Digitalradio

VPRT fordert einheitliche Programm­listen für UKW und DAB+

Der Privat­radio­verband VPRT hat ein Positions­papier vorgelegt. Darin plädiert er unter anderem für einheitliche Programm­listen bei Digital­radios, die auch die UKW-Programme berück­sichtigen.
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Der VPRT fordert einheitliche Programmlisten für DAB+ und UKWDer VPRT fordert einheitliche Programmlisten für DAB+ und UKW Der Verband Privater Rundfunk und Telemedien e.V. (VPRT) möchte, dass Digitalradios verbraucherfreundlicher werden. Auf hybriden UKW/DAB+-Geräten sollte künftig eine Senderliste implementiert sein, die DAB+- und UKW-Programme zusammen, und nicht wie bisher in separaten Listen, darstellt. Das fordert der Verband in einem Positionspapier mit dem Titel "Die Top 7 zur Transformation der Hörfunk­verbreitung ins digitale Zeitalter", mit dem der neu gewählte VPRT-Radiovorstand seine Anforderungen an die Zukunft der terrestrischen Radio­verbreitung und an DAB+ formuliert.

Der Furcht vor der Nicht-Auffindbarkeit von UKW-Programmen

Eine solche gemeinsame Programmliste wäre tatsächlich vorteilhaft für Kunden: Bislang gibt es getrennte Listen, teilweise sogar mit völlig unterschiedlicher Menüführung. Direktwahltasten lassen sich zumeist nur getrennt mit DAB+ oder UKW belegen, aber nicht gemischt mit Programmen beider Verbreitungs­wege. Mit gemeinsamen Listen hätte der Nutzer alle terrestrisch empfangbaren Programme jederzeit unkompliziert verfügbar.

Dem VPRT dürfte es bei dem Vorstoß aber weniger um Verbraucher­freundlichkeit gehen, sondern mehr um den Schutz seiner eigenen Mitglieder, die zum Großteil auf UKW aktiv sind und eine zusätzliche Verbreitung über DAB+ ablehnen: In der Regel startet ein Digitalradio nach erstmaligem Einschalten mit einem Suchlauf im DAB+-Bereich und legt eine Senderliste an. Bekannte Programme wie radio ffn oder 104.6 RTL bleiben dann außen vor, da sie nicht auf DAB+ senden. Der Kunde muss zunächst in den UKW-Bereich wechseln, um diese Sender manuell oder per automatischem Suchlauf zu suchen. Bei einigen Geräten ist noch nicht einmal eine DAB/UKW-Taste verfügbar, der Kunde muss ins Menü gehen, um in den UKW-Bereich zu wechseln. Die Befürchtung des Verbandes könnte sein, dass mit immer mehr Digitalradios im Umlauf die Kunden die Programme der UKW-Platzhirsche nicht mehr finden und als Konsequenz bei DAB+-Programmen hängen bleiben.

Positionspapier alles andere als ein Bekenntnis zu DAB+

Auch ansonsten ist das aktuelle Positionspapier alles andere als ein Bekenntnis zu DAB+ als künftigem Radiostandard: Der Eintritt in Migrations­phasen von UKW zu DAB+ sei erst anzudenken, wenn eine nachgewiesene tatsächliche Nutzung - und nicht eine bloße technische Reichweite - eines Digitalstandards von 40 Prozent bei flächendeckendem und im Verhältnis zu den ARD-Anstalten gleichberechtigtem Netzausbau nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten erreicht werde, heißt es. Bislang nutzen erst 14 Prozent der Deutschen auch den Standard DAB+. Konkrete Parameter für einen Umstieg seien erst ab 80 Prozent tatsächlicher Nutzung denkbar. Eine Summierung der Digitalnutzung von DAB+ und Internet, um Schwellen zu erreichen, sei laut VPRT "sachfremd und daher nicht geboten".

Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VPRT und Geschäftsführer von Radio Regenbogen, übt einmal wieder Kritik an der Markteinführung des digital-terrestrischen Hörfunks: "Unabhängig davon, dass sich die Diskussion zum digitalen Radio auf keinen Fall auf einen Übertragungsweg verengen darf, beschäftigen wir uns sehr intensiv mit der Zukunft der Gattung Radio. Bei dem Übertragungsweg DAB+ kritisieren wir neben der fehlenden Akzeptanz der Konsumenten, dass die technische Struktur ausschließlich nach den landesweiten und bundesweiten Bedürfnissen der ARD aufgebaut wird", so Schunk. "Eine Abbildung der vielfältigen lokalen und regionalen Angebote der privaten Anbieter bleibt de facto unberücksichtigt. In diesem Thema wird Technik zunehmend zum Selbstzweck, und Inhalte dienen und folgen nur noch der Technik. Das ist ein verhängnis­voller publizistischer Irrweg."

Geld aus Digitaler Dividende II für DAB+

Für die Förderung der Verbreitungs­kosten der privaten Sender sei laut dem Positionspapier für DAB+ ein "Maßnahmen­bündel, bestehend aus einem Digi­talisierungs­fonds von Bund und Ländern, etwa durch Erlöse aus der Digitalen Dividende II, einer technischen Infra­struktur­förderung durch die Medienanstalten, einer kostenlosen Aufschaltung auf öffentlich-rechtlich finanzierte Multiplexe oder auch besondere Preismodelle der Netzbetreiber, analog des Vorgehens bei der Digitalisierung von Kabel und Satellit im TV, denkbar.

Der VPRT geht allerdings nicht darauf ein, dass einige seiner Mitglieder sich bereits heute aktiv am Digitalradio DAB+ beteiligen. Außerdem sollte man erwähnen, dass es auch zahlreiche kommerzielle Veranstalter gibt, die ein reges Interesse an DAB+ zeigen und nicht Mitglied im VPRT sind. Der Verband spricht also nicht für alle kommerzielle Hörfunkprogramme in Deutschland.

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