So viel kostet DAB+

UKW-Abschaltung: So viel bezahlen Sie für die Umrüstung auf DAB+

Nichts wird aktuell im Bereich Hörfunk so kontrovers diskutiert wie eine Abschaltung des alten UKW-Hörfunks. Wir haben die Kosten berechnet, die ein Durchschnitts­haushalt in Deutschland für eine komplette Umrüstung seiner Radios ausgeben müsste.
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Die Diskussion um die Zukunft des Hörfunks gleicht einem Glaubens­krieg. Bleibt UKW Maß aller Dinge, setzt sich DAB+ als Nachfolger durch oder übernehmen irgendwann doch IP-Technologien vollständig die Kontrolle? Kontro­verse Diskus­sionen gibt es vor allem um das Thema UKW-Abschaltung. In ein­schlägigen Foren liest man Kommentare wie "Ich habe schon alle Radios ausgetauscht und höre nur noch DAB+ oder Internet­radio". Die Mehrzahl will jedoch zunächst alles beim Alten belassen und wehrt sich mit Händen und Füßen gegen eine drohende UKW-Abschaltung, wie sie derzeit von der Politik, den meisten öffentlich-rechtlichen und wenigen privaten Radio­stationen forciert wird.

Schon mehrmals haben die Deutschen fast alle Radios ausgetauscht

Digitalradio-Adapter Albrecht DAB 50Digitalradio-Adapter Albrecht DAB 50 Bei der Diskussion um die UKW-Abschaltung wird ein Fakt zumeist übersehen: Schon mehrfach haben sich die Deutschen in Wellen neue Radios angeschafft und alte ausgetauscht. Zum ersten Mal geschah dies nach dem zweiten Weltkrieg: Die alten Volksempfänger wanderten in den 1950er und 60er-Jahren haufenweise zum Elektro­schrott und wurden durch für damalige Verhältnisse modernere Radios ersetzt, die bereits den klanglich revolutionären UKW-Empfang an Bord hatten.

Ein weiterer Großaustausch der Radios fand Mitte und Ende der 1980er-Jahre statt. Erstmals gab es in Deutschland private Hörfunkangebote. Diese sendeten allerdings zumeist auf Frequenzen oberhalb von 100 MHz, was von den meisten älteren Radio­modellen nicht unterstützt wurde. Still und zumeist ohne Protest kauften sich die Bundes­bürger daher neue Empfänger. Eine weitere Austausch- und Neuanschaffungs-Welle setzte ein, als das UKW-Band am Anfang der 1990er-Jahre ein weiteres Mal erweitert wurde, um den Wellenbereich 104 bis 108 MHz.

Das kostet eine Komplettumrüstung im Modell

Oft malen Kritiker einer UKW-Abschaltung ein Schreckens­szenario an die Wand, wonach pro Haushalt "mehrere Tausend Euro" nötig seien, um alle UKW-Radios auszutauschen. Wir haben anhand eines Fallbeispiels ausgerechnet, wieviel es tatsächlich kosten würde, sollte der UKW-Hörfunk bereits Ende 2014 abgeschaltet werden. Wir gehen von folgender Situation aus: Ein Ehepaar mit zwei Kindern besitzt eine HiFi-Anlage mit UKW-Radioteil im Wohnzimmer, ein Küchenradio, ein Badradio, einen Radiowecker, zwei Mini-Anlagen und zudem ein Autoradio.

Adapter statt Geräte-Austausch

Autoradio-Adapter Pure Highway 300diAutoradio-Adapter Pure Highway 300di Eine Beförderung der HiFi-Anlage im Wohnzimmer zum Wertstoff­hof ist nicht von Nöten. Ein Adapter, der per Cinch-Kabel an die Anlage angeschlossen wird, könnte die Versorgung mit DAB+ übernehmen. Solche Modelle gibt es inzwischen in zahlreichen Ausführungen im Handel und kosten im Schnitt rund 60 Euro. Wer zusätzlich Internet­radio hören möchte, muss etwas mehr dafür ausgeben (rund 110 Euro).

Das Küchen- und Badradio sowie der Radiowecker benötigen keinen besonders anspruchsvollen Klang und dienen lediglich zur Hintergrund­berieselung. Kompakte Radios mit DAB+-Empfang gibt es bereits ab 20 Euro, Radiowecker ab 35 Euro im Handel. Wir sind bei unserer Kalkulation von durchschnittlichen Preisen ausgegangen und haben für die beiden Kompaktempfänger in Küche und Bad je 40 Euro und den Radiowecker 50 Euro berechnet.

