Digitales Radio

Machen echte Mobilfunk-Flatrates das Digitalradio DAB+ überflüssig?

Endlich gibt es echte Flatrates beim Mobilfunk ohne die ungeliebte Drosselung auf Schneckentempo. Vor allem Anbieter von Streamingdiensten oder Internetradio können davon profitieren. Wir haben uns mit der Fragestellung beschäftigt, ob die neuen Datentarife sogar das terrestrische Digitalradio DAB+ obsolet machen.

Machen echte Mobilfunk-Flatrates das Digitalradio DAB+ überflüssig? Machen echte Mobilfunk-Flatrates das Digitalradio DAB+ überflüssig?
Foto: teltarif.de
T-Mobile bietet ab sofort eine echte Mobil-Flatrate ohne Drosselung an, Telefónica startet unter dem Label o2 Free neue Angebote, bei denen Kunden anstatt auf 64 kBit/s und darunter nur noch auf 1000 kBit/s gedrosselt werden. Und schon gibt es neue Diskussionen um die Zukunft des Radios: Benötigt man wirklich noch das digital-terrestrische Radio DAB+, wenn sich echte Flatrates beim Mobilfunk durchsetzen sollten?

Deutschland hinkt zurück

Machen echte Mobilfunk-Flatrates das Digitalradio DAB+ überflüssig? Machen echte Mobilfunk-Flatrates das Digitalradio DAB+ überflüssig?
Foto: teltarif.de
Zunächst einmal ist festzuhalten, dass Deutschland beim Thema "Echte Flatrates beim Mobilfunk" hinter vielen anderen Ländern zurück hinkt. In den USA beispielsweise gibt es solche Datentarife seit längerem, oder zumindest ein so genanntes "Zero Rating"-Angebot, das wichtige Streaming-Dienste wie Netflix oder das Internetradioportal TuneIn von einer Drosselung ausschließt.

Von einer solchen Freiheit können Deutsche bisher nur träumen: Vielen Kunden ist das begrenzte Highspeed-Volumen heilig, so dass sie auf die Nutzung von Streaming oder Internetradio außerhalb von WLAN-Netzen verzichteten. Eine Konsequenz beim Hörfunk: Laut aktuellem Digitalisierungsbericht der Landesmedienanstalten ist die Nutzungsdauer von Internetradio hinter die des digital-terrestrischen Radios DAB+ zurück gefallen.

Insofern ist es eindeutig ein zeitgemäßer Schritt in die richtige Richtung: Bei einer Drosselung auf 1 MBit/s wie sie Telefónica beim neuen Angebot o2 Free plant, sind selbst Streams mit hoher Datenrate weiter unterbrechungsfrei hörbar. Aktuell können Kunden nur noch Streams mit niedrigen Datenraten bis etwa 48 kBit/s abspielen, nachdem die Drossel wirksam wurde. Der Start eines Streams kann dabei schon mal bis zu vier Minuten dauern, da es auch ewig dauert, bis eine Applikation wie TuneIn geladen ist. Verständlich, dass bisher kaum jemand Lust hat solche Angebote zu nutzen. Diese Beschränkung fällt mit neuen Angeboten wie o2 Free weg.

Einschränkungen machen Streaming im Mobilfunk weiter unattraktiv

Allerdings gibt es Einschränkungen: Wie die Fußnoten zu o2 Free verraten, müssen die Kunden nach Verbrauch des zum Tarif gehörenden Highspeed-Datenvolumens auf den Zugang zum LTE-Mobilfunknetz verzichten. Wörtlich heißt es: "Mit o2 Free kann nach Verbrauch des Highspeed-Datenvolumens im o2 2G/GSM- und 3G/UMTS-Netz mit bis zu 1000 kBit/s (im Durchschnitt 994 kBit/s) weitergesurft werden." In vielen ländlichen Regionen verzichten die Mobilfunkunternehmen auf den Aufbau von UMTS-Infrastruktur und rüsten gleich auf LTE auf. Das heißt bei den neuen o2-Angeboten aber im Umkehrschluss, dass vielerorts nach Drosselung nur noch eine Datenverbindung mit EDGE zur Verfügung steht. Und das bedeutet: Es kommt beim Internetradio-Hören erneut zu Aussetzern bei Streams mit hoher Bandbreite.

Auch die ansonsten vom mobilen Internet bekannten Probleme bleiben bestehen: Überlastete Funkzellen an stark frequentierten Orten wie Bahnhöfe oder Fußgängerzonen wird es auch weiter geben. Gerade im LTE-Netz von Telefónica gab es zuletzt massive Probleme aufgrund von Kapazitätsengpässen. Auch die bekannten Handover-Probleme beim Funkzellenwechsel lösen die neuen Angebote ebenso wenig wie die Stopfung bestehender Funklöcher, wie es sie noch reihenweise in strukturschwachen Zonen gibt.

Schritt in richtige Richtung, aber kein Ersatz für Rundfunk

Um also zur Eingangsfrage zu kommen: Zweifelsohne könnte das Streaming von Audio und Video durch die neuen o2 Free-Angebote von Telefónica attraktiver werden. Die technischen Grundprobleme lösen sie aber nicht. Das terrestrische Digitalradio DAB+ ist Rundfunk im klassischen Sinne, ein Signal wird von einer Sendeanlage kostenlos an unendlich viele Teilnehmer geschickt. Der Netzausbau schreitet immer weiter voran. An vielen Orten, an denen bisher noch keine Mobilfunk-Infratruktur vorhanden ist, kann man DAB+ bereits empfangen.

Am attraktivsten für die Zukunft des Hörfunks ist also weiter eine Hybrid-Strategie: Reichweitenstarke Programme sollten über DAB+ verbreitet werden, für Zusatzangebote, interaktive Anwendungen und einen Rückkanal kann die Mobilfunk-Infrastruktur genutzt werden. Hierfür sind echte Flatrates ohne Datendrossel oder neue Angebote wie o2 Free zumindest nicht kontraproduktiv - allerdings als Ergänzung zu klassischen Rundfunktechniken wie DAB+. Und nicht als Ersatz.

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