Steigende Nutzerzahlen

Mehr als fünf Millionen Deutsche hören inzwischen Digitalradio über DAB+

Positive Nachrichten für die Verfechter des Digitalradio (DAB/DAB+): Laut Digitali­sierungs­bericht hören inzwischen über fünf Millionen Bundesbürger Hörfunkprogramme über die Radiotechnologie. Auch der Netzausbau beim bundesweiten Multiplex geht nach einer Einigung der Marktakteure weiter. Doch auch Internetradio ist weiter im Aufwind, während die UKW-Nutzung erstmals zurück geht.

Digitalradios mit DAB+ finden immer mehr Käufer. Digitalradios mit DAB+ finden immer mehr Käufer.
Bild: Alan Electronics
Das Digitalradio (DAB/DAB+) ist der große Gewinner im aktuellen Digitalisierungsbericht des Marktforschungsinstituts TNS Infratest im Auftrag der Landesmedienanstalten. Demnach gibt es rund zwei Millionen Nutzer des digitalen Radios mehr als im Vorjahr (2013: 3,40 Millionen, 2014: 5,39 Millionen). Auch die Anzahl der Geräte in den Hasushalten ist von 2,7 Millionen in 2013 auf 4,9 Millionen in 2014 gestiegen. Damit wurden binnen eines Jahres alleine über deutsche Läden und Online-Shops rund 2,2 Millionen Digitalradios abgesetzt. In Fahrzeugen hat sich die Nutzung von DAB/DAB+ sogar mehr als verdoppelt, inzwischen wird das digital-terrestrische Radio in rund 1,2 Millionen Fahrzeugen in Deutschland gehört.

Allerdings sind die Zahlen beim Digitalradio immer noch gering im Vergleich zum analogen UKW-Hörfunk. Während 93,5 Prozent der befragten Haushalte mindestens ein UKW-Radio besitzen, steht nur in 7,5 Prozent ein Radio mit DAB+. Allerdings bedeutet dies ein Anstieg um 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit ist DAB/DAB+ der am stärksten wachsende Verbreitungsweg bei der Radionutzung.

Auch Internetradio wächst weiter

Digitalradios mit DAB+ finden immer mehr Käufer. Digitalradios mit DAB+ finden immer mehr Käufer.
Bild: Alan Electronics
Zulegen konnten auch WLAN-Internetradios: 5,6 Prozent der Haushalte nutzen inzwischen ein IP-Radio zum Empfang der über 20 000 weltweiten Radiosender. Das sind 65 Prozent mehr als im Vorjahr (3,4 Prozent). Insgesamt stehen nun 1,92 Millionen Internetradios in deutschen Haushalten.

Bei der Radionutzung ist das Internetradio der größte Gewinner. 29,8 Prozent der befragten Personen nutzt auch diesen Verbreitungsweg, das sind 2,3 Millionen mehr als im Vorjahr. Doch auch hier gibt es große Gewinne bei DAB/DAB+: So geben jetzt 7,7 Prozent der Personen an auch diesen Verbreitungsweg zu nutzen, das sind zwei Millionen mehr als im Vorjahr.

UKW verliert vor allem bei jüngeren Hörern

Bei der meist genutzten Empfangsart verliert das klassische UKW-Radio, wenn auch auf hohem Niveau. War UKW in 2013 noch für 78,6 Prozent der dominierende Verbreitungsweg, sank die Zahl in 2014 auf 75,1 Prozent. Auch hier legten Internetradio (von 6,2 auf 9 Prozent) und DAB/DAB+ (von 0,5 auf 1,1 Prozent) zu. Deutlich verloren hat UKW vor allem bei jüngeren Nutzern und welchen mittleren Alters: Während die 14- bis 29-jährigen hier eher auf Internetradio umgestiegen sind, konnte DAB/DAB+ vor allem bei 30- bis 39-jährigen zu Lasten der klassischen UKW-Verbreitung zulegen.

Netzausbau beim bundesweiten DAB-Multiplex beschlossen

Beim Verbreitungsweg DAB/DAB+ gilt noch zu bedenken, das aktuell erst rund 90 Prozent der Haushalte Digitalradio-Programme empfangen können, beim bundesweiten Multiplex sind es erst 59 Prozent portabel indoor. Wie teltarif.de von einem Verhandlungsteilnehmer erfuhr, gebe es jedoch inzwischen eine Einigung auf einen Netzausbau. Noch in diesem Jahr soll der bundesweite Multiplex (Kanal 5C) an den Standorten Jena, Lobenstein und Oschatz starten, Anfang 2015 folgen der Brocken im Harz und der Standort Wittenberg. Der Netzausbau in Mitteldeutschland steht allerdings noch unter Gremienvorbehalt seitens des Deutschlandradios. Die endgültige Entscheidung, die eine Formsache sein dürfte, wird bis Ende September erwartet.

Bezüglich des weiteren Netzausbaues gibt es eine stabile Einigung über mögliche weitere Schritte zwischen Netzbetreiber Media Broadcast, dem Deutschlandradio und Privatradios. Das Ziel ist eine ungefähre Verdoppelung der Senderanzahl gegenüber heute auf über 110 Standorte in einem Zeitfenster von gut zwei Jahren. Damit käme der "Bundesmuxx" einer Flächenversorgung nahe.

Ein Teil der Privatsender möchte jedoch vor endgültigen Verträgen mit dem Netzbetreiber Media Broadcast abwarten, wie sich die ARD und die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Landesrundfunkanstalten (KEF) verständigen. Wie berichtet hat die KEF der ARD Bedingungen gestellt, um in der nächsten Gebührenperiode weiter zweckgebundene Mittel für DAB+ aus dem Rundfunkbeitrag freizugeben. Bis Mitte 2015 sollen die ARD-Anstalten unter anderem ein UKW-Abschaltdatum präsentieren, eine Entscheidung der KEF wird dann für Anfang 2016 erwartet. Erst nach einer Einigung zwischen ARD und KEF könnte dann die massive Ausbaurunde beim bundesweiten Multiplex mit über 50 weiteren Sendestandorten beginnen.

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