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Fixer Abschaltzeitpunkt für UKW-Radio offenbar vom Tisch

Die KEF fordert von ARD und Deutschland­radio keinen festen Termin mehr für die Abschaltung des analogen UKW-Hörfunks. Die Sender sollen statt­dessen Kriterien und zeitliche Szenarien definieren, die zu einer UKW-Abschaltung führen. Wir erklären den Unter­schied und den möglichen Weg zum Umstieg.
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Fixer Abschaltzeitpunkt für UKW-Radio offenbar vom TischEin Abschaltdatum für UKW scheint vom Tisch. Die KEF fordert aber weiter von der ARD Szenarien für den Umstieg auf DAB+. Bei der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunk­anstalten (KEF) zeichnet sich einem Medienbericht zufolge erstmals ein Umdenken in Bezug auf die Forderung nach einem konkreten UKW-Abschaltdatum ab. Wie das Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk (Ausgabe Juni) aus Kreisen der Kommission erfuhr, werde im kommenden 20. KEF-Bericht wohl kein konkreter UKW-Abschalt­termin mehr von den öffentlich-rechtlichen Programm­veran­staltern erwartet. Vielmehr wolle die KEF ihre Forderungen an ARD und das Deutschlandradio dahingehend modifizieren, dass die Sender künftig lediglich Kriterien und zeitliche Szenarien, die zu einer UKW-Abschaltung führen, definieren müssen.

Im letzten KEF-Bericht hatte die Kommission die ARD und das Deutschlandradio noch aufgefordert, präzise Aussagen zur Dauer des Simulcast, also der Parallel­ausstrahlung von DAB+ und UKW, zu machen und einen konkreten Abschalt­termin für die UKW-Sender zu benennen. Dies sorgte für heftige Diskussionen innerhalb der ARD. Letztlich konnte sich der Senderverbund nicht auf ein fixes Datum einigen. Die Simulcastphase soll so lange wie nötig und so kostengünstig wie möglich gehalten werden, heißt es stattdessen allgemein und sehr schwammig formuliert aus ARD-Kreisen. Die KEF kommt den Sendern nun offenbar entgegen.

Kriterien für UKW-Ende: Ausreichend Digitalradio-Hörer und optimale Netzabdeckung

Für einen Abschaltzeitraum gibt es unterschiedliche Szenarien. Ein Beispiel liefert Norwegen, das sich bereits vor über einem Jahrzehnt auf einen solchen Zeitraum verständigt hatte: Hier sollen die UKW-Hörfunksender sukzessive ab 2017 abgeschaltet werden, da zuvor von der Regierung festgelegte Kriterien inzwischen erfüllt wurden. So hören 56 Prozent der Norweger täglich Radio­programme über DAB und DAB+, mehr als 55 Prozent der Haushalte verfügen über mindestens einen DAB-Empfänger. Außerdem war ein Kriterium, dass die Abdeckung des staatlichen Rundfunk­senders NRK über DAB mindestens so gut sein soll wie auf UKW und die nationalen Privatradios mindestens 90 Prozent der Bevölkerung über Digitalradio erreichen. Da alle Kriterien nun erfüllt sind, konnte die Regierung Ende 2014 das feste Ausstiegs-Datum verkünden.

Von einer solchen Marktdurch­dringung ist man in Deutschland noch meilenweit entfernt: Laut dem letzten Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten besitzt erst 7,7 Prozent der Bevölkerung ein Digitalradio, für gerade einmal 1,1 Prozent ist DAB+ der vorrangig genutzte Empfangsweg. Kein Wunder, dass Forderungen nach einem fixen UKW-Abschaltdatum seitens der KEF auf Kritik stießen. Die Gefahr bestand, dass zumindest skeptische ARD-Anstalten zum momentanen Zeitpunkt lieber auf DAB+ verzichtet hätten als eine zu frühe Abschaltung von UKW zu gefährden.

Denkbar ist nun ein Szenario, wonach der analoge UKW-Hörfunk etwa in einem Zeitraum von fünf Jahren abgeschaltet werden könnte, sobald mehr als 50 Prozent der Bevölkerung mindestens ein Digitalradio besitzt oder alternativ Radio auf digitalen Empfangswegen hört (was auch Internetradio oder digitales Radio via Satellit und Kabel einschließen könnte). Auch die theoretische Verfügbarkeit von Digitalradio-Signalen dürfte bei der Festlegung eines solchen Abschaltzeitraumes eine wesentliche Rolle spielen: Bevor die Abdeckung mit DAB/DAB+ nicht mindestens so gut ist wie die von UKW, kann das Zeitalter des analogen Hörfunks nicht enden.

Neue KEF-Richtlinie: Motor oder Bremse für DAB+?

Die öffentlich-rechtlichen Sender müssen der KEF den Projektantrag zu Digitalradio bis zum 31. August übergeben. Erscheinen soll der 20. KEF-Bericht dann spätestens bis Ende April 2016. Ob die neue KEF-Richtlinie tatsächlich ein Motor oder doch eher eine Bremse für die Digitalisierung des Radios darstellt, ist offen. Auf der einen Seite fällt nun zwar der Druck von den Sendern, ein Scheitern von DAB+ ist damit endgültig ausgeschlossen. Auf der anderen sollten sie aber so schnell wie möglich weitere Schritte unternehmen, um den Geräteverkauf anzukurbeln. Hierzu gehören vorrangig ein schneller Ausbau der Sendernetze bis zu einer Flächendeckung sowie attraktive Mehrwert­angebote und ein noch stärkeres Marketing. Vor allem Anstalten wie NDR, hr oder rbb haben noch große, weiße Flecken auf der Digitalradio-Landkarte.

Eines ist trotz des Umdenkens bei der KEF auf jede Fall gewiss: Einen ewig langen, teuren Simulcast von UKW und DAB+ wird die Kommission auch weiterhin aus Kostengründen nicht akzeptieren. Der digital-terrestrische Hörfunk sollte also nach Möglichkeit in rund fünf Jahren kein Nischen­dasein mehr fristen, was aktuell noch der Fall ist. Immerhin: Zusammen mit der Politik wollen alle Beteiligten im Rahmen eines Digitalradio-Boards an einem runden Tisch Konzepte und Kriterien entwickeln, die schließlich in einer Abschaltung des UKW-Hörfunks münden können.

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