Digitalradio

DAB+: Auf und Ab in Europa

Positive Entwicklungen in vielen europäischen Ländern, aber auch ein Rückschritt: Von einer Einigkeit ist Europa bei der Einführung des digital-terrestrischen Radios DAB+ nach wie vor weit entfernt.
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DAB+: Ups and Downs in EuropaDAB+: Ausblick auf Europa Die Entwicklung des digital-terrestrischen Hörfunks DAB+ in Europa ähnelt der Fahrt auf einer Achterbahn. In einigen Ländern gibt es Erfolgsmeldungen, die Medienbehörden und die Politik dazu animieren, mittelfristig den UKW-Hörfunk abzuschalten. In anderen wird dieser Prozess jedoch gestoppt - es bleibt vorerst bei UKW, ergänzt um Internetradio.

Schweden sagt Migrationsphase von UKW zu DAB+ ab

Beispiel Schweden: Hier hat das Parlament den Umstieg von UKW auf DAB+ - und damit die Migrationsphase, die von 2017 bis 2022 dauern sollte - gestoppt und damit den Kurs der Regierung vom Juni 2015 bestätigt. Interessant ist, dass die Programmanbieter - auch ein Großteil der kommerziellen - das digital-terrestrische Radio eigentlich forcieren wollten. Das Parlament begründete seine Entscheidung aber in erster Linie unter ökologischen Gesichtspunkten: Es sei der Bevölkerung nicht zuzumuten, Millionen von gut laufenden UKW-Radios auf die Müllhalde zu werfen.

Der deutsche Privatradioverband VPRT, der den Umstieg von UKW auf DAB+ nach wie vor skeptisch sieht, behauptet, dass sich der schwedische Reichstag mit dem Beschluss einstimmig gegen das digital-terrestrische Radio DAB+ entschieden habe. Dagegen stellte Mats Akerlund, Digitalradio-Koordinator des öffentlich-rechtlichen Rundfunks Sveriges Radio (SR), klar, dass es "falsch wäre zu sagen, Digitalradio in Schweden ist tot". Vielmehr wolle man sich nun mehr an der Entwicklung anderer europäischer Länder orientieren. Der Umstiegsbeginn im benachbarten Norwegen und das Ende von UKW stünden kurz bevor, es werde also nicht lange dauern, bis man die dortigen Ergebnisse bewerten könne, so Akerlund. Von einem kompletten Rückzug aus DAB+ könne jedoch keine Rede sein, die bisherigen Multiplexe bleiben voraussichtlich auch auf Sendung.

Österreich startet Call-of-Interest

Offen ist auch noch, wie es mit DAB+ in Österreich weiter geht. Die österreichische Medienbehörde KommAustria hat bestehende und potenzielle Hörfunkveranstalter sowie Multiplex-Betreiber eingeladen, im Rahmen eines Call-of-Interests ihr Interesse an der Verbreitung von bundesweiten, regionalen und lokalen Hörfunkprogrammen im Standard DAB+ anzumelden. Bei positivem Echo entscheidet die Medienbehörde über die Ausschreibung von nationalen und regionalen Multiplexen.

Bisher gibt es DAB+ in Österreich nur im Rahmen eines Testbetriebes im Großraum Wien. Noch ersten Halbjahr 2016 soll es - je nach Interesse durch Programmanbieter - eine Entscheidung der Regulierungsbehörde darüber geben, ob DAB+ in der Alpenrepublik überhaupt weiter verfolgt wird. Wenn ja, folgen im zweiten Halbjahr die Erstellung der so genannten "Auswahlgrundsätzeverordnung" für digitalen terrestrischen Hörfunk sowie im ersten Halbjahr 2017 eine mögliche Ausschreibung.

Schweiz und Großbritannien voll auf DAB+-Kurs

Ganz deutlich auf DAB+-Kurs und Abschaltung von UKW befindet sich die benachbarte Schweiz. Radio wird bei den Eidgenossen bereits knapp zur Hälfte (49 Prozent) digital gehört. Der analoge UKW-Empfang verliert dagegen weiter an Bedeutung - in allen Landesteilen und Altersklassen, wie Ergebnisse der zweiten Befragung zur digitalen Radionutzung zeigen. Seit Frühling 2015 erhebt die GfK Switzerland im Auftrag der Arbeitsgruppe "Digitale Migration" (DigiMig) diese Zahlen zur digitalen Radionutzung.

In den eigenen vier Wänden und auf der Arbeit habe Digitalradio (Empfang über DAB+ oder Internet) das analoge UKW bei den Eidgenossen bereits überholt. Dabei halten sich die beiden digitalen Empfangswege in etwa die Waage: Während am Arbeitsplatz leicht mehr Radio über DAB+ gehört wird, konsumieren die Leute zu Hause ihre Radioprogramme lieber via Internet. Im Auto nehme die Nutzung über DAB+ ebenfalls weiter zu. Nach bisherigen Planungen soll UKW in der Schweiz sukzessive zwischen 2019 und 2024 abgeschaltet werden.

Boom für DAB auch in Großbritannien: Ende Februar geht ein zweiter nationaler Multiplex für kommerzielle Radios auf Sendung. Zugpferd wird hier der Rückkehrer Virgin Radio - nach mehrjähriger Abstinenz. Insgesamt 18 Programme sollen sich den Multiplex teilen, es handelt sich hierbei um acht Musikformate, ein Programm für Kinder, drei Talkradios sowie je drei christliche Sender und Programme für die asiatische Community. Erstmals wird zum Teil nicht im alten DAB-Modus gesendet wie bisher auf der Insel üblich, sondern im moderneren Verfahren DAB+.

Deutschland : Neue Programme in Regionalmuxen

In Deutschland erhöht sich aktuell vor allem das Programmangebot in regionalen Multiplexen. In Bayern ging mit PN Eins Urban ein Ableger des landesweit agierenden Dance-Senders PN Eins im regionalen Multiplex Augsburg (Kanal 9C) auf Sendung - zunächst mit einem Testprogramm, das musikalisch aus Rap, Soul und RNB besteht. In Sachsen ist das Privatradio R.SA im Rahmen eines zunächst 18-monatigen Testbetriebes im landesweiten Multiplex des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) im Kanal 9A auf Sendung gegangen.

In Hessen ist mit ERF Pop ein weiteres Programm im regionalen Multiplex Rhein-Main/Südhessen (Kanal 11C) gestartet. Das Programm des Evangeliumsrundfunks besteht aus internationaler Popmusik mit Schwerpunkt auf christlichen Popsongs sowie Nachrichten, Interviews und Informationen. Noch im Februar soll auch der nichtkommerzielle Lokalsender Radio X aus Frankfurt über DAB+ starten. Ab Mai/Juni sind weitere Programme geplant. Ebenfalls im Gespräch sind eine Ausdehnung des Multiplex auf Südhessen und den Ballungsraum Rhein-Neckar (Sender Hardberg/Odenwald) sowie ein zweiter regionaler Multiplex für Privatradios in Nordhessen.

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