DAB+

Digitalradio Deutschland drängt auf schnelle Abschaltung von UKW

Norwegen schaltet UKW ab, weitere europäische Länder folgen. In Deutschland sieht die Politik dagegen bisher keine Notwendig­keit für die UKW-Abschaltung. Digital­radio Deutschland will nun mit einem 5-Punkte-Plan Druck auf die Politik machen.
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Der Sendemast am Wendelstein des Bayrischen Rundfunks.Der Sender Wendelstein versogt weite Teile der Alpenregion derzeit noch mit UKW-Rundfunk Heute um 11.11 Uhr sind in Norwegen die ersten UKW-Sender vom Netz gegangen. Das Land beendet bis Ende 2017 als erstes Land welt­weit die analoge Radio-Verbreitung zugunsten des terrestrischen Digitalradios DAB+. Basierend auf den norwegischen Erfahrungen beim Übergang von UKW zu DAB+ appelliert Dr. Willi Steul, Vorsitzender des Vereins Digitalradio Deutschland und Intendant von Deutschlandradio, mit einem Fünf-Punkte-Forderungs­katalog vor allem an den Bund und die Länder. Die Zukunft des digitalen Hörfunks in Deutschland müsse gesichert werden.

Radio darf keine analoge Insel bleiben

Laut Steul müsse angesichts der Tatsache, dass das Antennen­fernsehen bereits seit 2009 ausschließlich digital verbreitet wird, das Medium Radio so schnell wie möglich von der analogen in die digitale Welt überführt werden, um zukunfts­fähig zu bleiben und den gewachsenen Ansprüchen der Hörerinnen und Hörer zu entsprechen. DAB+ biete einen rauschfreien Klang, sei moderner, effektiver und persönlicher. Es ermögliche bei den bundes­weiten Programmen erstmals unterbrechungs­freies Hören in ganz Deutschland und liefere mehr Viel­falt auf ausreichend freien Kapazitäten zu weit günstigeren Verbreitungs­kosten. Vor diesem Hinter­grund sei die Politik gefordert, die gesetzlichen Rahmen­bedingungen im Umgang mit freien oder frei werdenden UKW-Frequenzen sowie bei der Verlängerung von UKW-Lizenzen zu prüfen.

Roadmap und Finanzierung kommerzieller Angebote

Markt­beteiligte beim Digital­radio DAB+ haben sich in einer Koalition zusammen­geschlossen, um in einer Roadmap den gemeinsamen Weg zum Rund­funk­standard DAB+ zu beschreiben. Für den regulatorischen Rahmen benötigen alle aber auch die Unter­stützung der Politik. Laut Steul müssten Bund und Länder 2017 verstärkt zusammen­arbeiten, damit nach der erfolgreichen Einführungs­phase nun auch die Eckpunkte für eine Migration von UKW hin zum Standard DAB+ fest­gelegt werden können. Die Zeit hierfür dränge, unter anderem auch, weil die Kommission zur Ermittlung des Finanz­bedarfs der Rund­funk­anstalten (KEF) erwarte, dass mit den Anmeldungen von ARD und Deutschland­radio zum 22. Bericht im Frühjahr 2019 mehrere Meilen­steine bei DAB+ erreicht worden sind: Unter anderem, dass Bund und Länder eine Entscheidung über ein Konzept zur Abschaltung von UKW getroffen haben.

Kommerzielle Hörfunk­anbieter benötigten zudem laut Steul zur Finanzierung eines Simulcasts von UKW und DAB+ finanzielle Mittel. Nur der Freistaat Bayern habe hier bisher ein Konzept zur Förderung der privaten Sender erarbeitet, um die Migration von UKW zu DAB+ voran zu treiben. Eine Förderung der Verbreitungs­kosten der privaten Sender wäre durch einen Digitalisierungs­fonds von Bund und Ländern, etwa durch Erlöse aus der Digitalen Dividende II, einer technischen Infrastruktur­förderung durch die Medien­anstalten oder besondere Preis­modelle der Netz­betreiber möglich. Ähnliche Maßnahmen hätte es auch bei der Digitalisierung der unterschiedlichen Verbreitungs­wege beim Fernsehen. Radio dürfe hier nicht benachteiligt werden, so Steul.

DAB+ muss serienmäßig in Fahrzeuge

Ganz hart ins Gericht geht der Deutschlandradio-Intendant mit den Auto­bauern: Ohne DAB+ Radio seien Neufahr­zeuge in Deutschland nicht zukunfts­sicher, blicke man auch auf die Digitalisierung des Hörfunks im Ausland. Derzeit seien erst 14 Prozent der Fahrzeug­modelle in Deutschland serienmäßig mit DAB+-Empfang ausgestattet. Ein DAB+-Chip koste im Schnitt sieben Euro, dazu komme noch der Preis der Antenne. Vor diesem Hintergrund sei es "einfach unverständlich, wenn Autobauer mehrere hundert Euro Aufpreis für den digitalen Radio­empfang als Sonder­ausstattung verlangen. Solche Preis­modelle blockieren eine schnellere Markt­durch­dringung mit DAB+".

Auch in diesem Punkt seien regulatorische Rahmen­bedingungen im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher wünschens­wert. So setze sich der Bundes­rat dafür ein, dass im laufenden Gesetz­gebungs­verfahren zur TKG-Novelle eine Verpflichtung für Geräte­hersteller aufgenommen werden soll, zukünftig alle neuen Radio­geräte auch mit DAB+-Empfangs­möglichkeit auszustatten. Mit dieser Multinormchip-Initiative, die zum Beispiel auch vom CDU-Netzwerk Medien und Regulierung getragen wird, könnte der Gesetz­geber im Interesse aller Beteiligten einen maßgeblichen Beitrag zur Beschleunigung der Digitalisierung des Hörfunks und damit auch zu einer lang­fristigen Senkung der Verbreitungs­kosten leisten.

Auch TLM-Direktor Fasco appelliert an Politik

Sorgen um die Privat­radios aufgrund des immer größer werdenden Erfolgs von DAB+ macht sich unterdessen der Direktor der Thüringischen Landes­medien­anstalt (TLM), Jürgen Fasco. Es gebe ein immer größeres Angebot an DAB+-Radios, der öffentlich-rechtliche Rund­funk hätte hier eine sehr gute Verbreitung, und UKW befände sich auf dem Rück­zug. Dennoch können die Privat­radios den Simulcast UKW und DAB+ aus eigener Hand nicht finanzieren. Daher dringt der TLM-Direktor auf eine Entscheidung der Landes­regierung, "ob es Formen der finanziellen Unter­stützung für private Veranstalter geben kann". In anderen Ländern sei das der Fall. Die Landes­verfassung fordere die Politik auf, "für ausgewogene Verbreitungs­möglich­keiten zu sorgen", so Fasco.

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