Digitalradio

Große regionale Unterschiede bei Nutzung von DAB+

Zwei neue Untersuchungen untermauern, dass es bei Geräteverkauf und Nutzung beim Digitalradio DAB+ große regionale Unterschiede in Deutschland gibt. Außerdem baut Netzbetreiber Media Broadcast die Reichweite des "Bundesmuxes" aus.
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Beim Thema Digitalradio untermauern neue Studien einen Trend: Dort, wo das Programmangebot stimmt und neben vielen neuen Programmen auch das von UKW bekannte Angebot annähernd auf DAB+ abgebildet ist, werden auch Empfangsgeräte verkauft. Dort, wo es bisher nur wenige Programme im digitalen Radio gibt, sind Verkäufe und Nutzung gering. Ähnliche Erfahrungen gibt es auch beim digital-terrestrischen Fernsehen DVB-T: In den Regionen, wo auch die Privat-TV-Sender zu sehen sind, liegt der Marktanteil zum Teil bei über 20 Prozent, dort wo es nur die Öffentlich-Rechtlichen gibt, wählen im Schnitt nur fünf Prozent den terrestrischen Verbreitungsweg.

Niedersachsen: Nur fünf Prozent hören Radio über DAB+

Große regionale Unterschiede bei Nutzung von DAB+Stimmt das Programmangebot, werden auch Empfangsgeräte verkauft. Ähnlich sieht es aktuell beim Radio aus: So schalten etwa in Niedersachsen erst wenige Hörer Programme über DAB+ ein. Einer aktuellen Reichweitenumfrage der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) im Auftrag der kommerziellen Hörfunksender zufolge haben von 7 000 Befragten nur fünf Prozent angegeben, in den vergangenen vier Wochen Digitalradio gehört zu haben. Das sagte Andreas Fischer, Direktor der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM), mehreren großen Tageszeitungen im Bundesland. Diese im Bundesvergleich niedrige Einschaltdauer verwundert jedoch nicht: In Niedersachsen ist bisher nur der bundesweite Multiplex mit vier Deutschlandradio-Programmen und acht Privatsendern weitgehend flächendeckend zu hören. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) versorgt aktuell nur die Hälfte des Landes mit DAB+ und plant erst im Herbst eine Expansion auf den Raum Osnabrück. Die regionalen und lokalen Privatradios lehnen die Technik komplett ab und wollen auch in Zukunft nichts von DAB+ wissen. Sie sehen sich durch die NLM-Umfrage in dieser Haltung bekräftigt und setzen weiter auf das analoge UKW sowie begleitende digitale Aktivitäten im Internet.

Bayern: Im März fast 40 Prozent Radios mit DAB+ verkauft

Erfolg dagegen für das digitale Radio in Bayern: Wie anlässlich einer Tagung beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) bekannt wurde, stiegen die Verkaufszahlen für DAB+ im Freistaat stark an. 38,2 Prozent aller im März verkauften Radioempfänger waren Radios mit digital-terrestrischem Empfang, berichtet der interne Branchennewsletter "Digitalradio News". Bei einer vorigen Befragung waren es im Durchschnitt noch monatlich nur knapp 27 Prozent. Im Bundes­durchschnitt liegt der Marktanteil von im März 2016 verkauften DAB-Geräten nur bei 16,4 Prozent. Werbung und Marketing für Digitalradio gepaart mit einem breiten Programmangebot aus öffentlich-rechtlichen und privaten Sendern zeigen hier offenbar positive Ergebnisse.

Weitere Regionen in Bayern können zudem schon bald den bundesweiten Multiplex mit vier Programmen des Deutschlandradios und acht Privatradios hören. Wie aus einer Reichweitenkarte des Deutschlandradios hervor geht, will Netzbetreiber Media Broadcast bis Ende Juli die Sendeanlagen Bamberg und Brotjacklriegel ans Netz gehen. Damit wäre der "Bundesmux" künftig auch in weiteren Teilen Frankens und im südlichen Bayerischen Wald zu empfangen.

Doch auch in anderen Bundesländern werden die bundesweiten Programme besser oder überhaupt zum ersten Mal hörbar werden. So sind bis Ende Juli Anlagen in Münster (Nordrhein-Westfalen), auf dem Kalmit in der Südpfalz (Rheinland-Pfalz) sowie in Pritzwalk/Prignitz (Brandenburg) für den bundesweiten Multiplex geplant. Media Broadcast hat die genauen Aufschaltungsdaten jedoch bisher nicht publiziert.

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