DAB+-Pflicht

Privatradio-Verband übt Kritik an DAB+-Pflicht in Autoradios

Der Privatradio-Verband Vaunet kritisiert die neue digitale Interoperabilitätsrichtlinie für Autoradios. Internetradio und Smartphones seien nicht berücksichtigt worden. Der Verband fordert Nachbesserungen.
AAA
Teilen (9)

Der Privatradio-Verband Vaunet kritisiert die neue digitale Interoperabilitätsrichtlinie für Autoradios, die das Europäische Parlament am 14. November 2018 verabschiedet hat. Laut der neuen Richtlinie müssen künftig alle in der EU verkauften Autoradios digital-terrestrischen Radioempfang (etwa DAB/DAB+) bieten. Für den Vaunet geht diese Regelung an den laut seiner Sicht tatsächlichen Marktbedürfnissen vorbei. Der Kodex habe die zunehmende Radionutzung via Smartphones nicht berücksichtigt, heißt es.

Vaunet will Zugang zu Internetradio im Auto

Der Vaunet kritisiert, dass Smartphones nicht in der neuen EU-Richtlinie berücksichtigt sindDer Vaunet kritisiert, dass Smartphones nicht in der neuen EU-Richtlinie berücksichtigt sind Der Vaunet fordert sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene Nachbesserungen und eine umfassend technologieneutrale Interoperabilitätsnorm, die alle Radioübertragungswege beinhaltet. Dazu gehört beispielsweise eine Internetradio-Funktion oder zumindest eine Bluetooth-Schnittstelle in Car-Hifi-Systemen.

Daneben gibt es Verbesserungen bei den Zugangs- und sogenannten Must-Carry-Bestimmungen zu Plattformen. Die Mitgliedstaaten werden in die Lage versetzt, durchzusetzen, dass elektronische Kommunikationsnetzwerke und -dienste, soweit sie signifikant genutzt werden, bestimmte lineare Hörfunk- und Fernsehprogramme und damit verbundene TV-Dienste (Connected TV) übertragen müssen. Im Zuge der Beratungen zum Medienstaatsvertrag setzt sich der Vaunet auch dort für Must-Carry und Must-Be-Found-Bestimmungen ein.

Die Verwaltung der für Vaunet-Mitglieder relevanten Rundfunkfrequenzen bleibt in erster Linie in der Obhut der Mitgliedstaaten. Den Kodex-Vorschlag hatte die Europäische Kommission im Rahmen ihrer Strategie für einen digitalen Binnenmarkt im September 2016 vorgelegt. Der Zustimmung im Europäischen Parlament war im Juni 2018 die politische Einigung zwischen EU-Kommission, Europaparlament und Ministerrat vorausgegangen.

Nach der Verabschiedung durch das Europäische Parlament wird nun der Rat der EU am 3. Dezember den Kodex auch förmlich annehmen. Im Anschluss an die Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union (voraussichtlich am 17. Dezember) werden die Mitgliedstaaten zwei Jahre Zeit haben, um den Kodex für die elektronische Kommunikation in nationales Recht umzusetzen.

Der Verband begrüßte, dass der analoge UKW-Hörfunk in der Richtlinie unangetastet bleibt.

DAB+ erlaubt keine Personalisierung

Der Vaunet (zuvor: VPRT) sieht den digital-terrestrischen Hörfunk DAB+ seit vielen Jahren kritisch. DAB+ leiste nicht die laut dem Verband in Zukunft existentiell wichtige Personalisierung bei Inhalten und vor allem Werbung. Daher setzt man sich für eine technologieneutrale Interoperabilitätsnorm ein, die auch IP-Radio beinhaltet.

Teilen (9)

Mehr zum Thema DAB+