Digitalradio

Der zweite Bundesmux als weitere Killer-Applikation für DAB+

Im geplanten zweiten bundesweiten Multiplex sieht Thomas Wächter vom Netzbetreiber Media Broadcast ein weiteres Element, um DAB+ endgültig zum Durchbruch zu verhelfen. Wir haben uns mit ihm auf der Anga Com unterhalten.
Von der Anga Com in Köln berichtet
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Thomas WächterThomas Wächter Der zweite bundesweite Multiplex soll mit zusätzlichen Spartenangeboten dem terrestrischen Digitalradio DAB+ weiter zum Durchbruch verhelfen. Es gebe noch viele attraktive Nischenformate, die bisher bei DAB+ nicht abgedeckt wären, sagt Thomas Wächter, Leiter Digital Broadcast Technology beim Netzbetreiber Media Broadcast, im Gespräch mit teltarif.de auf der Anga Com. Media Broadcast werde zwar nicht offizieller Partner des Konsortiums um den Leipziger Immobilien-König Steffen Göpel, wolle aber das Sendernetz betreiben. Das Unternehmen sei in der Lage, binnen weniger Monate bis zu 60 Sender aufzubauen und käme damit dem Wunsch Göpels, schon zum Start mit einer breiten Netzabdeckung aus 60 bis 80 Sendeanlagen loszulegen, entgegen.

Starkes Signal in Richtung Automobilindustrie

Der zweite bundesweite Multiplex sei vor allem ein starkes Signal in Richtung Automobilindustrie. Schon heute sei DAB+ vor allem in höherpreisigen Modellen serienmäßig mit dabei, Wächter hofft darauf, dass die Autobauer das digitale Radio künftig auch in der Unter- und Mittelklasse als Standard integrieren. Technisch würde Media Broadcast das zweite Bouquet gerne auf dem bundesweit einheitlichen Kanal 5A ausstrahlen. Problem sei aber immer noch, dass diese Frequenz dicht neben denen des analogen Polizeifunks liegt und diesen stört. Eigentlich sollten Polizei und andere sicherheitsrelevante Organisationen längst digital funken, so wie ihre Kollegen in vielen anderen europäischen Ländern. Bisher sei der Wechsel aber immer noch nicht erfolgt, so Wächter.

Ein Alternativkonzept für den zweiten Multiplex sehe nun fünf in ganz Deutschland verteilte Kanäle vor. Dieses Szenario hätte den Charme, dass man Programme auch regional auseinanderschalten könne, was dem Werbezeitenverkauf zugutekäme, meint Wächter. Die Erfahrungen mit dem ersten Multiplex zeigten aber, welch große Vorteile ein Gleichwellennetz mit einem bundesweit einheitlichen Kanal hätte. Daher favorisiere man diese Lösung.

Um ausgeschriebene 64 CUs (Capacity Units) im ersten Bundesmux hat sich Media Broadcast selbst beworben. Laut Wächter würden diese im Falle eines Zuschlages an zwei Hörfunkprogramme untervermietet, dabei handele es sich wahrscheinlich um zwei Programmanbieter, die sich auch alleine auf die Kapazitäten beworben hätten. Eine solche Plattformlizenzierung hätte den Vorteil, dass der Netzbetreiber im Falle eines Rückzugs einer der Programmanbieter die Kapazitäten unbürokratisch ohne langwieriges Ausschreibungsverfahren neu vermieten könnte. Ende Juni wolle die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Landesmedienanstalten (ZAK) voraussichtlich über die Vergabe entscheiden.

Netz- und Plattformausbau

Auch regional wolle Media Broadcast das DAB+-Angebot weiter ausbauen: Die Berliner Plattform sei bereits ausgebucht, in Hamburg würden in Kürze ein Touristenradio von der Insel Sylt und der Gay-Sender lulu.fm das Angebot bereichern.

Wächter kündigte außerdem einen Ausbau des ersten bundesweiten Multiplexes von Ende Juni bis Ende September an. Vor allem in Bayern werde das Netz durch die Sendeanlagen Brotjacklriegel, Pfaffenberg, Bamberg, Büttelberg, Landshut, Hirschau und Kreuzberg massiv erweitert, hinzu kämen weitere Sendeanlagen, unter anderem in Münster.

Wächter bezog auch Stellung zur aktuellen Diskussion um die Zukunft von DAB+, die unter anderem in großen Printmedien wie der FAZ oder der "Welt" geführt wird: "Diejenigen, die sich 2011 sicher waren, dass DAB+ scheitert, merken jetzt so langsam, dass es doch nicht scheitert". Es gehe bei der Diskussion um das Thema Marktanteile, vor allem die UKW-Platzhirsche fürchten Konkurrenz durch zu viele neue Angebote auf DAB+ und versuchten immer noch, die Technologie wieder zu stoppen. Der Zug sei aber angerollt und nicht mehr zu stoppen, es gebe auch im Handel immer weniger Anfragen nach reinen UKW-Geräten.

Kein Druck beim Thema UKW-Abschaltung

Wächter bezieht aber auch eindeutig Stellung zum Thema analoge Abschaltung: "Sollen diejenigen, die heute mit UKW glücklich sind, auch 2030 oder 2035 noch auf UKW senden dürfen". Da kein anderer Bedarfsträger die UKW-Frequenzen benötigt, bestehe in dieser Hinsicht kein Druck. Für die ARD und Deutschlandradio mache ein Technologiewechsel auf DAB+ jedoch alleine wegen des großen Einsparpotentials beim Sendernetzbetrieb Sinn.

Einen Kritikpunkt sieht Wächter schließlich noch: "Die Themen Kommunikation und Marketing sind nach wie vor unbefriedigend". Dies unterstreichen Untersuchungen, wonach immer noch viele Bundesbürger von DAB+ noch nie etwas gehört haben. Wer aber schon ein Gerät besitze, sei damit zumeist hochzufrieden. Wächter hegt in diesem Punkt Hoffnungen auf ein neues Projektbüro, das beim Deutschlandradio angesiedelt werden soll. Allerdings müsste dieses auch finanziell gut ausgestattet sein, damit Marketingaktivitäten und Kommunikation Wirkung zeigen können.

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