Medientage München

Institut für Rundfunktechnik präsentiert Innovationen bei DAB+

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) präsentiert auf den Medientagen München zwei Innovationen im Bereich Digitalradio DAB+: Eine Hybrid-App für Smartphones und Tablets und ein so genanntes Small Scale-Rack vor mit kompletter Sendetechnik für die Betreiber lokaler Digitalradio-Multiplexe.
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Die HybridRadio-App soll automatisch zwischen Internetradio und DAB+ umschalten, falls ein terrestrisches Signal verfügbar ist.Die HybridRadio-App soll automatisch zwischen Internetradio und DAB+ umschalten, falls ein terrestrisches Signal verfügbar ist. Die Digitalisierung des Radios schreitet voran und UKW soll mittelfristig durch DAB+ abgelöst werden. Das Institut für Rundfunktechnik IRT präsentiert aktuell auf den Medientagen München zwei Innovationen, die bisherige Probleme bei der Versorgung mit dem terrestrischen Digitalradio lösen sollen.

HybridRadio-App bei Google Play

Zum einen stellt das Institut die HybridRadio-App vor. Diese beinhaltet eine automatische Umschaltung zwischen Internetradio und DAB+, falls ein terrestrisches Signal verfügbar ist. Damit sparen Radiohörer kostbares Highspeed-Datenvolumen ein. Darüber hinaus erfüllt die App viele Hybrid-Radio-Funktionalitäten wie Radio-EPG, Radio-DNS, Slideshows und Radiotexte. Darüber hinaus hat das IRT in der App die Verlinkung von terrestrischen Radioprogrammen mit begleitenden internetbasierten Podcasts realisiert. Die Applikation ist ab sofort kostenlos im Google Play-Store erhältlich. Die App ist allerdings nur mit einem Smartphone mit eingebautem terrestrischem Digitalradio-Empfang nutzbar. Aktuell erfüllt nur das LG Stylus 2 diese Anforderungen.

Technischer Aufbau für "Small-Scale"-DAB

Ferner stellt das IRT auf den Medientagen ein so genanntes Small-Scale-Rack mit kompletter Sendetechnik für die Betreiber lokaler Digitalradio-Multiplexe vor. Das DAB-Übertragungssystem wurde seiner Zeit so konzipiert, dass mit möglichst vielen Radioanbietern in einem gemeinsamen Ensemble die Kosten für den Betrieb gut verteilt werden können. Für kleine lokale Radiobetreiber ist dies manchmal jedoch keine realistische Option, da entweder keine weiteren Anbieter für die lokal sehr begrenzte Region gefunden werden können, oder eine Ausstrahlung in einem größeren regionalen Gebiet aufgrund von Streuverlusten programmlich nicht sinnvoll erscheint. Einen Ausweg könnten sogenannte Small Scale DAB-Konzepte bieten. Auf Basis von Open-Source Software für die Encodierung, den DAB-Multiplex und die abschließende Modulation können Lösungen im Kleinleistungsbereich zu niedrigen Kosten realisiert werden. Maßgebliche Komponenten dafür werden aus dem Open Digital Radio-Projekt (ODR) bereitgestellt. Das IRT hat diese Softwarekomponenten evaluiert und dazu passende Hardwarekomponenten. Diese präsentiert das Institut auf den Medientagen. Die gesamte Sendetechnik ohne Antenne kostet rund 9 000 Euro, ein Programmanbieter könnte – abhängig von der Sendeleistung – bei voller Multiplexauslastung schon für 200 Euro im Monat verbreitet werden.

Feldversuch in Leipzig

In einem Feldversuch soll diese Technik im kommenden Jahr in Sachsen in den Einsatz kommen. Die Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM) plant dieses Low-Power-Netz mit einer technischen Reichweite von knapp einer halben Million Einwohnern in Leipzig. Hieran wollen sich bestehende Lokalradios, nichtkommerzielle Projekte und auch Programmanbieter mit bisher nicht terrestrisch verbreiteten Formaten beteiligen.

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