Geeichtsentscheidung

Vorläufiges Aus für zweiten DAB+-Bundesmux

Das Verwaltungsgericht Leipzig untersagt dem Gewinnerkonsortium Antenne Deutschland den Sendestart des zweiten DAB+-Bundesmux. Müssen Radiohörer für Jahre auf bis zu 18 weitere bundesweite Radioprogramme verzichten?
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Absolut Digital kann vorerst nicht mit weiteren bundesweiten Programmen auf DAB+ startenAbsolut Digital kann vorerst nicht mit weiteren bundesweiten Programmen auf DAB+ starten Rückschlag für das Digitalradio DAB+: Das Verwaltungsgericht Leipzig hat am 1. Juni im Eilverfahren des bei der Lizenzvergabe um den zweiten nationalen Digitalradio-Multiplex unterlegenen Plattformbewerbers DABP GmbH gegen die Zuweisungsentscheidung der Gremienvorsitzendenkonferenz der Landesmedienanstalten (GVK) zugunsten von Antenne Deutschland die aufschiebende Wirkung wiederhergestellt.

Damit hat das Konsortium um den ehemaligen Rennfahrer und Initiator des zweiten Bundesmux, Steffen Göpel, im einstweiligen Rechtsschutzverfahren gewonnen. Das von den Landesmedienanstalten lizenzierte Unternehmen Antenne Deutschland (Absolut Digital/Media Broadcast) darf somit bis zur Entscheidung in der Hauptsache nicht auf Sendung gehen. Ein hochrangiger Vertreter der Medienanstalten befürchtet, dass es bis zu einer endgültigen Entscheidung nun Jahre dauern könnte.

Radioveranstalter wollen in Regionalmuxen "parken"

Damit müssen Radiohörer in ganz Deutschland auf bis zu 18 weitere bundesweite Hörfunkprogramme verzichten. Das vorläufige Aus für den zweiten Bundesmux trifft vor allem Absolut Digital, das bis zu acht zusätzliche Hörfunkprogramme in den nationalen Multiplex einbringen wollte und hierfür bereits per Stellenanzeige Personal sucht. Der Plattformbetreiber wollte seine Räumlichkeiten in Berlin einrichten und 2019 auf Sendung gehen.

Weitere Hörfunkveranstalter, die Interesse am Bouquet bekundet hatten, wollen bis zu einer endgültigen Entscheidung in regionalen und lokalen Multiplexen "parken". Darunter ist auch Absolut Digital selbst mit dem Angebot "Absolut Hot". Andere Interessenten wie die "Rock Antenne" verzichten inzwischen ganz auf eine Verbreitung im zweiten nationalen Mux, da sie hier keine regionalisierten Sendungen und Werbung hätten ausstrahlen können, und engagieren sich dauerhaft in regionalen Verbreitungsgebieten.

Auch vom Vertreter der Landesmedienanstalten heißt es, dass man sich jetzt auf den Auf- und Ausbau der regionalen Multiplexe konzentrieren möchte. Wobei sich hier aber sehr schnell wieder bemerkbar machen würde, welche Länder zu DAB+ stehen und welche nicht.

Verlierer sind die Radiohörer

Ein langjähriger Rechtsstreit wirkt sich so oder so negativ auf eine positive Weiterentwicklung des terrestrischen Digitalradios aus. Es wäre im Sinne der Hörer zu hoffen, wenn sich die Gegner vor Gericht bereits vor einer Entscheidung in der Hauptsache einigen könnten. Doch danach sieht es derzeit nicht aus.

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