DAB+

Rheinland-Pfalz will analogen UKW-Radios den Garaus machen

Fünf Jahre nach der Einführung von DAB+ kaufen die Deutschen nach wie vor noch massenhaft analoge Radios mit UKW. Eine Initiative aus Rheinland-Pfalz soll damit jetzt Schluss machen: Jedes Radio soll verpflichtend den Digital­funk an Bord haben.
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DAB+ Radio im Retro-Design steht auch einem Holztisch.So wie viele setzen auch die DAB+ Radios von View Quest auf ein Retro-Design Im vergangenen Jahr wurden noch sechs Millionen rein analoge UKW-Radios verkauft. Dagegen gingen nur 950 000 Geräte mit Digital­radio DAB+ über die Laden­theke. Für dieses Jahr rechnet der Handel zwar erstmals mit über einer Million verkauften DAB+-Radios, trotzdem dürften rein analoge Modelle wieder deutlich die Mehrheit ausmachen.

Das Bundes­land Rheinland-Pfalz hat davon jetzt genug und will eine Initiative zum Digitalradio starten. DAB+ biete mehr Radio­vielfalt und sei nebenbei auch kosten­günstiger, sagte die rheinland-pfälzische Minister­präsidentin Malu Dreyer anlässlich des Digital­radio­tages der ARD-Anstalten im Südwestrundfunk (SWR). Dreyer ist zugleich Vorsitzende der Rundfunk­kommission der Länder. Die SPD-Politikerin ist zuversichtlich, dass Bund, Länder und Industrie einen Konsens darüber erzielen, um DAB+ weiter zu befördern. Grundsätzlich sei man sich einig, es gehe nur noch darum, wie.

Das Radio dürfte mit einer solchen Initiative dem Fernsehen folgen: Bereits seit 1997 ist in dem so genannten Fernsehsignalübertragungs-Gesetz (§ 5 FÜG) geregelt, dass ein TV-Gerät digitale Singale, zumindest den terrestrischen DVB-T/DVB-T2-Standard, verarbeiten können muss. Seither dürfen keine rein analogen TV-Geräte mehr auf dem deutschen Markt angeboten werden. Heute ist – bis auf den Verbreitungsweg Kabel – die Fernseh­nutzung ausschließlich digital.

Malu Dreyer: DAB+ ist besser und soll daher Pflicht werden

Dreyer kündigte im SWR an, dass Rheinland-Pfalz im September eine Initiative starten werde, um den Verkauf von DAB+-fähigen Radio­geräten anzukurbeln. Die Hersteller von Radio­geräten sollen verpflichtet werden, dass diese Geräte auch digitale Signale empfangen können. Es sollen also nur noch Geräte auf den Markt kommen, die neben UKW auch DAB+ an Bord haben. Der Digital­funk eröffne neue Perspektiven für ein altes, vertrautes Medium, sagt Dreyer: "Ich erwarte natürlich, dass wir dadurch eine bessere Hörfunk-Versorgung für die Bürger und Bürgerinnen erreichen. Auch niedrigere Verbreitungs­kosten und ein vielfältigeres Programm­angebot mit wertvollen Zusatz­diensten, die leicht nutzbar sind - also eigentlich alle Vorteile der digitalen Übertragungs­technik."

Daher seien die Bundes­länder der Auf­fassung, dass es wichtig ist, diese Technik auch voranzutreiben. DAB+ sei nach Ansicht von Dreyer auch notwendig, weil es die Zukunft des Radios als eigenständiges Medium in der digitalen Welt sichere. Die Hörer hätten es selbst in der Hand, sich von den Vorteilen des Digitalradios überzeugen zu lassen. Radio erreiche die unterschiedlichsten Zielgruppen und habe nach wie vor eine sehr große Ausstrahlungs­kraft, meint die rheinland-pfälzische Regierungs­chefin laut dem SWR.

Zuhörer noch nicht überzeugt von Technikumstieg auf DAB+

Im Rahmen des Digitalradiotages machten die ARD-Anstalten und das Deutschlandradio am Montag bundesweit in den Radio- und Fernseh­programmen auf die Vorteile von DAB+ aufmerksam – rauschfreier Empfang, größeres Programm­angebot, Zusatz­informationen in Text und Bild, ein besserer Verkehrs­service und vieles mehr. Bei den Zuhörern stieß das alles aber nicht nur auf Begeisterung. Viele zeigten im Internet in Reaktionen ihren Unmut über einen möglichen Technik-Wechsel beim Radio. Die Argumente pro DAB+ überzeugen viele nicht. Wer ein UKW-Programm ohne Probleme empfängt und damit zufrieden ist, fragt sich, warum er neue Radios kaufen soll.

Unterdessen wies ein Geschäfts­führer eines Privat­radio­senders, der sein Programm über DAB+ verbreitet, in einer Facebook-Gruppe darauf hin, dass viele seiner Hörer gar nicht wissen, dass sie digital-terrestrisch hören. Das sei beispielsweise der Fall, wenn DAB+ bereits serienmäßig ab Werk im Fahr­zeug verbaut ist oder der Konsument einfach ein neues Küchen­radio gekauft hat und dieses zufällig DAB+ an Bord hat.

Handelsverpflichtung fair gegenüber allen Programmveranstaltern

Alles in allem spricht - trotz Bedenken aus der Bevölkerung - vieles für eine Handels­verpflichtung. Wenn jedes Radio DAB+ an Bord haben muss, werden die Digitalradio-Chips bei hohen Abnahme­mengen noch günstiger, die Preise für Radio­modelle steigen also nicht, bieten dafür aber einen deutlichen Mehr­wert. Schon heute kosten Einstiegs­modelle mit DAB+ kaum mehr als rein analoge UKW-Radios. Bei kleinen Koffer­radios beträgt der Auf­preis oft nur 10, bei größeren Anlagen zwischen 30 und 50 Euro. Nur die Fahrzeug­bauer verlangen bei Werks­modellen zum Teil horrende Auf­preise für DAB+ von bis zu 1 000 Euro.

Eine Verpflichtung für DAB+ wäre auch fair gegenüber allen Programm­veranstaltern, die aufgrund von Frequenzmangel keine UKW-Frequenzen besitzen und digital-terrestrisch senden müssen. Sie erhalten damit potenziell eine deutlich höhere Reich­weite. Darüber ärgern dürften sich nur die UKW-"Platzhirsche", die DAB+ oft ablehnen: Sie werden es aufgrund der größeren Konkurrenz künftig schwerer haben. Nur darauf Rücksicht zu legen wäre aber ein fatales Zeichen: Der Konsument profitiert in jedem Fall von einem Radio, das auch DAB+ an Bord hat. Und wer weiter nur seinen Lokal­radio­sender hören möchte, kann das mit jedem Digital­radio weiter tun, denn ein UKW-Empfangsteil haben alle DAB+-tauglichen Modelle weiter an Bord.

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