Überblick

Das bietet das Digitalradio DAB+ in Österreich

Seit dem 28. Mai 2015 ist das digital-terrestrische Digitalradio auch im Österreich angekommen. Wir liefern eine Übersicht über das Programmangebot und geben einen Ausblick, wie es in den kommenden Jahren weitergeht.
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Im Äther: Digitalradio in ÖsterreichIm Äther: Digitalradio DAB+ in Österreich Planmäßig am 28. Mai um 12 Uhr ist der Startschuss für DAB+ in Österreich gefallen. Zunächst nur im Großraum Wien kommen Radiohörer in den Genuss von 15 digital verbreiteten Hörfunkprogrammen, die im Rahmen eines zunächst bis zum 1. April 2016 befristeten Pilotprojekts im Digitalstandard übertragen werden.

Neue Formate und Innovationen

Das Wiener Programmangebot kann sich sehen lassen und liefert zum Teil Innovationen und Formate, die es im benachbarten Deutschland noch nicht gibt: So startete das österreichische ADAC-Pendant ARBÖ ein Verkehrsradio mit Mobilitätsthemen und Verkehrsinformationen, das von Rock- und Popmusik abgerundet wird. Radio Technikum ist ein Spartenradio zu den Themen Wissenschaft und Bildung, bei SoundTraxx Radio stehen ausschließlich Filmmusiken auf der Playlist. Radio Allelon ist das erste Radio in deutscher und rumänischer Sprache, das auch terrestrisch übertragen wird und sich vor allem um das Thema Integration bemühen will.

Der Veranstalter Radio Arabella hat zwei Ableger in den terrestrischen Wiener Äther gebracht: Den Rocksender Arabella Rock und die Schlager- und Oldiewelle Radio Melodie. Die Herold Business Data GmbH ist mit Herold Relax gestartet, einem österreichischen Soft Pop-Pendant des deutschen Privatsenders Absolut Relax.

Auch alte Bekannte mit am Start

Doch es gibt auch alte Bekannte im Bouquet: Etwa Mega Radio, das sein in Bayern, Hessen und Berlin verbreitetes Pop- und Informationsprogramm nun auch in den Wiener Äther bringt. Oder den Evangeliumsrundfunk, der neben dem auch aus Deutschland bekannten Sender "ERF Plus" auch sein Internetradio "now radio" für Jugendliche über DAB+ verbreitet.

Aus dem Wiener UKW-Äther bekannt sind bereits die Radioprogramme Energy und Radio Stephansdom (künftig: Radio Klassik). Ferner gibt es Sender, die ihre Programme schon in anderen Regionen Österreichs über UKW ausstrahlen, aber nicht in Wien. Etwa Welle1, das diverse Jugendradios in Salzburg, Tirol, der Steiermark und Kärnten betreibt. Oder das katholische Radio Maria. Mit dabei ist auch Lounge.fm, das nach dem Rückzug aus dem deutschen Äther nun über DAB+ in Wien zu hören ist.

Nicht mit dabei ist der öffentlich-rechtliche ORF, der das terrestrische Digitalradio skeptisch sieht und bereits vor dem Start seinen Rückzug aus der Terrestrik erklärt hat. Ebenso vor dem Start zurückgezogen haben sich die großen Privatradiounternehmen Kronehit, Styria, Life Radio und Antenne Vorarlberg. Zwei Sendeplätze sind im Bouquet noch verfügbar.

Erprobung auf zwei Kanälen

Der Sendernetzbetreiber ORS verweist darauf, dass es sich in Wien um keinen Regelbetrieb handelt. Daher könne es zu zeitweisen Abschaltungen und Störungen der Services kommen. Ein Bestandteil des Testszenarios ist auch Möglichkeit, die beiden Standorte in Liesing und am DC-Tower wahlweise im Gleichwellennetz (SFN = Single Frequency Network) zu betreiben, oder mit unterschiedlichen Frequenzen, um die dazu notwendigen Empfängerfunktionalitäten auszutesten. Momentan senden die beiden Standorte im Kanal 11D, einer der beiden wird in Kürze temporär auf den Frequenzblock 12B wechseln.

Offizieller Start erst 2017

Mittlerweile gibt es auch schon ein Szenario, wie es nach dem 1. April 2016 mit DAB+ in Österreich weitergehen soll. Die Medienbehörde RTR will einen Regelbetrieb mit DAB+ ab 2017 ausschreiben, sofern ausreichend Veranstalter-Interesse besteht und der Sendebetrieb finanzierbar ist. Bis zu einem Start dieses Regelbetriebs kann die Medienbehörde die Zulassungen in Wien einmalig verlängern. Somit gäbe es keine Unterbrechung des Sendebetriebs.

Kommt es zu einem Regelbetrieb, soll das Sendegebiet sukzessive wachsen: In einem ersten Schritt sollen zusätzliche Sendestandorte im Großraum Wien den Zugang zum Digitalradio auch für Pendler ermöglichen. In einem nächsten Schritt sollen die Landeshauptstädte Bregenz, Innsbruck, Salzburg, Linz, Sankt Pölten, Graz, Klagenfurt und Eisenstadt das digital-terrestrische Radio empfangen. Danach sollen die wichtigsten Autobahnen und Fernstraßen, welche die Hauptstädte miteinander verbinden, versorgt werden. In einem letzten Schritt wird das Sendernetz bis zur Flächendeckung erweitert. Neben zwei bundesweiten stehen auch viele regionale Bedeckungen zur Verfügung.

Österreichische Radios ab 2017 auch in Süddeutschland hörbar

In Süddeutschland könnte man das Digitalradio aus der Alpenrepublik erstmals in einem Zeitrahmen Ende 2017/Anfang 2018 hören, wenn die Sendestandorte Pfänder bei Bregenz sowie Gaisberg oder Untersberg bei Salzburg ans Netz gehen. Außerdem arbeiten mehrere Akteure an weiteren Projekten. So haben die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt Südtirol (RAS) und der Bayerische Rundfunk (BR) bereits ein grenzüberschreitendes Digitalradio-Bouquet mit Hörfunkprogrammen aus Deutschland, Österreich und Italien entlang der Inntal- und Brennerautobahn in Tirol angeregt.

Zunächst müssen die neuen Programmanbieter in Wien jedoch die Leistungsfähigkeit von DAB+ unter Beweis stellen. Wie schwierig das ist, zeigt das benachbarte Deutschland, wo man auch nach vier Jahren Digitalradio im Standard DAB+ noch nicht von einem Durchbruch sprechen kann – obwohl die Verkaufszahlen von Digitalradios stetig steigen. In jedem Fall gibt es nun mit Österreich einen weißen Fleck weniger auf der Digitalradio-Landkarte in Europa.

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