Digitalradio

DAB+: Der zweite Bundesmux kommt durch die Hintertür

Obwohl der zweite bundesweite Multiplex aufgrund eines Rechtsstreits auf Eis liegt, bekommen viele Radiohörer ein größeres Angebot an überregionalen Radiostationen via DAB+. Dafür senden die Stationen in regionalen Bouquets.
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radio B2 expandiert auf DAB+ und ist jetzt auch in Hamburg zu hörenradio B2 expandiert auf DAB+ und ist jetzt auch in Hamburg zu hören Am Montag, 2. Juli, feierte der Schlagersender radio B2 aus Berlin die Expansion in eine weitere Großstadt. Pünktlich um 11 Uhr hat das Schlagerduo Klaus & Klaus ("An der Nordseeküste") den knallroten Startknopf gedrückt und den Sender freigeschaltet. radio B2 ist in Hamburg digital-terrestrisch über DAB+ zu hören und gehört zu einer handvoll Sendern, die inzwischen in mehreren Bundesländern im neuen Digitalradio zu hören sind.

Eigentlich sollte der zweite bundesweite Multiplex für das Mehr an privater Programmvielfalt über DAB+ sorgen. Doch der liegt wegen eines Rechtsstreits auf Eis, vielleicht sogar für Jahre. Programmveranstalter hält das allerdings von ihrem Expansionskurs nicht ab: Anstelle über die zweite bundesweite Bedeckung werden sie nun regional in Landes- und Regionalmuxen aktiv. Bei radio B2 heißt das neben dem Stammland Berlin eine Erweiterung auf Städte wie Bremen oder Hamburg. Im Sommer soll Brandenburg folgen. Auch in Baden-Württemberg hat sich das Schlagerradio beworben, weitere Bundesländer könnten folgen.

Mehr als ein Dutzend überregionale Privatradios in Regionalmuxen

Eine ähnliche Strategie verfolgt die Rock Antenne aus Bayern, die nach dem Stammland und Baden-Württemberg ihr digital-terrestrisches Sendegebiet auch nach Hessen und Hamburg ausgedehnt hat und bald auch in Berlin und Brandenburg zu hören sein wird.

Weitere überregionale, private DAB+-Angebote sind Absolut Hot (Active Hit Music), ERF Pop (Adult Contemporary/Christian Pop), Radio Teddy (Kinder und Familie), Peli One (Hip-Hop, Soul), Rockland (Rock), lulu.fm (Gay Music), Domradio (Kirche und Popmusik), egoFM (Alternative Music), Mega Radio SNA (Infotainment) oder bigFM (Jugendradio).

Für die Programmanbieter ist die Verbreitung in Regionalmuxen sogar von Vorteil: Sie können hier regionale Inhalte und Werbung ausstrahlen, was ihnen in den bundesweiten Abdeckungen technisch nicht möglich, beziehungsweise medienpolitisch gar nicht erlaubt wäre.

Föderalismus verhindert weitere Expansion

Von einer bundesweiten Verbreitung wie bei den Programmen des ersten Bundesmux sind die genannten Anbieter aber weit entfernt. Das liegt am föderalen Rundfunksystem in Deutschland. Obwohl viele Veranstalter gerne auch in andere Bundesländer expandieren würden, hält sich die Medienpolitik beim Thema DAB+ oft zurück. Beispielsweise im bevölkerungsreichsten Bundesland NRW. Oft werden die vorhandenen Frequenzen und Multiplexe erst ausgeschrieben, wenn auch lokale Privatradios zum Einstieg in DAB+ bereit sind. Und so haben die genannten Veranstalter zunächst keine Chance auch in Hannover, Köln, Essen, Erfurt oder Kiel auf Sendung zu gehen.

Von daher ist es doch zu hoffen, dass es irgendwie eine Einigung im Rechtsstreit um den zweiten Bundesmux kommt. Denn von diesem hätte jeder Hörer etwas, unabhängig vom Bundesland, in dem er wohnt.

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