Aktuelle Zahlen

DAB/DAB+ in Europa sowohl Mega-Flop als auch Erfolgs­story

Die Entwicklung des digital-terres­trischen Radios in Europa ist unter­schiedlich und reicht von großen Erfolgen bis hin zu Flops. Wir haben die aktuelle Entwicklung in einzelnen Ländern analysiert.
Kommentare (1763)
AAA
Teilen

Das digital-terrestrische Radio ist in Europa auf dem Vormarsch, allerdings sind die Entwicklungen in den einzelnen Ländern unterschiedlich. In Deutschland wurden laut GfK seit dem Neustart im August 2011 1,7 Millionen Digitalradios mit DAB+ alleine im Einzelhandel verkauft, in diesem Jahr sollen rund 900 000 weitere dazu kommen. Da diese Zahlen den Online-Handel und Verkäufe aus dem Ausland ausschließen, dürften die Deutschen bereits weit mehr Digitalradios besitzen. Infratest Dimap geht von über fünf Millionen aus. 7,5 Prozent der deutschen Haushalte besaßen Mitte 2014 ein Gerät, das DAB und/oder DAB+ empfangen kann. Allerdings ist die reale Nutzung bisher eher marginal. Auch aufgrund noch zahlreicher weißer Flecken auf der Landkarte und unterschiedlichem Programmangebot in den einzelnen Regionen nutzen bislang nur 1,1 Prozent der Deutschen das Digitalradio als vorrangigen Empfangsweg beim Radiokonsum.

Mehr DAB- als UKW-Radios in britischen Haushalten

DAB/DAB+ in Europa sowohl Mega-Flop als auch ErfolgsstoryDAB/DAB+ in Europa sowohl Mega-Flop als auch Erfolgsstory In Großbritannien, wo es bereits 20 Jahre Radio über DAB gibt, läuft es weit besser: Hier weist eine Statistik erstmals eine höhere Radionutzung über Digitalradio als über das analoge UKW aus. Der DAB-Empfang in Gebäuden überholte mit 46,2 Prozent erstmals den analogen (45,6 Prozent), wie das Konsortium DigitalRadio UK basierend auf einer Befragung des britischen RAJAR-Instituts im 4. Quartal 2014 mitteilt. Die DAB-Nutzung insgesamt stieg im Schnitt um sechs auf 37,9 Prozent, die Steigerung bei den Hörern im Auto lag bei 29 Prozent.

Ernüchterung dagegen in den Niederlanden: Bislang konnten die beiden nationalen Multiplexe - ein öffentlich-rechtlicher und ein privater - die Bevölkerung kaum überzeugen. Aktuell besitzt nur drei Prozent der niederländischen Haushalte ein Radio mit DAB+-Empfang. Allerdings erfolgte der Neustart des digital-terrestrischen Radios im Nachbarland erst im September 2013, und damit zwei Jahre später als in Deutschland. Außerdem fehlen bisher die regionalen Programmveranstalter, die entsprechenden Multiplexe sollen erst ab diesem Jahr in Betrieb gehen.

Alles andere als positiv läuft DAB+ bisher auch in Frankreich, was aber eher an der Blockade der etablierten Sender liegt. Das nationale Radio France lehnt einen Start über die terrestrische Radiotechnologie ab, und auch die großen nationalen Privatradioketten wollen sich nicht beteiligen. Sie sehen keine Refinanzierungsmöglichkeit, die Zukunft des digitalen Radios liegt ihrer Meinung nach ausschließlich im Internet. Somit bleibt DAB+ bislang Privatradios mit unbefriedigender UKW-Versorgung sowie zahlreichen kleinen Spartensendern vorenthalten. Knapp über 100 Programme sind bislang in den Großstädten Paris, Marseille, Lyon und Nantes auf Sendung. Als nächstes sind Straßburg und Lille an der Reihe.

Mediamobile warnt vor digitaler Radiozukunft nur im Internet

Carsten Friedrich, Geschäftsführer des Telematik-Unternehmens Mediamobile, hat unterdessen die Radiobranche nochmals eindringlich davor gewarnt, die Zukunft des digitalen Hörfunks ausschließlich im Internet zu sehen. Ohne Etablierung von DAB+ würden auf die Sender ungeheure Kosten zukommen: "Sollte mobiles Webradio die derzeitige UKW-Übertragung eins zu eins ersetzen, würde dies einer Datenmenge von 245 Millionen Gigabyte pro Jahr alleine für Webradio entsprechen. Zum Vergleich: Die bundesdeutschen Mobilfunknetze übertrugen in 2013 insgesamt ein Datenvolumen von 267 Millionen Gigabyte".

Die Zukunft der Mediennutzung im Auto sieht Friedrich in hybriden Technologien, bestehend aus DAB+ und Internet. "Nur so können wir die Verbreitung von massenattraktivem Content mit dem Individualkonsum sinnvoll kombinieren". Das bedeutet: Klassische Hörfunksignale über DAB+ werden ergänzt um IP-basierte, auch personalisierbare Angebote. Den analogen UKW-Hörfunk sieht Friedrich an seinem Lebensende: "Ohne Digitalradio wird es nicht gehen, denn der Analogfunk wird diesen Weg aus technischen Gründen nicht mitgehen können".

Kanalumstellung in Bayern und neues Hörfunkprogramm

2015 soll in Bayern die Empfangbarkeit von Digitalradio weiter verbessert werden. Dazu startet nun eine schrittweise Umstellung des Kanals 2D im bayernweiten Netz auf den Kanal 10D. Betroffen sind mehrere landesweite Privatradios und Programme des Bayerischen Rundfunks (BR). Damit ist eine Erhöhung der Sendeleistung und damit auch eine Verbesserung der Signalqualität möglich.

Die technische Umstellung beginnt am 24. Februar am Sendestandort Augsburg und endet am 12. Mai am Sendestandort Ochsenkopf im Fichtelgebirge. Die genauen Umstellungstermine sind hier zu lesen. Besitzer von Digitalradios müssen jeweils einen neuen Suchlauf durchführen, um die Programme weiter hören zu können.

Als neues Hörfunkprogramm ist Megaradio SNA über DAB+ gestartet. Hierbei handelt es sich um ein Joint-Venture des bayerischen Privatradios Megaradio mit SNA Radio, dem Nachfolger der Stimme Russlands. Die beiden Partner gestalten jeweils 12 Stunden täglich das Programm. SNA Radio strahlt ein Wortprogramm aus, Megaradio sein bereits aus Bayern bekanntes Popmusikprogramm. Bisher sendet das Joint Venture über DAB+ in Berlin und Hessen, die Verbreitung in Hamburg soll voraussichtlich im Mai erfolgen. Ein Starttermin in Nordrhein-Westfalen steht noch nicht fest.

Teilen

Mehr zum Thema DAB+