Bervölkerungswarnung

So lief der Warntag über Digitalradio DAB+

Am heutigen bundes­weiten Warntag wurde getestet, was bei der Flut­kata­strophe im Ahrtal nicht funk­tio­niert hat: Alarm zu geben, wenn Gefahr droht. Das digital-terrestri­sche Radio DAB+ ist seit 2020 Teil des Warn­sys­tems MoWaS und wurde einge­bunden. Wir erklären, ob das funk­tio­niert hat und was noch zu tun ist.

Am heutigen Warntag wurde erst­mals die Bevöl­kerungs­war­nung auch in breitem Rahmen über das Digi­tal­radio DAB+ getestet. Ensem­bles, die zum Warntag eine Test­war­nung aussen­deten, waren zum Beispiel der erste bundes­weite Multi­plex (Kanal 5C) oder in Bayern der Test­kanal 10D (Sender Wendelstein und Büttel­berg).

Ernüch­ternd: Kein Radio schal­tete auf den DLF um

Bisher verfügen nur wenige Radio­modelle nativ über die Funk­tion EWF (Emer­geny Warning Func­tio­nality). Zusätz­lich zur Ton-Signa­lisie­rung und Sprach­durch­sage wird das Warn­system hierbei dazu ertüch­tigt, Empfänger aus dem Standby-Modus zu akti­vieren. Auf der IFA wurden zwei Modelle des Herstel­lers Tele­star vorge­stellt. Nach den ersten beiden Mono-Radios DIRA M 1 A und M 1 A mobil folgt jetzt auch ein Stereo-Digi­tal­radio in der Ober­klasse. Warnung über Slideshow beim Deutschlandfunk Warnung über Slideshow beim Deutschlandfunk
Foto: Michael Fuhr/teltarif.de
Ein uns bekannter Digi­tal­radio-Netz­betreiber hatte die Funk­tion bereits einige Tage zuvor vorab in einem Test-Ensemble auspro­biert - und zu seiner Über­raschung schal­teten immerhin drei weitere portable und statio­näre Radio-Modelle auf den Warn­kanal um, obwohl diese nativ die EWF-Funk­tion nicht einge­baut haben. Offenbar sind mehr Modelle als bisher ange­nommen in der Lage, eine Umschal­tung von einem Programm auf einen Warn­kanal vorzu­nehmen, zumin­dest wenn ein Programm aus dem glei­chen Ensemble einge­schaltet ist.

Im bundes­weiten DAB+-Multi­plex gilt der Deutsch­land­funk (DLF) als Warn­kanal. Unsere Hoff­nung war, dass zumin­dest top-aktu­elle Digi­tal­radio-Geräte eine Umschal­tung vornehmen. So haben wir zehn Radio­modelle kurz vor der amtli­chen Warnung um 11 Uhr mit dem privaten Programm "Absolut Relax", das im glei­chen Multi­plex verbreitet wird, einge­schaltet und ein weiteres mit dem Deutsch­land­funk.

Tatsäch­lich wurden im DLF gegen 11:02 Uhr die Nach­richten für die amtliche Warn­mel­dung unter­bro­chen. Diese Warnung lief auch in den Schwes­ter­kanälen Deutsch­land­funk Kultur und Deutsch­land­funk Nova. Zeit­gleich wurden Text­nach­richten und eine Slide­show akti­viert, sodass die Warn­mel­dung auch optisch sichtbar war. Aber: Kein einziges unserer Geräte schal­tete von Absolut Relax auf den DLF um, sie verharrten auf dem Programm des Privat­sen­ders.

Umschal­tung mit Auto­radio und in anderen Ensem­bles hat funk­tio­niert

Wir hatten auch einen Bekannten beauf­tragt, die Warnung im Auto­radio auszu­testen. Auch er hörte das Programm Absolut Relax. Hier funk­tio­nierte die Bevöl­kerungs­war­nung offenbar besser. Gegen 11:02 Uhr gab es auf dem Display des Radios einen Hinweis "Alarm DLF" und das Radio wech­selte selb­ständig auf die Warn­mel­dung im Deutsch­land­funk, ehe zwei Minuten später wieder zurück auf Absolut Relax geschaltet wurde. Alarm-Test in Baden-Württemberg Alarm-Test in Baden-Württemberg
Foto: Regionalradio BW
Am Warntag betei­ligten sich neben dem Deutsch­land­funk auch weitere Netz­betreiber. Um den Ernst­fall zu testen, wurde heute etwa im baye­rischen Test­kanal im Netz 10D der Bayern Digital Radio GmbH probe­weise eine reale Warn­mel­dung abge­setzt. Alle DAB+-Geräte mit Warn­funk­tion im Sende­gebiet – also im west­lichen Mittel­franken und südöst­lichen Ober­bayern – konnten den Test empfangen. Und anders als bei der Warnung im bundes­weiten Multi­plex gelang die Umschal­tung auf den Warn­kanal nicht nur mit Auto­radios, sondern auch einigen statio­nären Radio­modellen ohne native EWF-Funk­tion. Das zumin­dest schil­derten Beob­achter im Sende­gebiet.

"Test-Alarm" oder "scharfer Alarm"

Ähnli­ches meldeten Radio­hörer, die den Test des Netz­betrei­bers "Regio­nal­radio BW" im Norden von Baden-Würt­tem­berg (Kanal 12B) empfangen haben. Am Warntag betei­ligten sich zudem das Unter­nehmen Milling Broad­cast mit den lokalen DAB+-Ensem­bles in Bad Kreuz­nach und Rostock sowie die Medi­enan­stalt Sachsen-Anhalt mit einem Test­kanal im landes­weiten Privat­radio-Mux.

Ein Experte klärte uns auf, warum in manchen Ensem­bles die Umschal­tung auf den Warn­kanal funk­tio­nierte und in anderen nicht: Es kommt wohl darauf an, ob beim Netz­betreiber ein "Test-Alarm" oder ein "scharfer Alarm" ausge­löst wird. Beim Deutsch­land­funk wurde ein Test-Alarm akti­viert, während Bayern Digi­tal­radio eine scharfe Alarm­mel­dung aussen­dete. Auf den Test-Alarm reagierten entspre­chend nur wenige Modelle wie die erwähnten EWF-fähigen Radios von Tele­star oder einige Auto­radios. Den "scharfen Alarm" empfingen dagegen mehr Modelle.

Fazit: Es gibt noch viel zu tun

Es ist beim Digi­tal­radio DAB+ noch viel zu tun, damit die Bevöl­kerung auch tatsäch­lich zuver­lässig über diesen Verbrei­tungsweg gewarnt wird. Zunächst einmal müssen noch weit mehr Modelle in den Handel, welche die EWF-Funk­tion unter­stützen.

Einen umfang­rei­chen DAB+-Netz­ausbau gibt es in Baden-Würt­tem­berg.

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