieder mit dem Betreiber Media Broadcast über einen Netzausbau diskutieren. Momentan sei ein solcher aus finanziellen Gründen nicht möglich, heißt es aus Privatsender-Kreisen.

Noch in diesem Jahr Ausschreibung für zweiten Bundesmuxx möglich

lounge.fmSchluss mit Entspannungsmusik: Lounge.fm schaltet auf DAB+ ab. Ansonsten stehen die Zeichen deutlich zugunsten des digital-terrestrischen Radios. Noch in diesem Jahr könnten die Weichen für ein zweites bundesweites Privatradio-Bouquet gestellt werden: "Es gibt mittlerweile belastbare Interessensbekundungen. Ich denke, die Landesmedienanstalten werden noch dieses Jahr ausschreiben", kündigt ein ranghoher Vertreter der Medienanstalten in der Gruppe "Pro DAB+" bei Facebook an. Zu den Interessenten gehören unter anderem der Evangeliumsrundfunk für ein zweites Programm (ERF Pop) sowie das Unternehmen Privates Radio Deutschland (PRD), das mit einer Senderfamilie mit bis zu 15 verschiedenen Spartenprogrammen über Antenne im gesamten Bundesgebiet frei empfangbar sein will.

Neu auf Sendung: mauma.fm und Radio Ilmwelle

Auf regionaler Ebene gibt es bereits Neuzugänge: In Berlin ist mauma.fm [Link entfernt] via DAB+ auf Sendung gegangen. Das vorher nur im Internet verbreitete Programm aus dem fränkischen Fürth will mit einem All Hit Radio-Konzept punkten. Der Sender spielt einen genreübergreifenden Mix von Rock bis Pop, Schlager bis Ballade, Reggae bis Hardrock und vieles mehr für ein breites Zielpublikum im Alter von 10- bis 59. Zusätzlich bietet der Sender Begleitangebote, wie Service und Höreraktionen. Abends werden in Zusammenarbeit mit dem Schwestersender kopfkino.fm auch Hörbücher ausgestrahlt. In Zukunft soll mauma.fm in weiteren Regionen auf DAB+ zu hören sein, unter anderem in Hamburg.

Neu auf Sendung ist auch Radio Ilmwelle, ein Lokalradio für das Gebiet Ingolstadt/Pfaffenhofen/Augsburg, das in Bayern in den regionalen Ensembles Augsburg und Ingolstadt zu hören ist.

Breite Zustimmung zu Digitalradio-Board der Bundesregierung

Das Bundesminsterium Verkehr und digitale Infrastruktur (BMWI) hat unterdessen weitere Details zum geplanten Digitalradio-Board bekannt gegeben. "Der analoge Hörfunk ist ausgereizt: Er kann die Herausforderungen der Zukunft nicht meistern" bilanzierte die Parlamentarische Staatssekretärin Dorothee Bär im Rahmen einer Veranstaltung, die das BMWI anlässlich der Präsentation einer Studie mit dem Titel "Terrestrischer Hörfunk: Zukünftige Entwicklung im Hinblick konkurrierender Übertragungswege" durchführte. Ziel des Boards sei es, ein Ausstiegsszenario aus UKW zu entwerfen sowie digital-terrestrisches Radio und Mobilfunk im Rahmen einer hybriden Lösung sinnvoll zusammenzuführen.

Die rund 90 Teilnehmer waren sich einig: Um das Radio in die Zukunft zu führen ist der Umstieg auf eine digitale Verbreitung notwendig. Karola Wille, die als Intendantin des MDR die Hybridstrategie der ARD erläutert hatte, betonte ebenso die Notwendigkeit eines Umstiegs. Zudem begrüßte die DRD Digitalradio Deutschland GmbH die Entscheidung. "Um das Radio in die Zukunft und den digitalen Umstieg optimal voran zu bringen, ist dieses neue Digitalradio-Board von enormer Bedeutung", so DRD-Geschäftsführer Willi Schreiner. "Zusammen mit allen Marktbeteiligten wollen wir diese Digitalisierung forcieren, deshalb ist es gut, wenn der Bund, die Länder, die ARD, das Deutschlandradio, die privaten Anbieter sowie Handel und Industrie jetzt gemeinsam diesen Umstieg besprechen und vorbereiten", so Willi Schreiner.

Die DRD sieht vor allem auch positiv, dass durch diese Initiative die Stärken der beiden Infrastruktursysteme Mobilfunk und Rundfunk konsequent verknüpft werden können.

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