Nun kommen wir zu den zwei Mini-Anlagen in den beiden Kinder- und Jugendzimmern. Auch hier besteht bei vielen Modellen die Chance, einen Adapter für DAB/DAB+ anzuschließen. Da vor allem Jugendliche heute seltener Radio hören und eher Smartphones und Tablets für den Musikgenuss nutzen, besteht die Frage ob der Nachwuchs überhaupt neue Radios benötigt. In unserer Kalkulation haben wir uns dennoch für einen Komplettaustausch durch das Mini-HiFi-System CMT-S20B von Sony entschieden. Dieses bietet Digitalradio-Empfang über DAB und DAB+ und kann Smartphones oder USB-Sticks einbinden. Es ist im Handel für rund 80 Euro erhältlich.

Nun fehlt noch das Autoradio. Häufig sind Werksradios, die noch keinen Digitalradio-Empfang an Bord haben, nicht umrüst- und austauschbar. Doch auch hierfür gibt es Adapter-Lösungen. Im Schnitt kosten diese rund 90 Euro.

Alles in allem kommen wir bei unserer Kalkulation auf Gesamtkosten von rund 400 Euro, sollte heute schon UKW abgeschaltet werden. Da aktuell über ein Abschaltdatum im Jahr 2025 diskutiert wird, ist damit zu rechnen, dass es noch einen weiteren Preisverfall geben wird.

Mit Mini-UKW-Sender können alte Radios weiterbetrieben werden

Doch es geht sogar noch günstiger, denn es bestünde die Möglichkeit Digitalradio-Signale per UKW-Minisender an alle bestehenden Radios im Haushalt weiterzuleiten. Der Vorteil: Es müsste nur ein Modell mit DAB+-Empfang angeschafft werden - und ein Mini-Sender (ab 10 Euro im Handel), der an die Kopfhörer-Buchse des DAB+-Radios angeschlossen wird. Die Signalqualität reicht in einer 4-Zimmer-Wohnung für problem­losen Stereo-Empfang in allen Räumen aus, alle bestehenden Radios können weiter genutzt werden. Es ist jedoch denkbar, dass die Bundesnetz­agentur solche UKW-Minisender verbietet, falls die UKW-Frequenzen für andere Dienste, etwa Mobilfunk oder Bündelfunk, neu vergeben werden. So ist heute auch der Betrieb alter, analoger Funktelefone in Deutschland nicht mehr erlaubt.

Digitalradio scheint sich auch ohne UKW-Zwangs-Abschaltung durchzusetzen

Alles in allem sind unsere Rechenbeispiele ohnehin noch Utopie. Bis der UKW-Hörfunk, der heute von mehr als 90 Prozent der Bundesbürger genutzt wird und bei über 75 Prozent erste Wahl beim Radioempfang ist, tatsächlich abgeschaltet werden kann, ist es noch ein langer Weg. Es ist sogar fraglich, ob das anvisierte Datum 2025 überhaupt eingehalten werden kann.

Rund sieben Millionen Radios tauschen die Deutschen jährlich aus. Laut aktueller Verkaufs­zahlen unterschiedlicher Marktforscher haben Digitalradios mit DAB+ bereits einen Marktanteil zwischen 20 und 35 Prozent. Infratest Prognos ermittelte, das alleine in den vergangenen 12 Monaten 2,2 Millionen Radios mit DAB+-Empfang über den Ladentisch gewandert sind. Es sieht also danach aus, als könne sich das Digitalradio auch aus eigener Kraft und ohne verbindliches UKW-Ausstiegs­datum etablieren. Dazu würde beitragen, dass - wie geplant - die Netze zügig weiter ausgebaut werden, damit immer mehr Haushalte die Möglichkeit erhalten, das digital-terrestrische Radio zu empfangen.

Sollte die UKW-Nutzung irgendwann eine gewisse Prozent­zahl unter­schritten haben, könnte man dann das analoge Radio abschalten. Wer heute ein Radio austauscht, sollte in jedem Fall auf die Verfügbarkeit von DAB+ achten. Rund 500 Modelle mit Digitalradio-Empfang sind bereits verfügbar. Viele Händler rangieren reine Analog-Modelle zunehmend aus den Regalen aus. Der Vorteil aller Digital­radio-Modelle ist, dass diese auch über analogen UKW-Empfang verfügen. Niemand muss also auf seinen Lieblings­sender verzichten, hat aber umgekehrt schon heute einen Mehrwert von bis zu 50 digitalen Hörfunk­sendern pro Region.

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