Digital Radio

MDR will alle Hörfunksender ab August über DAB+ ausstrahlen

Positive Signale bei Autobauern, Skepsis und Angebotsmangel im Fachhandel
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Auch wenn der Start von DAB+ schon beschlossene Sache ist, sind die Erfolgsausichten für das digitalen Radio in Deutschland noch ungewiss. Zu diesem Schluss kamen Vertreter von privaten und öffentlich-rechtlichen Radioveranstaltern bei einer Diskussionsveranstaltung auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland in Leipzig. Immerhin: Das Programmangebot wird wachsen. Neben 15 Sendern im neuen bundesweiten Multiplex hat jetzt auch der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) angekündigt, ab August mit allen Sendern via DAB+ on Air zu gehen.

Hauptproblem: Mangelhafte Verbreitung im Fachhandel

 Radionavigationssystem RNS-315 Volkswagen mit DAB+Radionavigationssystem RNS-315 Volkswagen mit DAB+ Eines der Hauptprobleme sahen die Experten in der mangelnden Verbreitung von DAB+-fähigen Radiogeräten. Erwin Linnenbach, Sprecher der Geschäftsführung des Radiounternehmens Regiocast (u.a. Fußballradio 90elf) brachte dieses Dilemma auf den Punkt: "Der linke Schuh ist da, der rechte aber nicht". Zwar sei die Verbreitung von DAB+-Angeboten technisch kein Problem, doch würden zum Sendestart am 1. August 2011 nur sehr wenige Leute in der Lage sein, diese Angebote auch zu nutzen. Es sei natürlich schwer, den Verbraucher zum Kauf eines DAB+-Empfängers zu überreden, wenn er noch gar nicht wisse, was er dann empfangen könne, so Linnenbach. Auch Willi Steul, der Intendant des Deutschlandradios, hat seine eigenen Erfahrungen in dieser Richtung machen müssen. Bei der Suche nach einem DAB+-Radio wurde er erst im dritten Fachgeschäft fündig. Steul: "Ein normaler Kunde hätte sich scheinbar nicht die Mühe wie ich gemacht, sondern im ersten Laden ein UKW-Radio gekauft." Die Podiumsteilnehmer glauben nicht, dass diese Rückstände im Fachhandel bis zum August noch aufgeholt werden könne.

Einig waren sich die Experten bei den Vorteilen des DAB+-Radios. So sei die Audioqualität zwar besser als beim UKW-Rundfunk, doch ein viel stärkeres Argument pro DAB+ sei die Vielfalt. Christophe Montague, Geschäftsführer von NRJ International Operations sprach in diesem Zusammenhang von einer "Radiowüste" in weiten Teilen Deutschlands. Das sei eine der großen Chancen, die dem digitalen Radio den Durchbruch ermöglichen könnten.

MDR erweitert digitales Programmangebot

Als erste ARD-Anstalt hat der Mitteldeutsche Rundfunk angekündigt, alle seine Radioprogramme ab August zusätzlich über DAB+ auszustrahlen. Im Interview mit dem aktuellen "Meinungsbarometer Digitaler Rundfunk" sagte MDR-Hörfunkdirektor Johann Michael Möller: "Wir haben uns entschieden, vom Neustart an bei allen Wellen sofort auf den moderneren Standard des Digitalradios zu setzen". Bisher überträgt der MDR bereits seine Welle MDR Klassik im alten DAB-Standard sowie - im Rahmen eines Betriebsversuches - die Sender MDR Info und die MDR Sputnik in DAB+. Hinzu kommen nun noch die MDR 1-Landessender, die Popwelle Jump und die Kulturwelle MDR Figaro.

Deutsche Autobauer bieten zum Teil schon DAB+-fähige Geräte an

Positive Signale kommen auch von der Automobilindustrie: Vorreiter bei der Einführung von DAB+ im hiesigen Automarkt seien die deutschen Premium-Marken, wie aus einer Umfrage des "Meinungsbarometers" hervor geht. So hat die BMW Group seit Oktober 2010 ihr komplettes DAB-Angebot aller Modellreihen auf DAB+ umgestellt. Volkswagen bietet seit Mitte 2010 DAB+ für ein spezielles Radionavigationssystem an, das für eine Vielzahl von Modellen des Konzerns (auch Seat oder Skoda) bestellbar ist. Dennoch arbeitet VW noch an einer Ausweitung des derzeitigen Angebotes, hieß es auf Nachfrage des Meinungsbarometers.

Seit Januar offeriert auch Mercedes-Benz den neuen SLK und seit März die überarbeitete C-Klasse mit einen neuen Digitalradio, das neben DAB und DAB+ auch den in manchen Ländern ausgestrahlten DMB-Standard (Digital Multimedia Broadcasting) empfangen kann. Das neue Empfangsgerät ist gegen Aufpreis orderbar und soll schrittweise auch in anderen Baureihen verfügbar sein. Audi bietet DAB+ bereits für einige seiner Modelle an und kündigt an, ein Angebot von DAB+- und DMB-fähigen Autoradios schrittweise für alle Modellreihen aufzubauen.

Ausländische Autobauer eher verhalten

Von den ausländischen Herstellern will Hyundai die ersten Geräte 2012 einführen. Bis 2013 nachziehen wollen Opel und Mazda. Von Opel heißt es dazu: "Alle Neufahrzeuge werden im Zuge der europäischen Anpassung ab 2013 das System DMB erhalten", das DAB sowie DAB+ beinhalte. Mazda plant die Einführung für Anfang 2013. DAB+-Empfänger sollen auf neuen Fahrzeugmodellen oder bei Facelifts eingeführt werden.

Dagegen wollen andere Automarken erst den DAB+-Start im August abwarten. Bei der Fiat Group Deutschland (Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Jeep) heißt es, man werde erst den Markt und das Nachfrageverhalten der Autokäufer beobachten. Von Renault, Subaru und Volvo hieß es, DAB+-Werksradios seien derzeit nicht in Planung. Peugeot bietet in Deutschland derzeit keine separaten Digitalradios an, verweist dafür auf seine Internet-Box "WiFi on Board", mit der etwa Internetradios im Fahrzeug gehört werden können. Bei Toyota ist man mit dem Absatz von DAB (alt) unzufrieden und überlegt, den Vertrieb ganz einzustellen.

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