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Grünes Licht: Schweiz steigt aus UKW aus

Seit Frühling 2016 ist die digitale Radionutzung in der Schweiz höher als jene über UKW. Damit kann mit der sukzessiven Abschaltung des analogen Hörfunks begonnen werden. Der Bundesrat hat hierfür grünes Licht gegeben.
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Wer als Deutscher mit seinem Auto durch die Schweiz fährt und noch keinen DAB+-Empfang besitzt, muss schon bald auf Verkehrsdurchsagen und anderes aus dem Radio verzichten. Seit Frühling 2016 ist die digitale Radionutzung bei den Eidgenossen höher als jene über UKW. Damit kann mit der sukzessiven Abschaltung von UKW wie geplant 2020 begonnen werden. Der Schweizer Bundesrat hat am 25. Oktober 2017 eine Teilrevision im Radio- und Fernmeldebereich verabschiedet, um diesen Umstieg zu erleichtern. Zudem hat er entschieden, dass die heutigen Radiokonzessionen verlängert werden sollen. Die Schweiz ist damit nach Norwegen und Dänemark das dritte europäische Land, das sich aus der alten UKW-Technologie verabschiedet.

UKW-Lizenzen bis 2024, Ausstieg beginnt früher

Ohne DAB+ gibt's in der Schweiz bald nur noch Rauschen im Autoradio.Ohne DAB+ gibt's in der Schweiz bald nur noch Rauschen im Autoradio. Um die Radiobranche bei der Umschaltung von UKW zu DAB+ zu unterstützen, hat der Bundesrat in der Radio- und Fernsehverordnung sowie in den Ausführungsbestimmungen zum Fernmelderecht die regulatorischen Anpassungen verabschiedet. Unter anderem hat er beschlossen, dass alle Radio-Veranstalterkonzessionen, die Ende 2019 ablaufen, bis 2024 verlängert werden sollen. Damit erhält die Radiobranche die nötige Stabilität, um den Migrationsprozess von UKW zu DAB+ wie geplant bis spätestens Ende 2024 durchzuführen. Einige Veranstalter haben bereits angekündigt schon vorher aus der analogen UKW-Technologie aussteigen zu wollen. Im Vergleich zu Deutschland sind alle Marktteilnehmer in der Schweiz - auch die Privatradios - von DAB+ überzeugt.

Die Revision der Radio- und Fernsehverordnung sieht vor, dass ab 2020 DAB+ zum Hauptverbreitungsweg wird, parallel zur sukzessiven Abschaltung von UKW. Die Radioveranstalter mit einem so genannten Service public-Auftrag erhalten ab 2020 eine garantierte Verbreitung auf einer DAB+-Plattform. Gleichzeitig sollen die Funkkonzessionen für die digitale Verbreitung bis Ende 2024 verlängert werden können.

Umstieg auf DAB+ auf Kurs

Im Frühjahr 2017 betrug der Anteil der digitalen Radionutzung (DAB+ und Internet) 57 Prozent, acht Prozentpunkte mehr als im Herbst 2015. Im selben Zeitraum sank die UKW-Nutzung auf 43 Prozent. Bereits auf 1. Januar 2015 wurde die UKW-Verbreitungspflicht gelockert und auf 1. Juli 2016 die finanzielle Unterstützung der DAB+-Verbreitung während des Migrationsprozesses verbessert. Zudem läuft seit Februar 2017 die Informationskampagne "Radio zieht um". Auch die Radiobranche selbst ist sehr aktiv: 56 der 57 UKW-Radios der SRG und der privaten Stationen sind auch über DAB+ empfangbar.

Weiter Grabenkämpfe um DAB+ in Deutschland

Während die Schweiz voll auf DAB+ setzt, gehen die Grabenkämpfe um die Zukunft des Hörfunks in Deutschland weiter. Auf zwei Panels der Münchner Medientage haben der Verein Digitalradio Deutschland und der Verband privater Hörfunk und Telekommunikation (VPRT) nochmals ihre unterschiedlichen Auffassungen dargestellt. Während Digitalradio Deutschland den Weg hin zu DAB+ für unumkehrbar hält, hat der VPRT eine neue Studie vorgelegt, die eine angebliche Erfolglosigkeit von DAB+ im Vergleich zum Radiokonsum über Internet verdeutlichen soll. Hierüber berichten wir in Kürze in einer separaten Meldung.

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