Hörfunk

UKW-Rückzug von sunshine live läutet neue Ära beim Digitalradio ein

Das beliebte Hörfunkprogramm für elektronische Musik, sunshine live, gibt seine alten UKW-Frequenzen in Baden-Württemberg auf und sendet künftig digital. Das Privatradio könnte eine Zeitenwende einläuten.
Kommentare (1762)
AAA
Teilen (20)

UKW-Rückzug von sunshine live läutet neue Ära beim Digitalradio einsunshine live setzt auf DAB+ Es ist eine kleine Überraschung: Der beliebte Privatsender sunshine live schaltet seine alten UKW-Frequenzen in Baden-Württemberg ab. Wer das Programm ab 1. Juli weiter im angestammten Sendegebiet rund um Rhein-Neckar und Odenwald mobil hören will, braucht einen digitalen Radio­empfänger mit DAB+ oder als Alternative IP-basierten Empfang, etwa über die sunshine-live-App. Auf den bisherigen UKW-Frequenzen sendet ab 1. Juli die neue Pop- und Rockwelle "Regenbogen 2".

Programm wird heute schon vorwiegend digital gehört

"Unsere Hörer setzen schon heute überwiegend auf digitale Empfangs­kanäle. Es ist unverzichtbar als junges, elektronisches Musikradio den nächsten Entwicklungs­schritt zu gehen und die Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung konsequent zu nutzen", erklärt sunshine live Geschäftsführer, Ulrich Hürter, den Schritt. "Die frei­werdenden Ressourcen, die sich mit dem Abschied von UKW ergeben, können wir vollständig in die inhaltliche Weiterentwicklung des Programms investieren". Mit der Neuausrichtung verbunden ist ein Umzug des Senders von Mannheim nach Berlin.

sunshine live ist nicht der erste deutsche Programm­anbieter, der UKW-Frequenzen zugunsten einer digitalen Verbreitung abschaltet. Im vergangenen Jahr hatte Klassik Radio bereits diesen Schritt vollzogen und sich von einem Teil seiner UKW-Kanäle zurückgezogen. Immer mehr stellt sich heraus, dass sich die Digitalisierung des Radios nicht über 0815-Mainstream-Programme durchsetzt, sondern über Sparten­programme. Die UKW-Rückzüge von sunshine live oder Klassik Radio geben die Marsch­richtung vor: UKW bleibt zunächst weiter der Verbreitungs­weg für die massen­attraktiven Vollprogramme mit regionaler Ausrichtung, DAB+ wird zunehmend der wichtigste Ausspielweg für attraktive Spartenformate, und das Internet ergänzt dieses Angebot um individuelle Sparten­programme gegen den Massen­geschmack sowie Musik­streaming von Playern wie Deezer oder Spotify, die immer mehr auch klassischen Radio-Content on Demand integrieren.

Sparten­programme profitieren vor allem von einer bundesweiten terres­trischen Verbreitung: Über DAB+ kostet ein bundesweiter Sendeplatz nicht mehr als eine landesweite UKW-Ausstrahlung. Der geplante zweite bundesweite DAB+-Multiplex könnte das Angebot an Sparten­programmen nochmals um 15 nationale Privatradios erweitern, allerdings wird der Start frühestens zur IFA 2017 erwartet.

NDR Plus: neue Schlagerwelle auf DAB+ startet am 5. Juli

Doch auch bei der ARD setzt ein Umdenken ein: Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) startet am 5. Juli das neue Radioprogramm NDR Plus. Das digitale Schlagerformat sendet rund um die Uhr das Beste aus 50 Jahren Schlager­geschichte. Auf der Playlist stehen vornehmlich deutschsprachige Musiktitel. Ergänzt wird der Mix durch internationale Schlager, Evergreens und instrumentale Musik. Empfangen können Hörer in den Nordländern NDR Plus ausschließlich über die digitalen Verbreitungs­wege DAB+, den Radio-Livestream sowie die NDR Radio App. Vor kurzem hatte der NDR den deutschen Schlager aus seinen NDR1-Regional­wellen verbannt. Wer weiter Musik von Andrea Berg, Costa Cordalis oder Cindy & Bert hören will, benötigt also nun Digital­empfang.

Auch die Klassikfans in Bayern müssen sich umstellen: Der Bayerische Rundfunk (BR) will künftig seine Welle BR-Klassik nur noch digital verbreiten und auf den UKW-Frequenzen die Jugendwelle Puls aufschalten. Hörer haben aber hier noch Zeit: Der Wechsel soll erst zum 1. Januar 2018 vollzogen werden. Bis dahin könnte ein Viertel der Bundesbürger ein Digitalradio mit DAB+ besitzen, und fast jeder hat die Möglichkeit alternative digitale Verbreitungs­wege wie Internet, Kabel (DVB-C) oder Satellit (DVB-S) zu nutzen.

Teilen (20)

Mehr zum Thema UKW-Radio